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Früher und heuteWie aus dem fehlgeplanten Kölner Sicherheitshafen ein Park wurde

Lesezeit 3 Minuten
Eine historische Postkarte zeigt den geplanten Sicherheitshafen um 1890.

Bei der Planung des Sicherheitshafens ging einiges schief. Eine historische Postkarte zeigt den geplanten Sicherheitshafen um 1890.

Vor vielen Jahren wollte die Kölner Stadtverwaltung einen Sicherheitshafen auf Höhe der Bastei bauen – und scheiterte.

Natürlich gibt es in Köln nicht erst seit der Opernsanierung oder dem Hubschrauberlandeplatz auf dem Kalkberg skandalträchtige Bauprojekte. Ein wenig bekanntes, aber imposantes Beispiel für Kölner Fehlplanungen ist der Sicherheitshafen in Höhe der Bastei.

Historischer Fehltritt: Die Fehlplanung des Sicherheitshafens

Große Summen wurden auf dem heutigen Parkgelände zwischen den Fahrbahnen des Theodor-Heuss-Rings am Ebertplatz versenkt, um für Rheinschiffer ein sicheres Hafenbecken zu bauen. Als es endlich fertig war, stellte es sich als unbrauchbar heraus.

Schon in den 1780er Jahren verlangten die Schiffer einen Hafen, in dem sie im Winter ihre Boote geschützt vor Hochwasser und Eis unterbringen konnten. Auslöser war der verheerende Eisgang im Winter 1784: Eine Kombination aus Hochwasser und Eis hatte vor allem in Mülheim schwere Verwüstungen angerichtet, etliche Menschen kamen ums Leben.

Aber erst unter französischer Herrschaft begann parallel zum äußeren Stadtgraben am heutigen Thürmchenswall der Bau des Hafenbeckens, das der Ingenieur Abraham Gabriel Mossé mit einer Länge von 500 Metern, einer Breite von etwa 50 Metern sowie einer flaschenhalsartigen Verengung zum Rhein als Einfahrt geplant hatte.

Kölner Historiker listet die Mängel auf

50 große und 140 kleinere Schiffe sollten Platz finden. Zuvor hatten Stadt, Handelskammer und die französischen Behörden lange über die Finanzierung gerungen.

In einer Abhandlung in der Zeitschrift „Geschichte in Köln“ listet Mario Kramp, ehemaliger Leiter des Kölnischen Stadtmuseums, eine lange Liste von Verfehlungen auf, die das Großprojekt schließlich zur Farce werden ließ.

Angefangen von „ewigem Gerangel um Finanzen“ bis hin zu geschönten Kostenschätzungen, Planungsfehlern, unseriösen Firmen und Baumängeln. Zwar genehmigte der französische Kaiser Napoleon die Pläne im Januar 1811 und schon im Jahr darauf wurde mit großem Pomp die Grundsteinlegung gefeiert.

Französische Herrschaft verzögerte das Bauprojekt

Durch den Sturz Napoleons geriet das Projekt jedoch ins Stocken. Als die Franzosen 1814 Köln verließen, wurde die Baustelle sogar stillgelegt. Die Mauern waren noch nicht fertig, die Kosten indessen waren schon mächtig gestiegen.

Als die Preußen in Köln das Ruder übernahmen, hielten sie am Vertrag mit dem Bauunternehmer und Kaufmann Pierre François Paravey fest, der mit der Umsetzung des Projekts beauftragt worden war. „Doch blieb der Sicherheitshafen ein ärgerliches Flickwerk, aus Geldmangel nur notdürftig instand gehalten“, so Mario Kramp.

Zu den „handfesten Baumängeln“ gehörte die Brücke über der Hafeneinfahrt. Weil ihr Bau wegen der schlechten Finanzlage immer wieder verschoben worden war, sollte 1820 ein Provisorium entstehen. Als der Bau endlich genehmigt war, war das schon früher dafür gelieferte Holz bereits verfault.

Hafen wurde schließlich durch einen Park ersetzt

Später stellte sich heraus, dass der „Napoleonische Hafen“ auch zur Aufnahme der zukunftsträchtigen Dampfschiffe nicht geeignet war. Der Winkel der Einfahrt zum Rhein forderte vor allem größeren Schiffen waghalsige Manöver ab. Das Becken hätte tiefer sein müssen und die Uferbegrenzungen waren teils kaum brauchbar.

„Wie man es drehte und wendete: In dem Augenblick, als der Sicherheitshafen endlich halbwegs fertiggestellt war, erkannte man, dass die ganze Anlage verfehlt und nicht mehr für moderne Erfordernisse herzurichten war“, schreibt Mario Kramp.

Die Kölner planten um. Als Alternative zum Sicherheitshafen entstand in den 1850er Jahren der Rheinauhafen. Das Becken am Thürmchenswall indessen versandete.

1895/ 1896 wurde der Tümpel zugeschüttet: Er stand der Vollendung der prachtvollen Ringstraße im Weg. Aus einem unrühmlichen Kapitel Baugeschichte wurde ein hübscher kleiner Park mit lieblicher Teichanlage.

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