„Eine Welt für sich“Kölner Schachverein feiert Comeback in der Bundesliga – worauf es beim Spielen ankommt

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Jürgen Koch (l.), stellvertretender Leiter des Fördervereins, und Boris Maric, Spieler der ersten Mannschaft von dem Klub Kölner Schachfreunde, spielen Blitz-Schach.

Jürgen Koch (l.), stellvertretender Leiter des Fördervereins, und Boris Maric, Spieler der ersten Mannschaft, von dem Klub Kölner Schachfreunde spielen eine Blitz-Partie.

Die Kölner Schachfreunde haben eine erfolgreiche Saison hinter sich. Sie erzählen, was einen guten Schachspieler ausmacht. 

„Wir wollten gar nicht aufsteigen, aber wir waren so im Rausch“, sagt Jürgen Koch, stellvertretender Leiter des Fördervereins vom Klub Kölner Schachfreunde. Mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga vor wenigen Wochen rechnete der Amateur-Verein nicht, wobei es nicht das erste Mal war: Vor fünf Jahren spielten die Kölner bereits in der zweiten Bundesliga. Nach einem Jahr sind sie damals wieder in die Oberliga abgestiegen. Jetzt setzten sich die Spieler gegen die beiden punktgleichen Rivalen durch, die Schachfreunde Lieme und der Schachverein Erkenschwick. Sie rückten auf den ersten Platz der Tabelle und sicherten sich ihren Aufstieg in die Bundesliga

Klub Kölner Schachfreunde erzählen, was sie am Schach begeistert

„Als Jugendlicher hat mich der Wettbewerbscharakter angezogen“, so Boris Maric von den Kölner Schachfreunden. Er ist einer von den acht Schachspielern der ersten Mannschaft. Maric hat in seiner Jugend das Schachspielen für sich entdeckt. Als seine Kinder im Verein anfingen, Schach zu lernen, schloss sich der 50-Jährige nach einer längeren Pause wieder den Kölner Schachfreunden an. Maric verwaltet auch die Vereinsräume in der Nähe des Barbarossaplatzes, die er tagsüber als Co-Working-Arbeitsplätze vermietet. „Es ist wichtig, ein guter Verlierer zu sein. Man muss aber auch ein guter Gewinner sein“, sagt Maric. „Man muss sich gegenseitig aufbauen. Anderen die Erfolge gönnen und sich auch über seine eigenen freuen.“

Man muss sich gegenseitig aufbauen. Anderen die Erfolge gönnen und sich auch über seine eigenen freuen.
Boris Maric, Spieler der ersten Mannschaft

„Schach ist emotional. Es gibt auch mal Tränen“, so Koch. Zeit braucht man zum Schachspielen auch. Profis trainieren bis zu zehn Stunden am Tag. Ausdauer und Ehrgeiz sind gefragt, denn eine Partie kann bis zu sechs Stunden dauern. Unter Stress müssen sich die Schachspieler stundenlang konzentrieren. Aus diesem Grund ist eine gute Kondition von Vorteil. Der Sport ist aber von der Fitness und dem Alter unabhängig. Ein Genie müsse man nicht sein, um Schach spielen zu lernen, so Maric. 

Die Förderung von Kreativität und Geselligkeit sind weitere Aspekte, die den Familienvater am Schach reizen. Schachklubs gibt es in fast jeder Stadt, überall auf der Welt könne man Leute kennenlernen. Wenn man mit Schach anfangen möchte, sollte man „spielen, lernen und Spaß haben“, so Maric.

Außerdem profitiere Schach auch von der digitalen Entwicklung. Die Serie „Das Damengambit“ von Netflix hat vor zwei Jahren weltweit einen Schach-Boom ausgelöst, der auch bei den Kölner Schachfreunden bemerkbar ist. Im letzten halben Jahr haben sie um die 40 neuen Mitglieder gewonnen. Es gibt zahlreiche Videos im Internet, die Regeln sowie Spielzüge erklären. Mit Online-Tools kann man gemäß seinem Level trainieren.

Schach hat auch eine gesellschaftspolitische Seite

„Ich liebe es zu denken, mich im Konzentrieren zu üben, kreativ zu sein und mit anderen ins Gespräch zu kommen“, sagt Koch. Aber Schach hat für den 70-jährigen Lehrer im Ruhestand auch einen Wert für die Gesellschaft: „Die Kinder, die nicht Fußball spielen, brauchen auch etwas. Schach holt die Kinder von der Straße, damit sie keine Drogen nehmen, nicht saufen.“ Die Kölner Schachfreunde fördern Kinder und Jugendliche, wollen ihnen sinnvolle Ziele bieten.

Auch die Frauen- und Mädchenförderung ist ihnen ein Anliegen. „Mädchen sind schwer für den Schach zu begeistern“, sagt Koch. Deshalb schaffen sie mit weiblichen Trainerinnen wie der Großmeisterin Kirsten van Münster Vorbilder. Eine Kooperation mit einer Mädchenschule ist ebenfalls in Aussicht. 

Im Oktober beginnt die neue Saison. Dann werden die Kölner Schachfreunde ihr Können auf den Schachbrettern wieder unter Beweis stellen müssen. „Schach ist ein toller Sport. Nicht nur ein Sport, sondern auch eine Welt für sich“, so Koch.