Ein Weg aus Pflastersteinen führt von der Krefelder Straße in die Kirche St. Gertrud. Der Architekt Gottfried Böhm schuf die räumliche Verbindung bewusst, als er den Bau in den 60er-Jahren entwarf. Die Kirche sollte sich der Umgebung öffnen – und ist somit der perfekte Ort für die Ausstellung, die dort am Freitag, 16. Oktober, um 18 Uhr öffnet: „Home Sweet Home“ ist nicht nur ein Kunst-, sondern auch ein Begegnungsprojekt. Sein Thema „das eigene Heim“ hat für Menschen eine besondere Bedeutung, insbesondere in Zeiten der Wohnungsnot – und ganz besonders für diejenigen, die es verloren haben, Geflüchtete, Heimat- und Wohnungslose.
Künstlerin Christiane Rath installiert seit 2022 WG-Küchen im öffentlichen Raum
So wird die Kirche Ausstellungsort und Anlaufstelle, ihr Innenraum, der wie ein Atrium durch Stufen gesäumt ist, zu einem marktähnlichen Treffpunkt für Menschen und Kunst. Rund 40 Künstler und Künstlerinnen des Netzwerkes „Crossart International“, Schüler und Schülerinnen sowie wohnungs- und obdachlosen Menschen des Kunstprojektes „In Zukunft kreativ“ haben zum Thema der Ausstellung Kunstwerke gestaltet. Sie basiert auf einer gemeinsamen Idee des Leiters von „In Zukunft kreativ“, dem Streetartkünstler Peter Mück, und der Installationskünstlerin Christiane Rath. Rath installiert seit 2022 „WG-Küchen“ im öffentlichen Raum, wo Menschen gemeinsam essen, kommunizieren, sich begegnen und miteinander verbinden können.

Das Konzept mit Küchentisch machte schon einmal Station vor der Agneskirche.
Copyright: Christiane Rath
Auch in der Kirche St. Gertrud wird Rath an den großen Küchentisch einladen, zwischen Kühlschrank und Spüle, zum Essen, Diskutieren, zum gemeinsamen Abwasch, dazu, sich am Kühlschrank zu bedienen und sich in der Kirche wie zu Hause zu fühlen. Das Thema „Flucht“ thematisiert sie mit ihrer Installation „Streichhölzerzählwerk“, mit der sie seit 2016 Jahr für Jahr aus Streichhölzern die Zahl der Menschen auslegt, die im Vorjahr im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken sind. „Die Visualisierung ist nötig, um sich eine so große Zahl überhaupt vorstellen zu können“, erläutert die Künstlerin. Es komme vor, dass Ausstellungsbesucher oder -besucherinnen die Hölzer übersehen und darauf treten. Das versinnbildliche die Realität, das Wegsehen.
Der Künstler Sven Teubner steuert eine meditative Beamerprojektion bei. Zahlreiche andere Werke thematisieren beispielsweise auch das Thema „soziale Ungleichheit“. Im Zentrum des Geschehens stehen aber Begegnungen, Gespräche bei einer gemeinsamen Suppe im „Salon de Soupe“, künstlerisches Arbeiten mit den Eierplätzchenkünstlern, ein Kunstworkshop und Essen für wohnungslose Menschen in der WG-Küche.

Home Sweet Home von Peter Mück
Copyright: Susanne Esch
Für den Pastoralreferenten Peter Otten passt die Ausstellung perfekt in unserer Zeit: „Es ist mir wichtig, diesen Ort, der Pfarrkirche und ein Kunstwerk ist, mit den Anliegen von Künstlern in Verbindung zu bringen“, sagt er. Die Eucharistie, das gemeinsame Essen und die Begegnung haben für das Christentum eine besondere Bedeutung. Die Ausstellung zeige, wie sich Kunst und Spiritualität gegenseitig befruchten können.
Die Ausstellung „Home Sweet Home“ ist bis Dienstag, 20. Oktober, in der Kirche St. Gertrud, Krefelder Straße 57, zu sehen. Nach der Vernissage am 18. Oktober um 18 Uhr findet am Samstag, 17. Oktober, von 16 bis 19 Uhr der „Salon de Soupe“ eine Gesprächsrunde zum Thema „What the fuck is Heimat?“ statt. Am Sonntag, 18. Oktober, folgt das künstlerische Arbeiten mit den Eierplätzchenkünstlern, am Montag, 19. Oktober, von 15 bis 18 Uhr der Kunstworkshop mit wohnungslosen Menschen und am Dienstag, 20. Oktober, das Essen für wohnungslose Menschen in der WG-Küche. Der Eintritt ist frei.

