Massive Kostensteigerungen und jahrelange Verzögerungen: Jetzt zieht der WDR in sein saniertes Filmhaus ein – doch die Kritik bleibt.
240 Millionen EuroWDR bezieht mit sechs Jahren Verspätung saniertes Filmhaus in Kölner Innenstadt

Nach acht Jahren Sanierung sind die ersten WDR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter eingezogen.
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Sechs Jahre später als ursprünglich geplant und nach einer Kostenexplosion auf 240 Millionen Euro hat der WDR im August begonnen, in sein saniertes Filmhaus in der Innenstadt zu ziehen. Laut einer Sprecherin laufen derzeit noch letzte behördliche Abnahmen, bis Ende September sollen die Umzüge abgeschlossen sein.
Das Filmhaus aus dem Jahr 1974 steht an der Nord-Süd-Fahrt, rund 500 Meter vom Kölner Dom entfernt. Dort sollen rund 700 Menschen arbeiten und unter anderem die Aktuelle Stunde, das ARD-Morgenmagazin und Brennpunkte zu bestimmten Themen entstehen. Die Bauarbeiten hatten 2018 begonnen.
Fertigstellung verzögerte sich immer wieder
Trotz der vielen Verzögerungen sagt eine WDR-Sprecherin über das umstrittene Bauvorhaben: „Das Projekt bleibt nach jetzigem Stand in dem veranschlagten Gesamtbudget von 240 Millionen Euro.“
Nach dem Architektenwettbewerb 2015 war der Sender davon ausgegangen, dass der Bau 2017 starten und 2020 beendet werden würde. So steht es in einer Pressemitteilung von damals. Später korrigierte die Rundfunkanstalt die Fertigstellung auf 2022, 2024, 2025 und schließlich 2026. Der WDR hatte dieser Redaktion ursprünglich mitgeteilt, dass die Planungs- und Baukosten 80 Millionen Euro betragen.

Mit dieser Visualisierung präsentierte der WDR das Projekt.
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Als der Sender vier Jahre später den Kostenanstieg auf 240 Millionen Euro verkündete, begründete eine Sprecherin die Kostenexplosion damit, dass in dieser neuen Summe zusätzlich auch Abriss, die Inneneinrichtung samt Studiotechnik, die Mietkosten für die Ausweichquartiere sowie die Finanzierungskosten enthalten seien.
Wie viel Geld der öffentlich-rechtliche Rundfunk für große Bauprojekte ausgibt, ist ein öffentlich immer wieder emotional diskutiertes Thema, weil die Sender sich von den Rundfunkbeiträgen der Bürgerinnen und Bürger finanzieren. Die Kosten der Filmhaus-Sanierung lösten Kritik von mehreren Seiten aus.
Kommission sieht „gravierende Versäumnisse“
Wie berichtet hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) 69,1 Millionen Euro im Jahr 2020 gesperrt, die der WDR als Bedarf für die Sanierung angemeldet hatte. Die KEF begründete die Sperre mit einem „erheblichen Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsprinzip“. „Gravierende Versäumnisse“ haben demnach zu „vermeidbaren Kostensteigerungen“ geführt. 2024 bestätigte sie die Sperre final.
Zudem lägen die Kosten der Sanierung erheblich über denen vergleichbarer Neubau- oder Sanierungsprojekte anderer Sender – und zwar um 157 Prozent. Während der WDR für jeden Quadratmeter Nutzfläche 16.283 Euro zahlt, beträgt der durchschnittliche Vergleichswert 6342 Euro je Quadratmeter. So geht es aus dem 24. KEF-Bericht hervor.

Das Filmhaus aus einer anderen Perspektive.
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Zwei Jahre später, im Nachfolgebericht, verglich die Kommission gesondert die Sanierungsprojekte und rechnete Neubauten nicht ein: Im Schnitt kostete der Quadratmeter Nutzfläche demnach 12.032 Euro. Damit lagen die 16.283 Euro des WDR „nur noch“ 35 Prozent über dem Durchschnitt.
Der WDR verwies in der Vergangenheit auf die schwierige Vergleichbarkeit der Bauvorhaben, unter anderem wegen des unterschiedlichen Sanierungsbeginns oder der unterschiedlichen Lage. Das Filmhaus steht mitten in der Innenstadt, laut WDR sei die Logistik komplizierter.
Mitarbeiter kritisiert Entwicklung
Ein freier Mitarbeiter sagt: „Wir sind stinksauer, wie sich der Bau des Filmhauses entwickelt hat. Einen Teil des Geldes hätte man gut in das Programm statt in Steine stecken können.“
Der WDR muss nun einen erheblichen Teil der Kosten aus eigenen Rücklagen finanzieren – anders als ursprünglich geplant nimmt er dafür kein Darlehen auf, für das der Sender Zinsen zahlen müsste. Das bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage. Für zunächst vier Jahre ab 2025 waren laut aktuellem KEF-Bericht 8,7 Millionen Euro an Zinsen für das Darlehen eingeplant, das laut WDR länger als 30 Jahre dauern sollte.
WDR hat Rücklagen gebildet
Der WDR zahlt das benötigte Geld mit den Rücklagen, die er für die Sanierung gebildet hat. Und: Die 69,1 Millionen Euro gelten als „anrechenbare Eigenmittel“. Sie werden bei der Ermittlung des Finanzbedarfs berücksichtigt und mindern den Betrag, der über Rundfunkbeiträge gedeckt werden soll.
Laut Landesrechnungshof haben die Gremien des Senders wie Geschäftsleitung und Verwaltungsrat richtungsweisende Entscheidungen vor der Sanierung, vor allem zum Standort, „ohne fundierte, vorherige Untersuchungen getroffen“. Beispielsweise lag dem WDR-Verwaltungsrat kein grober Kostenrahmen vor. „Der Verwaltungsrat als Aufsichtsorgan hätte dem Projekt auf dieser Basis nicht zustimmen dürfen.“
Verwaltungsrat sieht es rückblickend kritisch
Dieser Kritik stimmte der Verwaltungsrat 2023 zu. Das neunköpfige Aufsichtsgremium teilte mit, „dass der aktuelle Verwaltungsrat einstimmig der Auffassung ist, dass es in Zukunft wichtig ist, dass vergleichbare Bauprojekte sowohl von der Geschäftsleitung als auch von der Aufsicht stringenter entlang von etablierten Regeln der öffentlichen Hand geplant und realisiert werden“.
Der WDR verteidigte sich gegen die Kritik, teilte unter anderem mit: „Eines ist aber auch ohne ein formales Wirtschaftlichkeitsgutachten klar: Dass eine Sanierung des Filmhauses wirtschaftlicher ist als eine komplette Verlagerung nach Bocklemünd, wo neben einem Neubau weitere Ausbauten und Sanierungen nötig gewesen wären.“
Mittlerweile ist auch der jahrelang gesperrte Fußweg am Filmhaus wieder benutzbar. Wegen der Sperrung hatten Passanten teils die Straße betreten, was zu gefährlichen Situationen führte.
Info-Text: Die Designermöbel und der WDR
Im Sommer 2024 hatte der WDR eine Suche für eine Firma zur Beschaffung der Möbel für das Filmhaus gestartet. Er fragte ganz konkret Designermöbel an, etwa den Sessel einer dänischen Firma für einen Listenpreis von je rund 4500 Euro. Die Gesamtsumme für 36 Exemplare ohne Mengenrabatte hätte sich demnach auf 161.964 Euro belaufen. Insgesamt suchte der Sender eine Firma, die rund 2700 Möbel liefern sollte.

4499 Euro sollte laut Hersteller Fredericia „The Spanish Chair“ von Børge Mogensen kosten, der Preis stammt aus 2024.
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Gregor Golland, stellvertretender CDU-Fraktionschef im Landtag und Mitglied des WDR-Rundfunkrates, sagte: „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler und ein Image-Gau zulasten der anständigen WDR-Mitarbeiter, die jetzt massive öffentliche Kritik aushalten müssen.“ Auch der Deutsche Journalistenverband kritisierte die Ausschreibung, bundesweit berichteten unter anderem „Süddeutsche Zeitung“ und die „FAZ“. Der WDR sprach von „Referenzobjekten“ in der Ausschreibung, es sei nicht klar, ob sie auch gekauft werden.
Doch später teilte der WDR mit, dass er die Suche neu starte. Nach dem Abschluss sagte er, er habe beim Kauf auf „vereinzelte Designstücke verzichtet“. Es ist laut der Sprecherin gelungen, bei etwa gleichen Stückzahlen die Kosten um zwölf Prozent zu reduzieren. Die Gesamtsumme ist nicht bekannt.

