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Bewachte Toilette in KölnJede Klo-Nutzung kostet durchschnittlich 11,29 Euro

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Links der Wachcontainer, rechts der Container für die Toiletten.

Links der Wachcontainer, rechts der Container für die Toiletten.

„Realer Irrsinn“ spottete eine Fernsehsendung über das bewachte Klo nahe dem Neumarkt. Eine Übersicht über die Kosten. 

Seit dem vergangenen Wochenende sind die sanierten Kölner Bühnen eröffnet – nach 14 Jahren läuft der Spielbetrieb wieder. Knapp 800 Millionen Euro haben Planung und Bau gekostet, die Kosten dafür werden die Kölnerinnen und Kölner über die nächsten 40 Jahre zahlen.

Nur rund 50 Meter entfernt vom Schauspielhaus stehen an der Krebsgasse, einer Seitenstraße der Schildergasse, zwei vergleichsweise unscheinbare Container, die die Stadt deutlich weniger Geld kosten, aber trotzdem für Häme und Spott sorgen. Unter anderem das Satire-Format „Extra 3“ hatte vor drei Jahren ein Video veröffentlicht mit dem Titel „Realer Irrsinn: Bewachtes Klo in Köln“.

Wie mehrfach berichtet, lässt die Stadt Köln seit Mitte Mai 2022 den dort aufgestellten Toilettencontainer bewachen, damit drogenkranke Menschen aus dem Umfeld des Neumarkts die Toilette nicht als Konsumraum nutzen und die Toilette frei bleibt. Zuvor war der im Februar 2015 aufgestellte Container deshalb mehr als sechs Jahre lang geschlossen.

Um die Toilette wieder zu öffnen, hat die Stadt einen weiteren Container direkt daneben platziert, in dem ein Wachdienst seinen Dienst schiebt. Die Wachleute sitzen dort werktags zwischen 9 und 21 Uhr sowie sonn- und feiertags zwischen 9 und 18 Uhr.

Eine Nutzung kostet 50 Cent

Und wie Berechnungen dieser Redaktion auf Basis der genannten Daten der Stadt Köln zeigen, kostet ein Toilettengang gemessen an allen anfallenden Kosten durchschnittlich 11,29 Euro – durchschnittlich 60 Mal wird die Toilette täglich genutzt.

Den Gesamtkosten für Wachleute, Reinigung und Unterhalt von 1,113 Millionen Euro stehen Einnahmen von 38.261 Euro gegenüber. Ein Toilettengang kostet 50 Cent, außer Menschen verfügen über einen sogenannten Euro-WC-Schlüssel, den sie erhalten, wenn sie eine bestimmte Behinderung haben. Sie nutzen die Toilette kostenfrei.

Reine Bewachung kostet 579.000 Euro

Laut Angaben der Stadt haben mit dem Stichtag 21. September 95.215 Menschen die Toilette benutzt, davon zahlten 76.522 die Gebühr von 50 Cent. Die anderen 18.693 Nutzer verfügten über den Schlüssel. Zieht man die Einnahmen von 38.261 Euro von den Gesamtkosten von 1,113 Millionen Euro ab und teilt es durch die Zahl der Nutzer (95.215), erreicht man den Durchschnittswert von 11,29 Euro pro Nutzung.

Dieser Durchschnittswert sinkt auf 5,68 Euro, wenn man Reinigung und Unterhalt nicht einrechnet und nur die reinen Bewachungskosten betrachtet: Sie betragen über die Jahre 579.000 Euro.

Monatliche Kosten von 21.000 Euro

Andrea Defeld, Pressereferentin für öffentliche Verschwendung des NRW-Ablegers des Bundes Deutscher Steuerzahler, hatte schon in der Vergangenheit dieser Redaktion über die Bewachungskosten gesagt: „Die Bewachung ist natürlich extrem teuer. Auf die Toilette gehen zu müssen, ist ein Grundbedürfnis. Die Stadt sollte alles versuchen, das anders zu lösen.“

Monatlich kosten die beiden Container 21.000 Euro, nur die Verteilung der Kosten hat sich seit diesem Jahr verändert. Bis Ende 2025 kosteten Reinigung und Unterhalt ebenso 10.500 Euro wie die Bewachung.

Seit diesem Jahr sind daraus 13.000 Euro für die Bewachung geworden und 8000 Euro für die Reinigung und den Unterhalt. Ein Grund sind die allgemeinen Lohnsteigerungen.

Mögliche Abschaffung hängt am Suchthilfezentrum

Laut einer städtischen Sprecherin gehören die Toiletten den städtischen Abfallwirtschaftsbetrieben, die Stadt zahlt eine Kostenpauschale an die AWB.

Die Überwachung übernehmen die Mitarbeitenden der Kölner Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung mbH (KGAB). Die KGAB ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt und ist ein Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm für arbeitslose Menschen.

Wie berichtet, lässt die Stadt die Container noch mindestens bis zur Eröffnung des neuen Suchthilfezentrums am Perlengraben bewachen. Das soll, so hieß es zuletzt, im August 2027 eröffnen. Vom Suchthilfezentrum erhofft sich die Stadt, dass sich weniger drogenkranke Menschen rund um den Neumarkt aufhalten.

In diesem Fall müsste die Stadt in Zeiten der Haushaltskrise für weitere elf Monate 143.000 Euro für die Bewachung zahlen. Wie sich das auf die durchschnittlichen Kosten je Nutzung auswirkt, kann nicht ausgerechnet werden, weil unklar ist, wie oft die Toilette benutzt wird.

Der bewachte und abgesperrte Heinrich-Böll-Platz.

Der bewachte und abgesperrte Heinrich-Böll-Platz.

In Köln gibt es noch einen weiteren Ort, der mittlerweile sogar mehrere Millionen Euro für die Bewachung gekostet hat: der Heinrich-Böll-Platz hinter dem Museum Ludwig Richtung Hohenzollernbrücke. Seit 1999 passen Wachleute auf, dass Passanten ihn nicht betreten, wenn in der darunter liegenden Philharmonie geprobt und gespielt wird. Der Grund ist mangelhafter Schallschutz.

Zusätzlich stehen dann dort einige Warnschilder. Darauf heißt es: „Bitte betreten oder befahren Sie nicht die innere Platzfläche. Tritt- und Rollgeräusche werden leider in den Saal übertragen, sodass Konzerte und Proben gestört werden.“

Mehr als vier Millionen Euro Kosten

2018 hatte ein Redakteur des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ eines der Schilder fotografiert und auf einer Internet-Plattform geschrieben: „Und ich dachte immer, das sei ein Witz.“ Mittlerweile sind Bewachungskosten von mehr als vier Millionen Euro aufgelaufen.

Die Bewachungskosten haben es 2009 auch schon ins Schwarzbuch des Bundes Deutscher Steuerzahler geschafft. In dem Werk listet der Verein aus seiner Sicht gravierende Fälle von Steuerverschwendung auf.

In der Vergangenheit hatte die Stadt mitgeteilt: „Eine bauliche Verbesserung des Schallschutzes könnte nur durch einen grundlegenden Eingriff in die statische Saalkonstruktion erreicht werden und ist erst bei der geplanten Generalsanierung der Philharmonie vorgesehen.“

Allerdings hat die frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) dieser Generalsanierung angesichts des milliardenschweren Investitionsstaus die Priorität entzogen (wir berichteten). Es ist aktuell unklar, wann das Großbauprojekt folgt.