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Festival zum JubiläumDie Künstlerinnengemeinschaft Gedok ist 100 Jahre alt

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Anna Herbst, Iris Hoppe, Maria Wrede, Ulrike Gruner und Johanna Hansen (v.l.) vor dem Alten Pfandhaus in der Südstadt.

Anna Herbst, Iris Hoppe, Maria Wrede, Ulrike Gruner und Johanna Hansen (v.l.) vor dem Alten Pfandhaus in der Südstadt.

Die Gedok feiert 100 Jahre mit einem Festival im Alten Pfandhaus am Kartäuser Wall sowie interdisziplinären Aufführungen und einer Ausstellung.

Johanna Hansen wäre ohne die Gedok keine Schriftstellerin. Als sie vor vielen Jahren mit ihrer Malerei zu der „Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ stieß, bestärkte die sie bei einer Ausstellung, auch ihre Gedichte in einer Vitrine auszulegen. Der anschließende Artikel über die Veranstaltung im Kölner Stadt-Anzeiger würdigte Hansen dann als Dichterin. So fand sie den Mut, sich ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen, vor allem durch den Rückenwind, den sie in der Gemeinschaft bekam.

Die Unterstützung von Künstlerinnen hat sich die Gedok auf die Fahnen geschrieben, seitdem die jüdische Kunstmäzenin Ida Dehmel sie vor 100 Jahren in Hamburg gründete, während der ersten Frauenbewegung. Frauen durften seit einigen Jahren wählen, trugen Bubikopf und Hosenanzug, fuhren Auto, erkämpften sich einen Platz in der Arbeits- und in der Kunstwelt.

Ida Dehmel

Ida Dehmel

Die Gründerin Ida Dehmel

Maria Wrede, Vorsitzende der Gedok Köln, erzählt die Geschichte der Gründerin: „Ida Dehmel war mit dem bekannten Schriftsteller Richard Dehmel verheiratet, hat auch selbst geschrieben und war Perlenstickerin, vor allem aber eine sehr gute Netzwerkerin“, betont Wrede. Sie veranstaltete Kunstsalons, brachte Kunstförderinnen und Künstlerinnen zusammen, so dass sie ein Publikum hatten. Dehmel war auch Vorsitzende des Frauenbundes zur Förderung deutscher bildender Kunst. Weil Künstlerinnen-Clubs in Deutschland stark vereinzelt waren, rief sie schließlich in Hamburg die Gedok ins Leben, als unterstützendes Netzwerk für Künstlerinnen verschiedenster Bereiche. In vielen deutschen Städten gründeten sich Zweigstellen. 1929 entstand die Kölner Gruppe unter dem Vorsitz von Alice Neven DuMont. Und die Arbeit nahm an Fahrt auf.

Nationalsozialismus und Neuanfang

Doch im Nationalsozialismus änderte sich die Lage für Künstlerinnen, besonders für Ida Dehmel. Ab 1933 wurde sie als Jüdin ausgegrenzt und musste ihre Ämter abgeben. Sie blieb in Hamburg, um den Nachlass ihres Mannes zu bewahren, der mittlerweile verstorben war. Weil sie einsam sowie krank war und ihre Deportation bevorstand, nahm sich Ida Dehmel am 29. September 1942 laut mehreren Überlieferungen das Leben. Die NSDAP setzte ihr Mitglied Elsa Bruckmann als Vorsitzende ein. Die Künstlerinnenvereinigung wurde in „Reichs-Gedok“ umbenannt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die ersten Gedok-Gruppen allerdings wieder zusammen. Nach der Wiedervereinigung gründeten sich weitere Regionalgruppen in den neuen Bundesländern.

Heute verfügt die Gemeinschaft über fast 3000 Mitglieder in 23 Regionalgruppen. Vor allem Künstlerinnen der Sparten bildende Kunst, Musik und Literatur sind in der Gedok vertreten.

Ausstellungen und Kulturpolitik

Die Art und Weise, wie das Netzwerk seine Mitglieder unterstützt, ist unterschiedlich und hat sich im Laufe der Zeit ebenso geändert wie der Kunstmarkt und die Vermarktung der Kunst.

„Als ich vor über 20 Jahren in die Gedok kam, gab es noch Damen der Gesellschaft, die Ausstellungen organisierten“, erzählt Hansen. Das Bürgertum kaufte gerne und viel Kunst. Doch ihre Bedeutung als Wertanlage nahm ab, ihre Spielarten änderten sich. Zeitgenössische Kunst wie Installationen, findet nicht unbedingt in einem Wohnzimmer Platz.

So hat die kulturpolitische Arbeit der Gedok an Bedeutung gewonnen: Die bildende Künstlerin Iris Hoppe erläutert sie genauer: „Die Gedok ist in der Kulturpolitik stark vernetzt und in sehr vielen Gremien vertreten“, sagt sie. Sie setze sich für die Arbeitsbedingungen und für die finanzielle Förderung der Künstlerinnen ein. Statt zu wenig in der Öffentlichkeit präsent, wie ehemals, seien sie heute in eine Omnipräsenz gezwungen.

Social Media und Salonmusik

Ulrike Gruner, Bundesfachbeirätin Musik bei der Gedok, beschreibt den Druck, der durch die Digitalisierung entstanden ist: „Man muss sich selbst in sozialen Medien mit der eigenen Arbeit ständig präsent halten und sich vernetzen“, schildert sie. Sopranistin Anna Herbst bestätigt das: „Für uns Sängerinnen ist das sehr schwierig und gleichzeitig sehr, sehr wichtig.“ Es sei schwer, dabei die Grenze zwischen privatem und professionellem Leben zu ziehen.

Die Vergangenheit ist aber nicht vergessen. Ulrike Gruner hat gerade erst in einem Haus aus der Gründerzeit ein Salonkonzert organisiert, um das Format der Gründerinnen aufzugreifen und neu zu beleben, mit Musik von damals und modernen Interpretationen.

Und zur großen Jubiläumsfeier präsentiert sich die Gedok live mit einem großen interdisziplinären Kunst-Festival im Alten Pfandhaus.


Infokasten

Die Gedok feiert von Sonntag, 11. Oktober, bis Sonntag, 18. Oktober, ihr 100‑jähriges Bestehen mit dem Interdisziplinären Kunstfestival IDA im Alten Pfandhaus, Kartäuserwall 20.

Künstlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen haben dafür in sechs Gruppen literarische, musikalische, bildnerische und darstellerische Gesamtwerke zum kuratorischen Titel „Im Fluss/Vernetzung/Verbindung/Verflechtung“ entwickelt. Die Vernissage findet am 11. Oktober von 14 bis 17 Uhr statt. Von Dienstag, 13. Oktober, bis Samstag, 17. Oktober, sind abends (genaue Uhrzeiten auf der Homepage) die interdisziplinären Werke zu sehen.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 18. Oktober, täglich zwischen 17 und 21 Uhr geöffnet. Die Finissage findet am letzten Tag von 14 bis 17 Uhr statt. www.gedok-koeln.de (se)