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Fast vergessene KünstlerinKölner Autorin setzt Olga Oppenheimer mit neuem Roman ein Denkmal

5 min
Olga Oppenheimer im Rosengarten, um 1910.

Olga Oppenheimer im Rosengarten, um 1910.

Die Kölner Autorin Hanka Meves widmet sich auch in ihrem zweiten Roman einer besonderen Kölner Frau, deren Nachlass die Nazis  auslöschten.

Auf die fast vergessene Kölner Künstlerin Olga Oppenheimer stieß sie während ihres ersten Romans über die seit Kurzem wiederentdeckte Kölner Komponistin Maria Herz. Die Kölner Autorin Hanka Meves widmet sich in ihrem zweiten historischen Roman, der gerade im Emons Verlag erschienen ist, erneut einer bemerkenswerten Frau aus Köln. Einer Frau, deren Biografie und Karriere mit einem Mal abbrachen, da sie Opfer der Nazis und der sogenannten Krankenmorde im Zweiten Weltkrieg wurde.

Das verbindende Element der zwei Romane ist der Kunstsammler Richard Götz, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft in den 30ern in die USA floh. Götz war Cousin der Komponistin Herz und ist einer der Charaktere, aus deren Perspektive Meves ihr neues Buch „Der Künstlerinnen-Klub“ erzählt. „Götz saß 1912 im Arbeitsausschuss für die Sonderbund-Ausstellung in Köln, eine Wahnsinnsausstellung, die 25.000 Menschen besuchten und wo Werke für 300.000 Mark verkauft wurden. Als ich darüber las, habe ich schon gedacht, dass ich gern etwas zu Kunst machen wollte, und musste mich bremsen, noch mehr darüber zu forschen“, sagt Meves im Gespräch mit dieser Redaktion.

Olga Oppenheimer: Neuer Roman „Der Künstlerinnen-Klub“ über die Kölner Expressionistin

Lange suchen musste sie nicht nach Frauen im Umfeld dieses bedeutenden Kunstereignisses, das das sonst eher kulturell konservative Köln kurzzeitig zum Schauplatz moderner Kunst in Deutschland machte, bevor der Krieg ausbrach. Hunderte Werke von Künstlern wie Kandinsky, Marc, Macke, aber auch van Gogh, Cézanne, Gauguin und Picasso wurden gezeigt. Und eben auch von Olga Oppenheimer.

24.04.2022, Köln-Sülz, Hanka Meves Fricke. Foto: Sonja Hofmann

Kölner Autorin Hanka Meves-Fricke veröffentlicht mit „Der Künstlerinnen-Klub“ ihre zweiten historischen Roman, in dem sie von der Geschichte vernachlässigte Frauen als Protagonisten zeigt

Mit einer aktuellen kleinen Schau im Foyer des Zeughauses, die bis zum 13. September zu sehen ist, erinnert das Kölnische Stadtmuseum ebenfalls an die 1886 geborene und 1941 ermordete jüdische Künstlerin Olga Oppenheimer (wir berichteten). Dass Ausstellung und Buchpublikation sich passenderweise überlappen, „war ein purer Zufall“, sagt Hanka Meves.

„Sie war eine der wenigen Frauen bei der Sonderbund-Ausstellung, was etwas sehr Besonderes ist“, so Meves. Nicht nur das: Olga Oppenheimer betrieb in Köln von 1911 bis 1913 neben einer Malschule gemeinsam mit ihrer Freundin Emmy Worringer den Gereonsclub, einen Treffpunkt und Ausstellungsort, der Künstler, Kunstbegeisterte und -sammler, Ausstellungsmacher und Freunde aus Köln und Region anlockte.

Frauen-Verdienst in den Fokus nehmen

Meves möchte mit ihrem Buch den Verdienst der Frauen in den Fokus rücken, die damals verpönte zeitgenössische Kunst im Westen des Kai­ser­reichs maßgeblich mitverbreitet zu haben. „Es war die Geschichte dieser beiden Frauen, die mich fasziniert hat. Die machen etwas zu einer Zeit, in der man in Köln nicht einmal Kunst studieren kann. Und dann gründen die so einen Club. Wie können die das?“

Wie im Roman über Maria Herz vermischt sie Fiktion mit historischen Fakten. Der Komponistin Maria Herz stellte sie eine fiktive Freundin an die Seite. In „Der Künstlerinnen-Klub“ erfindet sie das junge Mädchen Mimi, das mit ihrer Familie von der Eifel nach Köln zieht. Sie wird Kellnerin im Zoologischen Garten. „Mimi ist die, die Köln als boomende Stadt erlebt, wo der Kaiser hinkommt und die Hohenzollernbrücke eröffnet wird, und die die Kunstszene von außen beobachtet.“ Wenn Emmy Worringer im Roman zu August Macke geht, nimmt sie Mimi mit. „Alleine ging ja nicht, das galt als unschicklich“, sagt Meves.

Macke war im Gereonsclub nicht nur zu Gast, „sondern hielt dort zu Beginn 1911 eine flammende Rede. Sie zeigten dort Bilder von den sogenannten neuen Künstlern, die später zu den Blauen Reitern werden“, so Meves.

Olga Oppenheimer, Akt in Rückenansicht, Holzschnitt, 1907.

Olga Oppenheimer, Akt in Rückenansicht, Holzschnitt, 1907.

August Macke ist jedoch im Unterschied zu Oppenheimer ein Star der Moderne geworden. „Es gibt ungeheures Material, weil seine Frau, die später nochmal heiratet, alles aufbewahrt und ihre Erinnerungen aufgeschrieben hat. Sie hat dafür gesorgt, dass Macke so berühmt geworden ist, während Olga Oppenheimer niemanden hatte, der ihren Nachlass so bewahrt hat.“

Nur zehn Bilder sind von Oppenheimer bekannt, ein Original hängt derzeit im Foyer des Zeughauses, der Rest ist im Familienbesitz oder verschollen. 1913 heiratete sie Adolf Worringer, Bruder ihrer Freundin Emmy und Mitinhaber des Restaurants, und sie bekamen zwei Kinder. Während des Ersten Weltkriegs bekam Oppenheimer Depressionen, 1918 kam sie in eine psychiatrische Einrichtung bei Neuwied. Die Erinnerung an sie wurde ausgelöscht, die Nazis zerstörten ihre Patientenakte. 

Martha Worringer, ebenfalls Freundin und Schwägerin von Olga, ist eine weitere Künstlerin und Figur in Meves Roman. Ihr Nachlass befindet sich in Nürnberg, wo Meves recherchiert hat. „Ich habe zwei Tage lang das Material nach Olga Oppenheimer abgesucht, aber es gibt keine einzige namentliche Erwähnung über ihr schweres Schicksal, etwas, das Martha wissen musste. Man wollte es nicht anrühren, scheint es. Es war ein Tabu, psychisch krank zu sein“, sagt Meves.

Hanka Meves recherchierte in vielen Archiven für ihr neues Buch

Zwei Jahre hat sie an dem Buch gearbeitet. Die Historikerin und Journalistin hat dafür etliche Dokumente durchforstet. „Es gibt ein sehr schönes Sachbuch von Frau Reinhardt aus Bonn über den Gereonsclub, das vor 30 Jahren erschienen ist. Ich wollte etwas Neues bringen und war bestimmt in 20 Archiven.“ Meves fand zum Beispiel anhand von Briefen heraus, dass Emmy Worringer, deren Familie den Zoologischen Garten führte, wo sich die gehobene Gesellschaft traf, die Schriftführerin des Clubs gewesen sein musste. Auch im Historischen Archiv in Köln und im NS-Dokumentationszentrum recherchierte die Autorin.

Letzteres stellte den Kontakt zu den Nachfahren von Oppenheimer her, die Meves vergangenes Jahr bei der Stolpersteinverlegung in Gedenken an die jüdische Künstlerin an der Bodinusstraße traf. „Ich durfte ins Familienarchiv schauen. Als Enkeltochter und Urenkel ist es natürlich hart, wenn man weiß, dass Olga 20 Jahre in der Psychiatrie war und die Familie darüber so ein Schweigen gewahrt hat.“

Im Nachwort zu ihrem Roman geht Meves auf das weitere, unglückliche Leben von Oppenheimer ein. Der Roman nimmt aber das Schöne und Fortschrittliche in den Blick, als die Freundschaft zwischen Olga und Emmy noch intakt war. Dann kam der Bruch – familiär, künstlerisch und psychisch. „Wir werden das nicht mehr lösen, was danach war. Es gibt ja noch andere Wissenschaftler, die daran gearbeitet haben. Es ist einfach alles vernichtet worden.“ 

Die Premierenlesung von „Der Künstlerinnen-Klub“ findet am Freitag, 4. September, um 18 Uhr im Kölnischen Stadtmuseum, Minoritenstraße 13, statt. Am Montag, 7. September, liest Meves um 19.30 Uhr im Domforum. Der Eintritt kostet fünf Euro.