In unserer Reihe erzählen wir, warum die Stadt trotz all ihrer Makel doch sehr liebenswert ist.
Wofür ich Köln liebeDas schönste Plätzchen der Stadt liegt an St. Gereon

In dem neugotischen Gebäude links war einst das Historische Archiv der Stadt untergebracht, heute ist es ein Luxus-Hotel. Rechts die Außengastronomie des Restaurants La Fonda.
Copyright: Alexander Schwaiger
Es gibt wohl kaum ein Plätzchen in Köln, an dem so viele Attraktionen geballt vorkommen. Einfach so. Von Touristen vielleicht mehr beachtet als von Einheimischen, aber als Selfie-Spot trotzdem noch nicht entdeckt.
Das Gereonskloster ist ein verborgenes Schatzkästchen. Hier steht die prächtige romanische Basilika St. Gereon mit der riesigen Kuppel, für so manchen die schönste romanische Kirche Kölns. Abends ist sie dramatisch beleuchtet, fast wie eine Burg.
Luxus-Hotel im ehemaligen Kölner Stadtarchiv
Gegenüber prunkt das romantische neugotische Gebäude, in dem einst das Historische Archiv der Stadt bis 1971 residierte. Es wurde 1897 erbaut und ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse dieser Zeit. Heute befindet sich in den Räumen das feine Hotel The Qvest. Auf der Internetseite ist zu bewundern, wie die Zimmer mit den kirchenähnlichen Bögen und Säulen aussehen. Die Salon-Suite mit Blick auf St. Gereon hat 120 Quadratmeter.

Die Kuppel von St. Gereon
Copyright: Gemeinde St. Gereon
Wenn hier abends das Licht durch die großen Fenster schimmert, dann fühlt man sich weit weg. Wie mag es nur sein, wenn man hier einmal übernachtet?
Gleich nebenan bewirtet das gehobene Restaurant La Fonda die Gäste, bei gutem Wetter stehen viele Tische auf dem Platz. Hotel und Restaurant sind vor allem bei Geschäftsreisenden beliebt. Zu Messezeiten brummt es hier. Besonders stark zum Beispiel bei der Art Cologne, deren Besucher als „luxusaffin“ gelten. Eine Welt, mit der man Köln sonst kaum verbindet.
Kölsches Hätz schlägt im Gasthaus Em Hähnche
Wiederum gleich nebenan schlägt dagegen das kölsche Hätz. Das kleine Gasthaus Em Hähnche mit Schnitzel, Leberkäs und kölschen Tapas auf der Karte ist traditionell Treffpunkt von Nachbarschaft und Karnevalisten. „Kleine Hofburg“ wird es auch genannt, als Ergänzung zur „Hofburg“, jenem Hotel, in dem das Dreigestirn in der Session übernachtet. Im vollen Ornat ist das Dreigestirn hier öfter zu sehen. Das Lokal hat nur wenige Plätze innen, aber 40 draußen – und dort tummeln sich auch bei Kälte die Gäste unter Wärmelampen. Der Name „Hähnche“ kommt übrigens nicht vom „Hähnchen“, sondern soll wohl darauf hinweisen, dass es hier frisch gezapftes Kölsch aus dem Hahn gibt.
Tagsüber wuseln noch die Kinder von der deutsch-italienischen Kita über den Platz. Ihr kleiner Spielplatz liegt gleich neben den Gräbern von längst vergessenen Kirchenmännern.
So mischen sich auf dem Plätzchen die verschiedensten Milieus. Ein Mikrokosmos zwischen der Christophstraße und dem Friesenviertel. Einziger Streitpunkt: die parkenden Autos, die die Idylle immer wieder stören.
Aber wenn die frisch getrauten Ehepaare aus der Basilika kommen und von der festlich gekleideten Gesellschaft beglückwünscht werden, wenn Pfarrfest gefeiert und wenn in der Weihnachtszeit der riesige Tannenbaum aufgestellt wird, dann ist es hier mitten in Köln wie in alten Zeiten. Jedenfalls so, wie wir es uns heute vorstellen.

