Abo

Ausstellung über Olga OppenheimerEine fast vergessene Künstlerin

4 min
Olga Oppenheimer im Rosengarten, um 1910.

Olga Oppenheimer im Rosengarten, um 1910.

Zwischen künstlerischem Aufbruch und gewaltsamem Verstummen - Kölnisches Stadtmuseum erinnert an die Expressionistin Olga Oppenheimer.

Wahrscheinlich kennen Sie Olga Oppenheimer nicht. Wie auch? Die Karriere der Künstlerin, die 1886 in Köln geboren wurde, bricht nach vielversprechendem Beginn plötzlich ab. Und mehr noch: Ihre ganze spätere Biografie scheint wie ausradiert. Aber es lohnt sich, sie kennenzulernen. Denn Olga Oppenheimer steht stellvertretend für Generationen von talentierten Künstlerinnen, denen der Platz in den großen Museen, Galerien und schließlich auch in der Kunstgeschichte verwehrt blieb, während Ausstellungen von männlichen Weggefährten wie August Macke immer noch die Massen anziehen.

Genauso wichtig ist es, ihr Schicksal als Jüdin und Psychiatrie-Patientin öffentlich zu machen. Denn es ist kein Zufall, dass so wenig darüber bekannt ist. Die Patientenakten wurden zum großen Teil vernichtet und die Nationalsozialisten versuchten, die Spuren ihrer Ermordung 1941 in einer Gaskammer zu vertuschen.

Tatsächlich blieb Olga Oppenheimer sehr lange mehr oder weniger „in der Versenkung verschwunden“, wie es der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Matthias Hamann, formuliert. Das soll eine Ausstellung im „Open Space“ des Museums jetzt ändern und die Künstlerin als „Wegbereiterin der Moderne in Köln“ einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. „Open Space“ ist ein wohlklingender Name für eine kleine Sonder-Ausstellungsfläche im Foyer des Stadtmuseums.

Seit zwei Jahren muss das Museum seine Sammlung in ein Interim quetschen – und die Zukunft des historischen Zeughauses, des ursprünglichen Standorts, ist weiterhin ungewiss. Zu sehen ist dort ein Streifzug durch Olga Oppenheimers Biografie, ihre künstlerische Entwicklung, ihr rätselhaftes Verschwinden in die Psychiatrie und die Umstände ihres Todes. Es ist, zwangsläufig, eine Erzählung voller Leerstellen, die Kurator Markus Jansen auch bewusst als solche offenlegt.

Olga Oppenheimer, Akt in Rückenansicht, Holzschnitt, 1907.

Olga Oppenheimer, Akt in Rückenansicht, Holzschnitt, 1907.

Oppenheimers Eltern sind wohlhabend und fördern ihr Zeichentalent schon früh. Mit Anfang 20 geht sie nach München, um sich an der dortigen „Damenakademie“ ausbilden zu lassen – damals eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für Malerinnen, die nicht an den staatlichen Kunstakademien studieren durften. Anschließend verbringt sie ein Jahr in Paris und lernt dort bei Paul Sérusier, einem Schüler Gaugins. 1910 richtet sie schließlich ihr Atelier im Kölner Gereonshaus ein, in dem sich auch die Versicherungsagentur des Vaters befand.

Olga Oppenheimer eröffnet eine „Mal- und Zei­chen­schu­le“ und ist Mitbegründerin des „Gereonsclub“ – ein Forum für moderne Kunst, das mit Werken von Künstlern wie Wassily Kandinsky, Gus­tav Klimt, Pa­blo Pi­cas­so oder Vincent van Go­gh Werke der europäischen Avantgarde nach Köln holte. Auch die Bilder des Bonner Expressionisten August Macke sind dort zu sehen, ein Freund Olga Oppenheimers. „Einen solchen Ort hatte es in Köln, das in künstlerischer Hinsicht zu der Zeit als verschlafen oder provinziell galt, bisher nicht gegeben“, sagt Kurator Markus Jansen über die neue kreative Aufbruchsstimmung. „Olga Oppenheimer trug also dazu bei, dass die internationale Moderne auch hier in der rheinischen Metropole angekommen ist.“

Unter anderem mit August Macke gründete sie die „Kölner Sezession“, ein Zusammenschluss von avantgardistischen Künstlern und Künstlerinnen. Macke ist auch einer der prominentesten Vertreter der „Rheinischen Expressionisten“, die ausdrucksstarke Farbigkeit, einfache Formen und die Nähe zur französischen Kunst vereinen. Als eine von nur zwei Frauen gehört auch Olga Oppenheimer zu der Gruppe. Ihre Bilder hingen in Museen und wurden bei Ausstellungen gezeigt, national wie international – zum Beispiel 1913 bei der amerikanischen Armory Show.

Bis hierhin liest sich ihre Geschichte wie der perfekte Beginn einer steilen Künstlerinnen-Karriere. Doch dann bricht sie plötzlich ab. Ob es mit ihrer Hochzeit mit einem wohlhabenden Kölner Gastwirt zu tun hat? Mit ihrer neuen Rolle als Mutter zweier Söhne, die 1914 und 1916 geboren wurden? Auch darüber, warum sie 1918 gegen Ende des Ersten Weltkriegs in die Psychiatrie eingeliefert wurde, gibt es kaum Informationen. Ebenso wenig über den Verbleib der Mehrheit ihrer Kunstwerke.

In der Ausstellung ist nur eine Zeichnung im Original zu sehen, ansonsten werden neben einigen Zeichnungen noch Holzschnitte und ein großes, expressionistisches Porträt ihrer Großmutter gezeigt. Vielleicht kommen nun durch die Schau noch mehr verschollene Werke in die Öffentlichkeit. Und vielleicht schließen sich sogar noch einige der vielen Leerstellen in Olga Oppenheimers bewegender Biografie. 


Die Ausstellung ist bis zum 13. September zu sehen. Sie wird begleitet von einem Veranstaltungsprogramm – mit Führungen, Vorträgen, Stadtraum-Expeditionen, Lesungen und Gesprächsabenden. Der Zugang zum „Open Space“ im Kölnischen Stadtmuseum ist kostenlos. koelnisches-stadtmuseum.de