Die Komponistin schrieb über 30 Musikstücke in Köln. Nach der Machtergreifung der Nazis verließ sie Deutschland.
150 aus 150Maria Herz war die „Komponistin von Köln“

Historisches Porträt der Komponistin Maria Herz. (Archivfoto)
Copyright: Zentralbibliothek Zuerich, Nachlass Maria Herz
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 73. Teil der Serie geht es um die Komponistin und Pianistin Maria Herz.
Bedeutung
Maria Herz war eine bedeutende, lange vergessene Komponistin. Sie stammte aus der bekannten Textilhändlerfamilie Bing, die 1909 ein repräsentatives Warenhaus am Neumarkt bezog, heute Sitz des Gesundheitsamts. Herz erhielt eine musikalische Ausbildung in Klavier, Violine und Komposition. 1901 heiratete sie den Chemiker Albert Herz, mit dem sie nach Großbritannien zog. Dort wurden ihre vier Kinder geboren.
Herz trat als Pianistin auf und organisierte Konzerte. 1914 weilte die Familie zu Besuch in Köln, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Sie mussten hierbleiben, Albert Herz wurde eingezogen. 1920 starb er an der Spanischen Grippe. Maria Herz blieb mit ihren Kindern in Köln. In ihrer Heimatstadt erlebte sie ihre erfolgreichste Schaffensperiode, über 30 Stücke entstanden hier, und sie wurde bei Auftritten vom Publikum gefeiert. In Erinnerung an ihren Mann und vielleicht auch, um sich in der Männerdomäne Musik durchzusetzen, zeichnete sie ab 1926 ihre romantischen, aber durchaus modernen Werke mit „Albert Maria Herz“.
Maria Herz
Geboren: 19. August 1878 in Köln
Gestorben: 22. Oktober 1950 in New York
Die Nationalsozialisten belegten jüdische Komponisten ab 1933 mit Aufführungsverbot. Alle Kinder emigrierten, und auch sie ging 1935 nach Großbritannien. Dort beendete sie das Komponieren und hielt fortan Vorträge. 1947 zog sie nach New York. 1995 entdeckte ihr Enkel im Haus seines Onkels in New Jersey Herz‘ musikalischen Nachlass, den er mit in die Schweiz nahm. Dort blieb das Oeuvre zwei Jahrzehnte unbeachtet, bis er ein Porträt seiner Großmutter, gemalt von Max Liebermann, in einer Ausstellung zeigte und ein Werk von ihr aufgeführt wurde.
Wirken in Köln
Ihre „Vier kurzen Orchesterstücke für großes Orchester“ erlebten die Uraufführung 1929 durch das Gürzenich-Orchester. Die Komponistin wurde vom begeisterten Publikum mehrfach auf die Bühne gebeten. 1931/32 hielt sie vor den Gürzenich-Konzerten die Einführungsvorträge. 2024 wurde ein Stück von ihr auf dem Shalom-Musik-Festival aufgeführt.
Bemerkenswert
Spuren in der Stadt
An der Einhardstraße 2 in Sülz erinnert ein Stolperstein an sie.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
