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150 aus 150Dieter Wellershoff prägte die Nachkriegsliteratur

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Dr. Dieter Wellershoff (Schriftsteller) in der Talk-Show GÜNTHER JAUCH am 24.03.2013 in Berlin Thema der Sendung: Mutter, Vater, was habt Ihr getan? Die Geschichten unserer Familien

Dieter Wellershoff in einer Talkshow im Jahr 2013. (Archivfoto)

Der Mitbegründer der „Kölner Schule des Neuen Realismus“ schrieb vor allem über Lebenskrisen, aber auch den Zweiten Weltkrieg.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 72. Teil der Serie geht es um den Schriftsteller Dieter Wellershoff.

Bedeutung

Dieter Wellershoff war ein bedeutender Schriftsteller der Nachkriegszeit. Er verfasste Hörspiele, Prosa und Essays. 1943 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, in dem er Verwundung und Gefangenschaft erlebte. Im April 1944 erfolgte seine Aufnahme in die NSDAP, ohne seinen Antrag, wie er später behauptete. Er studierte in Bonn Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte und promovierte 1952 über den Schriftsteller Gottfried Benn.

1959 begann er beim Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch als Lektor für Wissenschaft, später auch für deutsche Literatur. Er entwickelte die „Neue Wissenschaftliche Bibliothek“ mit Paperback-Ausgaben zu Philosophie, Sozialwissenschaften, Geschichte und Politologie. Für den Verlag gewann er eine Reihe von Schriftstellern und begründete die „Kölner Schule des Neuen Realismus“, unter anderem mit Rolf Dieter Brinkmann. 1981 gab er seine bereits reduzierte Tätigkeit auf, um sich vollends auf das Schreiben zu konzentrieren.


Dieter Wellershoff

Geboren: 3. November 1925 Neuss

Gestorben: 15. Juni 2018 in Köln


In seinen Werken reflektierte Wellershoff den von ihm in den Straßen beobachteten Alltag. Vielfach spiegeln sein Werke Lebenskrisen wider, die sich besonders in Versagen und Leiden äußern. Dazu gehört das Scheitern von Beziehungen, wie in Wellershoffs Bestseller „Der Liebeswunsch“ aus dem Jahr 2000, der sechs Jahre später verfilmt wurde. Er schrieb über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg, die eine tiefe Abneigung gegen totalitäre Systeme hervorgerufen hatten.

Wirken in Köln

1990 veröffentlichte er mit „Pan und die Engel“ eine Hommage an Köln, wo er seit 1961 lebte. Die Stadt kommt auch in anderen Werken vor. Wellershoff projizierte seine unmittelbare Umgebung in seine Romane, ohne Reiseführer zu schreiben. Er war Mitinitiator des 1996 gegründeten Literaturhauses.

Bemerkenswert

1968 hielt Wellershoff auf dem Neumarkt eine Rede gegen die Notstandsgesetze unter dem Titel „Die Idylle wird bösartig“. Er warnte darin „vor der Entstehung einer Diktatur im Wirtskörper unserer demokratischen Verfassung“.

Spuren in der Stadt

1988 erhielt er den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. Diese und das Literaturhaus vergeben seit 2018 jeweils zwei nach ihm benannte altersunabhängige Literaturstipendien.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.