Den ersten Bundeskanzler als historische Figur zu feiern, reiche nicht; es komme darauf an, seine Haltung zum Maßstab zu nehmen, sagt Güler.
Festakt im GürzenichCDU-Parteichefin Serap Güler würdigt Adenauer und warnt vor der AfD

Adenauer-Biograf Friedrich Kießling, Kanzlerenkel Konrad Adenauer und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) bei dem Festakt.
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Die Kölner CDU-Chefin Serap Güler hat erneut vor einer Zusammenarbeit mit der AfD gewarnt. Anlass war eine Festveranstaltung am Freitagabend im Gürzenich, die die CDU Köln zu Ehren von Konrad Adenauer ausrichtete, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Güler würdigte ihn als einen „Menschen mit Haltung“, der als Kölner Oberbürgermeister im entscheidenden Moment „klare Linien gezogen“ und „zwischen demokratischer Verantwortung und politischer Zerstörung unterschieden“ habe. Er habe sich geweigert, sich den Nazis unterzuordnen, und dafür den Preis gezahlt, von ihnen 1933 aus dem Amt gedrängt zu werden. Ihn als historische Figur zu feiern, reiche nicht; es komme darauf an, seine Haltung zum Maßstab zu nehmen. Die Geschichte zeige, „was passiert, wenn demokratische Systeme beginnen, ihre Grundlage zu relativieren“.
„Adenauer hat mit Weitblick gestaltet“
An der gut besuchten Veranstaltung, zu der ein Filmbeitrag und musikalische Darbietungen gehörten, nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft teil. Das Hauptaugenmerk richtete sich weniger auf Adenauers Leistungen als erster Kanzler der Bundesrepublik als auf sein Wirken als Oberbürgermeister von 1917 bis zu seiner Absetzung. Von der Schaffung der beiden Grüngürtel über die Wiedereröffnung Universität bis zur Gründung der Messe – Adenauer sei ein Kommunalpolitiker gewesen, der mit Weitblick „gestaltet und nicht nur verwaltet“ habe, sagte Güler.
In seinem Festvortrag beschäftigte sich der Historiker und Adenauer-Biograf Friedrich Kießling unter anderem mit der Frage, welche Kontinuitäten sich in Adenauers politischer Laufbahn ausmachen lassen, die er 1906, also noch in der Kaiserzeit, als jüngster Beigeordneter der Stadt Köln begann und die 1966 endete. Ein einheitliches Bild ergebe die Betrachtung nicht. Verbindungslinien fänden sich am ehesten in politischen Verhaltensweisen und Überzeugungen. Als Beispiel nannte Kießling Adenauers durchgängiges Festhalten daran, Deutschland sei eine gleichberechtigte Macht unter anderen. Andererseits zeigten sich Diskrepanzen zwischen dem frühen und späten Adenauer. So habe er als OB den Ruf eines „ausgleichenden Politikers“ gehabt und es verstanden, Projekte überparteilich, etwa mithilfe der Sozialdemokraten, durchzusetzen. Doch als Kanzler habe er polarisiert und die SPD als Feind gebrandmarkt.
Gestaltungswille nach dem Weltkrieg
Anerkennend sprach Kießling davon, unter Adenauer habe Köln ein „umfassendes Modernisierungsprogramm“ durchlaufen. Auch er nannte die Neueröffnung der Universität und die Gründung der Messe, außerdem den Bau des Sportparks Müngersdorf, Industrieprojekte wie den Niehler Hafen und die Fordwerke und weiteres mehr. Drei Gründe führte Kießling für die Erfolge an: Viele Projekte seien schon vor Adenauers Amtszeit angestoßen worden; er habe für eine „breite Unterstützung“ gesorgt; und nach dem Ersten Weltkrieg habe trotz aller Probleme „Gestaltungswillen und Zukunftsoptimismus“ geherrscht.
Im Gegensatz zur Aufbruchstimmung in der frühen Weimarer Republik befinde sich Deutschland nach seinem Eindruck in einer „Erschöpfungsphase“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) in dem von Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger (CDU) moderierten Podiumsgespräch. Die Bemühungen müsste sich darauf richten, die Gesellschaft sozial und wirtschaftlich zu modernisieren. „Wir brauchen ein neues Versprechen für Deutschland.“ Es gelte, die „kommunale Idee“ zu stärken und auch die Bereitschaft zum Kompromiss. Vom Beispiel Adenauers, der und in der Kommunalpolitik ein „großer Taktiker“ gewesen sei und „Gelegenheiten ergriffen“ habe, gehe die Aufforderung aus: „Denkt einfach, macht’s einfach!“
Kanzlerenkel Konrad Adenauer machte drei Verbesserungsvorschläge: Die kommunale Wahlperiode – zur Zeit Adenauers als OB zwölf Jahre – sollte verlängert werden. Der Oberbürgermeister sollte nicht direkt, sondern vom Stadtrat gewählt werden, sodass sich Wahlkämpfe der Kandidaten erübrigen würden. Und eine Fünf-Prozent-Klausur müsse her, um der Zersplitterung des Stadtrats vorzubeugen. Momentan sind im Kölner Rat sieben Fraktionen, zwei Ratsgruppen und eine Einzelmandatsträgerin vertreten.
Die Schlussworte gebührten CDU-Mitglied Luwig Sebus. Der 100-jährige Liedautor und Sänger lernte Adenauer in den 1950er Jahren persönlich kennen und schätzen. 1943 als Soldat eingezogen, war Sebus erst Anfang 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Köln zurückgekehrt. Die „größte persönliche Leistung“ Adenauers sei für ihn, dass er es als Kanzler 1955 fertiggebracht habe, die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion heimzuholen.
