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Einst Lager der HitlerjugendWie das Kölner Fort IX zur Schauerruine wurde

3 min
13.05.2026, Köln: Fort-Serie: Besuch beim Fort IX in Porz-Westhoven. Das Bauwerk war Teil des früheren preußischen Befestigungsrings rund um Köln. 
 Foto: Arton Krasniqi

Das Fort IX war Teil des früheren preußischen Befestigungsrings rund um Köln.

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Festungsanlagen rund um Köln unbrauchbar gemacht werden. Das Fort IX wurde Lager, verfiel aber immer mehr.

Die leeren Fensteröffnungen starren wie tote Augen in die verwilderte Umgebung, an den alten Ziegelmauern entwickelt sich eine üppige Fauna. Efeu verdeckt zur Hälfte das Wort „Lager“, der Zusatz „Hitler“ ist nur noch schemenhaft zu erkennen.

Das Fort IX in Porz-Westhoven ist eine Ruine, wie sie schauerromantischer nicht sein könnte. Ihr Zustand in Kombination mit einer illustren Geschichte regt die Fantasie an. Geisterjäger haben sich hier schon herumgetrieben und andere Gestalten. „Es gab illegale Partys, auf die wir nicht eingeladen wurden“, sagt Secil Cakir, Objektmanager der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der die Liegenschaft gehört: „Die Nachbarschaft hat dann immer die Polizei alarmiert.“ Seit eineinhalb Jahren ist Fort IX deshalb kameraüberwacht.

Errichtet wurde die einst 200 mal 300 Meter große Anlage zwischen 1877 und 1879 als Teil des rechtsrheinischen Festungsgürtels. Wie alle Bauwerke des riesigen Verteidigungsrings musste Fort IX nach dem Ersten Weltkrieg militärisch unbrauchbar gemacht werden. Übriggeblieben ist nur noch die Kehlkaserne zur Unterbringung der Soldaten. Beziehungsweise die Reste davon.

Fortanlage verfällt immer mehr

Doch auch nach der „Entfestigung“ war der langgestreckte Ziegelbau lange in Betrieb. Die Nationalsozialisten nutzten ihn ab 1933 für ein Lager der Hitlerjugend. 1936 ging die Anlage an den „Reichsarbeitsdienst“ über, der junge Männer zu einem „Ehrendienst am deutschen Volke“ verpflichtete. Aus dieser Zeit stammt auch der Name „Lager Hitler“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Fort IX Teil der belgischen Militäranlagen, ging aber auch als Schauplatz eines riesigen Polizeieinsatzes in die Kölner Geschichte ein.

13.05.2026, Köln: Fort-Serie: Besuch beim Fort IX in Porz-Westhoven. Das Bauwerk war Teil des früheren preußischen Befestigungsrings rund um Köln. 
 Foto: Arton Krasniqi

Das Fort ist verfallen.

„Wenn Sie hier links und rechts schauen, sehen Sie überall noch die Pferdeboxen“, sagt Georg Ruppert vom „Institut für Festungsarchitektur“ (CRIFA) bei einem genehmigten Rundgang. Der Inhaber eines Kaufhauses für Reitzubehör habe die Tiere hier einst gehalten. 2004 durchkämmte die Polizei das gesamte Gelände nach zwei Kinderleichen, die laut einem anonymen Schreiben verscharrt wurden. „Die haben hier mit Suchhunden und mit Bodenradar die gesamte Oberfläche abgesucht“, erinnert sich Ruppert, dessen Organisation von der Polizei damals als Fort-Experten hinzugezogen wurde.

Löcher in den Wänden zeugen noch heute von der „gespenstischen Aktion“, wie die Presse schrieb. Selbst in einer preußischen Latrinengrube wurden die Leichen vermutet – aber nirgendwo gefunden. Offenbar habe es sich um eine Racheaktion eines gefeuerten Mitarbeiters des Pferdehalters gehandelt, sagt Ruppert: „Es war ein Fake.“ Allerdings sei die Polizei auf eine Menge Reifen und Asbestplatten in einem zugemauerten Treppenhaus gestoßen, die daraufhin beseitigt wurden: „Alles, was hier so verklappt wurde, ist heute weg.“

Beliebte Kulisse für Filmaufnahmen

Geblieben sind dunkle Schächte, lange Gänge und hier und da Hinweise, die Fragen aufwerfen. Ein Pfeil verweist auf den „Mauerdurchbruch Louisenstraße“, wo definitiv keine Louisenstraße ist. Auch den „Schutzraum 23“ hat es nie gegeben. Es handelt sich um Hinterlassenschaften von Filmaufnahmen, die hier des Öfteren stattfanden: Sowohl für den Film „Dresden“ als auch für den Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ diente Fort IX als Kulisse für Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Viel Vergangenheit wabert durch die verlassenen Kasematten im Kölner Südosten. Doch wie viel Zukunft hat die Anlage? Hier gibt sich Objektmanager Secil Cakir wenig optimistisch. „Die Sache ist die: Nicht nur das Fort steht unter Denkmalschutz, auch der Erdwall dahinter.“ Das Gelände sei möglicherweise mit Kampfmitteln belastet und das Gebäude überdies stark sanierungsbedürftig. Die Möglichkeiten für eine neue Nutzung seien insgesamt äußerst begrenzt.