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150 aus 150Benedikt Schmittmann lehrte Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln

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Benedikt Schmittmann

Benedikt Schmittmann

Der studierte Jurist und spätere Professor für Sozialwissenschaften engagierte sich für eine soziale Politik.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 76. Teil der Serie geht es um den Sozialwissenschaftler und Politiker Benedikt Schmittmann.

Bedeutung

Der promovierte Jurist war seit 1908 in der Provinzialverwaltung für Wohlfahrtswesen zuständig. 1915 zum Dozenten an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung in Köln ernannt, wechselte er 1916 als Professor im Hauptamt dorthin. An der neugegründeten Universität wurde er 1919 zum Professor für Sozialwissenschaften berufen. Für das Zentrum war er Abgeordneter in der Preußischen Landesversammlung und bis 1922 im Preußischen Landtag. Er plädierte für die Auflösung Preußens, das er als Keim drohender Kriegsgefahr ansah, den Anschluss Österreichs als Gegengewicht und ein vereinigtes Europa.

Weil das Zentrum sein föderales Staatskonzept ablehnte, legte Schmittmann sein Mandat nieder und trat aus der Partei aus. 1924 gründete er den Reichs- und Heimatbund Deutscher Katholiken, dessen Vorsitz er übernahm, ebenso wie bei der 1925 gegründeten Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Föderalisten. Seitdem galt er bei den rechten Parteien und bei der SPD als „Separatist“.


Benedikt Schmittmann

Geboren: 4. August 1872 in Düsseldorf

Gestorben: 13. September 1939 im KZ Sachsenhausen


Ende April 1933 überfiel ein SA-Trupp Schmittmanns Privathaus. Er wurde wegen „Hochverrats“ in eine fünfwöchige „Schutzhaft“ genommen. Es folgte das Lehrverbot. Angebote aus dem Ausland zur Emigration lehnte er ab. Am 1. September 1939 von der Gestapo verhaftet, starb er wenige Tage später im KZ Sachsenhausen an den Verletzungen einer brutalen Misshandlung durch einen SS-Mann. Seine Frau ließ ihn in der Familiengruft auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf bestatten.

Wirken in Köln

1937 bestimmte Schmittmann sein Vermögen testamentarisch zu Studien- und Ausbildungszwecken. 1969 gründete seine Witwe Helene geb. Wahlen eine Stiftung auf beide Namen, die das Studierendenwohnheim Schmittmann-Kolleg in ihrem ehemaligen Privathaus am Sachsenring unterstützt.

Bemerkenswert

Vor dem Ersten Weltkrieg setzte er sich für Kinderzuschläge zum Lohn, Mütterrente und Pflichtversicherung zur Bekämpfung der Wohnungsnot ein.

Spuren in der Stadt

Eine Straße in Lindenthal, eine Gedenktafel in St. Severin und eine Figur dahinter, ebenso auf dem Ratsturm, sowie ein Stolperstein vor der Universität erinnern an ihn. Ein kleiner Nachlass ist im Historischen Archiv vorhanden.


Der Autor der Serie zu 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biografien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.