Vor Ort stößt das geplante Hochhaus am Brückenkopf auf Widerstand, auch die Politik sieht Büros kritisch. Nun spricht der Investor.
„Schwieriger Stadtraum“Investor wirbt für umstrittenes Hochhaus an Kölner Severinsbrücke

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.
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Der Investor des geplanten, bis zu 45 Meter hohen neuen Hochhauses direkt an der Severinsbrücke verteidigt seine Pläne, dort Büros und ein Hotel unterbringen zu wollen – obwohl die Bezirksvertretung Innenstadt dieses Vorhaben mehrheitlich abgelehnt hat und sich neue Wohnungen mit relativ günstigen Mieten wünscht (wir berichteten mehrfach).
Geschäftsführer Henning Dumrese von der Firma Dumrese Real Estate sagt: „Leer steht vor allem das, was vielerorts nicht mehr zu den Anforderungen moderner Unternehmen passt, also ältere Flächen, häufig in Randlagen, oft wenig flexibel, energetisch schwach und für Mitarbeitende wenig attraktiv.“ Moderne Büroflächen nahe der Innenstadt sind laut Dumrese knapp.
Leerstand an Büros ist gestiegen
Ein Bericht über den Büromarkt in Köln zwischen April und Juni des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate hat gegenüber des Vorjahreszeitraumes einen Anstieg der Leerstandsquote für Büroimmobilie von 4,25 auf 5,5 Prozent festgestellt. Das Unternehmen schreibt dazu: „Während hochwertige Flächen in guten Lagen knapp und preisstabil bleiben, stehen ältere Bestände und periphere Lagen zunehmend unter Druck.“
Zusätzlich zu Büros und dem Hotel sollen in dem Hochhaus an der Helenwallstraße laut Dumrese im Erdgeschoss Gastronomie und möglicherweise ein Jazz-Club entstehen, eine Tiefgarage ist auch geplant. Dumrese spricht von bis zu 1000 neuen Arbeitsplätzen.
Planrecht muss für Hochhaus geändert werden
Es geht bei dem Bauprojekt um die Fläche am rechtsrheinischen Brückenkopf der denkmalgeschützten Severinsbrücke. Die Verwaltung nennt sie eine öffentliche Grünfläche samt Parkplatz, demnach handelt es sich um eine „stadtbildprägende Lage“.
Das Areal gehört größtenteils der Stadt, Dumrese prüft das Bauvorhaben seit drei Jahren, später will er das Grundstück von der Stadt kaufen. Doch dafür muss zunächst das Planrecht geändert werden, damit dort eine gewerbliche Nutzung erlaubt ist. Und über das Verfahren zum nötigen Bebauungsplan beraten und entscheiden die Bezirksvertretung Innenstadt und der Stadtentwicklungsausschuss des Rates. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen.
Starke Veränderungen im Stadtbild
In der Beschreibung des Bauprojektes schreibt die Stadt: „Durch die Planung eines Gebäudes mit 40 bis 45 Metern Höhe wird sich das Orts- und Landschaftsbild stark verändern.“
Das neue Hochhaus wäre auch nur 1,35 Kilometer Luftlinie vom Dom entfernt. Das ist wichtig, weil Hochhaus-Pläne in Deutz vor 20 Jahren den Welterbe-Status des Doms gefährdeten. Eine Analyse zum Hochhaus an der Severinsbrücke konstatiert aber, dass eine Einschränkung der Bedeutung des Doms als Welterbe nicht zu erwarten ist.
Teile der Anwohnerschaft wehren sich
Auch über den Denkmalschutz der Severinsbrücke äußern sich die Experten: „In der weiteren Entwicklung des Bauvorhabens Helenenwallstraße 40 ist somit sicherzustellen, dass die entsprechenden Ansichten nicht signifikant überformt und der Umgebungsschutz der Severinsbrücke als eingetragenes Denkmal nicht massiv beeinträchtigt werden.“
Investor wehrt sich gegen Kritik
Dumrese sagt mit Blick auf die Fläche: „Hier wird kein ‚Park‘ überbaut.“ Es sei ein „schwieriger Stadtraum“ zwischen Brücke, Auffahrt und Straße. „Wer den heutigen Zustand erhalten will, bewahrt damit nicht automatisch einen wertvollen Ort. Wer sich dort auf eine Bank setzt, sitzt im Dauerlärm und in der Abluft des Verkehrs. An einer solchen Stelle plant man keinen Park.“ Das Hochhaus soll laut Dumrese Dach- und Fassadenbegrünung aufweisen, zudem sollen Grünflächen geschaffen werden.
Zur Sorge vor mehr Verkehr erwidert er, dass den Bereich rund 90.000 Fahrzeuge am Tag umfahren, die Tiefgarage für rund 250 Parkplätze geplant sei. „Vor dieser Kulisse erscheint der Verkehr, den unser Haus auslöst, eher unerheblich.“
Die Stadt hatte nach dem Beschluss durch die Bezirksvertretung erneut untersuchen lassen, ob dort Wohnungen möglich sind. Das Ergebnis, unter anderem wegen Lärm und fehlender Sonnenstunden: nein. Das war auch schon das Ergebnis einer Analyse in der Vergangenheit. Für ein Hotel gelten andere Werte, laut des Gutachtens ist das möglich.
Nach der Sommerpause berät die Kölner Politik weiter über das Thema, erst ein Architekten-Wettbewerb würde das Aussehen des Hauses klären.
