Nach einem Änderungsantrag der BV-Innenstadt mehren sich die Stimmen, die Kritik am geplanten Bauvorhaben in der Helenenwallstraße üben.
Geplanter Büro- und HotelkomplexKritik an Bauprojekt an der Severinsbrücke reißt nicht ab

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.
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Der Widerstand gegen das Vorhaben der Stadt, in der Helenenwallstraße nördlich der Deutzer Auffahrt zur Severinsbrücke von einem Investor einen Büro- und Hotelkomplex errichten zu lassen, nimmt zu. Im Mai hatte die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt mit großer Mehrheit einen von den Grünen initiierten Änderungsantrag beschlossen, das Verfahren, das den Weg für eine gewerbliche Nutzung des Geländes freimachen soll, zu stoppen und die nahezu vollständig in städtischem Eigentum befindliche Fläche dauerhaft für sozial gebundenen Wohnraum zu entwickeln.
Gegen das Bauprojekt, das ein Kölner Unternehmen realisieren will, stellen sich auch Anwohner und Anwohnerinnen, die sich in der Initiative „Grüner Park Deutz“ zusammengeschlossen haben, die Kreisgruppe Köln des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und die SPD-Ortsgruppe Köln-Deutz, die sich in der Angelegenheit in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Burmester gewandt hat. Am Freitag gaben die Gegner, darunter auch Bezirksbürgermeisterin Julie Cazier (Grüne), bei einem Pressetermin vor Ort ihren Bedenken Ausdruck und legten Alternativen dar.
Anwohner-Initiative wehrt sich gegen geplante Versiegelung
Dabei zeigten sich Unterschiede. Die Anwohner-Initiative wünscht sich den Erhalt der mit Bäumen und Sträuchern bestandenen öffentlichen Grünfläche. Diese stelle eine wichtige „Frischluftschneise“ für Deutz dar, sagte Angelika Thill. Statt sie klimaschädlich zu versiegeln, sollte sie also aufgewertet werden. Schon für das neue Wohn- und Geschäftsviertel des Deutzer Hafens gebe es kein „umweltverträgliches Verkehrskonzept“, kritisiert die Initiative zudem.
Das neue Hotel- und Bürohaus würde zusätzlichen Verkehr ins Viertel ziehen und die Situation verschärfen. Als weiteres Problem sprach Thill an, dass die Baustelleneinrichtung für die Generalsanierung der Severinsbrücke, die in wenigen Jahren beginnen soll, in der Planung nicht berücksichtigt sei.
BUND fordert mehr Wohnungsbau
Andere Gegner sprechen sich für eine Bebauung mit bezahlbaren Wohnungen aus, an denen es in Köln notorisch mangele. Die Bezirksvertreter plädieren in ihrer Mehrheit dafür, das städtische Grundstück, das dem Investor zunächst im Wege einer sogenannten Anhandgabe für seine Planung zur Verfügung gestellt worden ist, nicht zu verkaufen, sondern nach Erbbaurecht für 80 Jahre zu vergeben. Dabei sollten zum Beispiel gemeinnützige Wohungsbaugenossenschaften bevorzugt werden.
Dem schließt sich der BUND an. „Nach unseren Recherchen könnten hier circa 140 Wohnungen entstehen, die für breite Schichten bezahlbar wären, auch für Studierende und ältere pflegebedürftige Menschen“, sagte BUND-Mitglied Jörg Frank. „Das gewachsene Deutzer Wohnquartier würde durch die Nutzung der Brachfläche sinnvoll ergänzt. So stellen wir uns eine soziale und ökologische Bauwende vor.“ Prinzipiell gelte: „Angesichts der hohen Bodenpreise für Privatgrundstücke muss die Stadt endlich mit ihren geeigneten Grundstücken beim Wohnungsbau in die Offensive gehen.“
Kritik an Oberbürgermeister Burmester
Im Wahlkampf habe OB Burmester bezahlbares Wohnen zu einem zentralen Thema gemacht, doch bisher ließen konkrete Projekte auf sich warten, so Frank. Zu dem Termin in Deutz war auch Siddi Gianluigi von der Wohnungs-Genossenschaft Köln 1896 gekommen. Die Planung für den Hotel- und Bürokomplex kritisierte er als „mit der heißen Nadel gestrickt“ und das ganze Projekt als „investorengetrieben“. Nicht an Büros fehle es in der Stadt, sondern an Wohnungen, sagte auch er.
Entscheidend kommt es auf das Votum des Ausschusses für Stadtentwicklung und regionale Zusammenarbeit am kommenden Dienstag an. Fällt es positiv aus, beginnt zeitnah das Qualifizierungsverfahren. Im Anschluss daran wird der Realisierungsentwurf durch das Bebaungsplanverfahren planungsrechtlich umgesetzt. Dann kann für das Vorhaben ein Baugenehmigungsantrag eingereicht werden.
