Abo

Neubauprojekt HelenenwallstraßeBV Innenstadt stellt sich gegen Vorschlag der Verwaltung

3 min
15.03.2026, Köln: Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. Es liegt zwischen der Helenenwallstraße und der Siegburger Straße nördlich der Brücke. Foto: Uwe Weiser

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. 

In Deutz soll an der Severinsbrücke ein Hotel- und Bürogebäude entstehen. Von der BV-Innenstadt kommen diverse Kritikpunkte.

Vor allem als Hotel und Bürogebäude soll der circa 40 bis 45 Meter hohe Neubau dienen, den ein Kölner Immobilienunternehmen in der Helenenwallstraße in Deutz nördlich der Auffahrtsrampe der Severinsbrücke errichten will. Das Vorhaben stößt bei der Bezirksvertretung Innenstadt auf große Skepsis. Statt dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen, die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gelände zu beschließen, stimmte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung einmütig dafür, zunächst ein gemeinsames Fachgespräch mit dem Stadtentwicklungsausschuss anzuberaumen.

Von 2020 bis 2022 hatte die Verwaltung geprüft, ob sich der Standort für Wohnbebauung eignet. Besonders wegen des Lärms, der von der Severinsbrücke ausgeht, wurde dies verworfen. Später stellte die Stadt dem Investor das Grundstück für seine Planung zur Verfügung: Im Mai 2023 beschloss der Liegenschaftsausschuss die sogenannte Anhandgabe.

Grundstück liegt am Brückenkopf der Severinsbrücke

Weil das bestehende Planungsrecht der Entwicklung eines Gebäudes mit gewerblicher Nutzung entgegensteht, ist die Aufstellung eines Bebauungsplans notwendig. Vorgesehen sind etwa 25.000 Quadratmeter oberirdischer Bruttogrundfläche. Platz finden sollen neben dem Hotel und den Büros gastronomische Einrichtungen wie eine Barista-Bar, ein Fitnessstudio sowie Geschäfte, darunter eine Bäckerei. In der Tiefgarage sollen rund 300 Auto- und etwa 320 Fahrradstellplätze untergebracht werden.

Wegen „der prominenten Lage am Brückenkopf der Severinsbrücke ist ein besonderes Augenmerk auf städtebauliche, architektonisch-gestalterische sowie freiraumplanerische Aspekte des Standorts zu legen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Das Vorhaben füge sich in das Höhenentwicklungskonzept der Stadt ein, und die Lenkungsgruppe Masterplan habe eine „positive Stellungnahme“ abgegeben, sagte Marvin Yüksek vom Stadtplanungsamt.

Bezirksvertreter kritisieren Vorlage

Mehrere Bezirksvertreter nahmen daran Anstoß: Die Vorlage komme viel zu kurzfristig, um über ein Projekt dieser Größenordnung zu entscheiden. Heike Fries (SPD) wurde grundsätzlich: „Hotels gibt es genug in Deutz, was wir brauchen, ist Wohnraum.“ Selbst Besserverdiener wie Lehrer und Ärzte fänden keine bezahlbaren Wohnungen. Nadine Gareis (Volt) bezweifelte, dass zusätzliche Büroflächen in der Stadt nötig sind. Auch mit Blick auf das in der Nachbarschaft entstehende Quartier Deutzer Hafen warnte sie vor einer übermäßigen Zunahme des Verkehrs, und sie monierte, mit der Bebauung der Freifläche werde die „Durchlüftung“ eingeschränkt, mit der Folge von „Hitzestaus“.

Udo Peter Stodden (CDU) kritisierte, mit der „Anhandgabe“ der Liegenschaft sei das Vorhaben „quasi vorbeschlossen“; nun sollten die Politiker es „im Hauruckverfahren“ absegnen. Reinhold Goss (Grüne) gab unter anderem zu bedenken, das Grundstück sei eigentlich dafür vorgesehen, eine Baustelle für die Sanierung der Severinsbrücke einzurichten; weiche man auf die Südseite der Brücke aus, müssten dort womöglich Bäume gefällt werden.

Vertreter des Planungsamts verweist auf Machbarkeitsstudie

Außerdem sei die Stadt gut beraten, sich unbebaute Flächen zu erhalten, die sie bei besonderem Bedarf „bespielen“ könne. Das zeige die Suche nach Standorten für das Interim der Feuerwache 1 und das Suchthilfezentrum. Noch am positivsten äußerte sich Tim Cremer (SPD). Als „Lückenschluss“ sei die Bebauung optisch vorteilhaft, und wenn es an der Stelle wegen der Lärmbelastung schon nicht möglich sei, Wohnraum zu schaffen, warum dann nicht ein Hotel. Schließlich werde Köln immer beliebter, ob bei Touristen oder Messebesuchern.

Ein ums andere Mal parierte Yüksek die Einwände. Eine Machbarkeitsstudie zeige, dass der Markt weitere Hotels in der Stadt vertrage, und der Bedarf an Büros sei von der Köln Business Wirtschaftsförderung, einer städtischen Tochter, „an uns herangetragen worden“. Bei der Erarbeitung des Verkehrsgutachtens werde die Entwicklung des Deutzer Hafens berücksichtigt.

Details, etwa zu Verkehr und Klimaschutz, würden nach vorgegebenen Leitlinien im Qualifizierungsverfahren geklärt, das der Zustimmung der politischen Gremien folgen soll. Es solle so bald wie möglich beginnen, denn man wolle zwei Baumaßnahmen „entkoppeln“: die Errichtung des Neubaus und die umfangreiche Sanierung der Severinsbrücke. Trotz allem verweigerten die Bezirksvertreter die Billigung. Kommenden Dienstag befasst sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema.