Viele Bananen auf 416 SeitenThomas Baumgärtel präsentiert ein Buch seiner Werke

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Verleger Michael Wienand (l.), Künstler Thomas Baumgärtel und Ehefrau und Grafikerin Nicole Meyer

Verleger Michael Wienand (l.), Künstler Thomas Baumgärtel und Ehefrau und Grafikerin Nicole Meyer

Köln – Am Anfang war die Banane – und wurde zu seinem Markenzeichen. Seit 1986 hat „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel, der zuvor Kunst und Psychologie studiert hatte, dieses gelbe Symbol weltweit auf 4000 Fassaden von Museen, Galerien und Ateliers gesprüht. Die Banane zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Arbeiten Baumgärtels, der, so Galerist Gérard Margaritis, „zu den wohl vielseitigsten Künstlern Deutschlands gehört und dank aufsehenerregender Performances und Werken mit eindeutiger Botschaft auch zu den meistdiskutierten.“

Ausstellung mit 300 Gästen

Und so manche der Bilder, über die teils heftig debattiert wurde, finden sich ausführlich beschrieben in einem neuen Zehn-Jahres-Katalog, den Baumgärtel nun – verbunden mit einer kleinen Ausstellung – mit Verleger Michael Wienand vor gut 300 Gästen in seinem Atelier in einer alten Industriehalle in Dellbrück vorstellte. Mit dabei, an der Wand wie im Buch, ist Baumgärtels Darstellung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit einer Banane im Hintern, für die es Morddrohungen gegen den Künstler gegeben hatte. Dazu die Bilder von US-Präsident Donald Trump mit affenähnlichem Gesicht und Banane im Mund sowie von Nordkoreas Diktator Kim Yong-un beim Ritt auf einer bananenförmigen Atomrakete. „Das ist meine Despoten-Serie“, so Baumgärtel, der auch politisch Stellung beziehen, provozieren und mit seinen Arbeiten die „Demokratie und Meinungsfreiheit“ sowie die „Freiheit der Kunst“ verteidigen will.

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Drumherum entstanden auch immer wieder „ganz normale“ Bilder, Graffiti an Häuserwänden, Objekte und kinetische Arbeiten. „In den letzten zehn Jahren war er am allerfleißgsten“, hat Winand beobachtet, dessen Verlag in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert („Dazu darf ich meine Bücher im Museum Ludwig ausstellen“) und dessen Sitz im Weyertal schon seit mehr als 20 Jahren eine Sprüh-Banane ziert.

Alles zum Thema Museum Ludwig

„Zehn Jahre meiner Kunst in einem Buch mit mehr als 400 Seiten zusammenzufassen, ist schon eine Menge Arbeit“, weiß Baumgärtel. Eigentlich beleuchtet das Buch mit dem Untertitel „German Urban Pop Art“ mehr als 500 Werke – und, passend für einen Kölner Künstler, elf Jahre, von 2008 bis 2018. Für Zusammenstellung und Layout war Bäumgärtels Ehefrau, die Grafikerin Nicole Meyer zuständig. „Aus mehr als 3000 Werke galt es 400 auszusuchen, zu sortieren, und bestimmten Themenschwerpunkten zuzuordnen.“

Doch das scheint gelungen. „Ein sensationelles Buch“, kommentierte Professor Meinrad Maria Grewenig, der die Laudatio hielt. „Das Verzeichnis des Lebenswerkes von Andy Warhol umfasst nur 385 Seiten, hier sind wir bei zehn Jahren schon bei 416 Seiten.“

Baumgärtel tourt mit Ausstellung durch die ganze Welt

Bis Ende 2020 ist Baumgärtel mit Buch und Bildern auf 25 Ausstellungen unterwegs – darunter Sydney, Berlin, München, Antwerpen und dreimal Köln. Das erste Heimspiel startet an diesem Freitag (24. Mai) um 19.30 Uhr zum Motto „Stadt Land Fluss“ in den neuen Räumen der 30works Galerie an der Pfeilstraße.

Das größte Projekt ist dann – mit Unterstützung der Brauerei-Inhaber Ute Reissdorf und Heribert Landskron-Reissdorf – eine Werkschau (15. September bis 3. November) in einer 2000 Quadratmeter großen Halle auf einem Industrieareal in Dellbrück.

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