Von außen ist davon nicht viel zu sehen, aber seit Sommer sind im Inneren des Gotland-Hauses im Volksgarten die Handwerker zugange. Das Gebäude muss komplett saniert werden. Dass das rote Holzhaus überhaupt noch steht, ist dem Engagement ehemaliger Kita-Eltern und weiterer Menschen aus der Nachbarschaft zu verdanken. Als die städtische Kita 2021 auszog und der Abriss drohte, gründeten sie den Gotland-Verein. Ihr Ziel: ein offener Treffpunkt für die Südstadt.
Ende 2024 sicherte ein Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt dem Verein die Nutzung für 80 Jahre. Im Gegenzug verpflichtete er sich, das Gebäude mit seinen 270 Quadratmetern zu sanieren. Das Haus steht seit Ende 2022 unter Denkmalschutz. Entsprechend muss der Verein besondere Auflagen beachten, arbeitet nach eigenen Angaben aber gut mit dem Denkmalamt zusammen.

Die Küche wurde vergrößert, die Elektrik erneuert, alle Anschlüsse sind verlegt – aber es fehlt noch das Geld für die Geräte und Möbel.
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Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt des Gebäudes begannen im Juli. Erste Fortschritte sind schon zu sehen. Im Mitteltrakt wurden die Wände gedämmt, die Elektrik erneuert und die Küche vergrößert. Zwei große Fenster wurden dort zu bodentiefen, barrierefreien Zugängen zum Garten umgebaut. Auch die Sanitärbereiche sind saniert. Bis das Haus wieder vollständig genutzt werden kann, bleibt jedoch noch viel zu tun – und viel Geld muss dafür zusammenkommen.
Sanierung wird 1,4 Millionen Euro kosten
„Insgesamt wird die Sanierung des ganzen Gebäudes aufwendiger und deutlich teurer, als wir ursprünglich dachten. Es tauchen immer wieder zusätzliche Arbeiten auf, die nicht eingeplant waren“, schildern Bettina Wente und Ela Lichtenberg vom Verein. Statt der zunächst kalkulierten 800.000 Euro rechnet der Verein inzwischen mit Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro. Ein Förderantrag beim Bund wurde 2025 abgelehnt. „Wir haben in 2026 neue Anträge beim Land und beim Bund gestellt und warten noch auf die Antworten“, berichtet Lichtenberg. Der Verein versuche auch, private Spender und Sponsoren zu finden, dies sei aber schwierig.

Das Gotland-Haus im Volksgarten soll wieder ein lebendiger Treffpunkt werden.
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Rund 300.000 Euro wurden nach Vereinsangaben bereits für den ersten Bauabschnitt ausgegeben. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Aufarbeitung der Fenster, die Aktion Mensch förderte eine barrierefreie Außentoilette. Zudem nahm der Verein für die Arbeiten einen Kredit über rund 180.000 Euro auf. Die knappen Mittel machen sich auch bei der Küchenausstattung bemerkbar: Die Anschlüsse sind verlegt, doch für Möbel und Geräte braucht der Verein rund 50.000 Euro. „Die Bezirksvertretung Innenstadt hat uns jetzt 16.000 Euro zugesagt. Dafür sind wir ungeheuer dankbar“, sagt Wente.
Zudem fehlen dem Verein aber auch Einnahmen, weil die Räume während der Bauarbeiten nicht wie gewohnt für Geburtstagsfeiern vermietet werden können. Die monatlichen Fixkosten von rund 2000 Euro laufen dagegen weiter. „Für die Bauzeit würden wir uns hier Unterstützung von der Stadt wünschen“, sagt Wente.
Angebote trotz Baustelle
Die rund 40 Ehrenamtlichen im Verein setzen sich mit viel Herzblut und Engagement für das Projekt ein. Viele Angebote konnten sie trotz Bauarbeiten beibehalten. Dazu gehören Hilfen beim Deutschlernen, ein Schreibtreff, ein Chor, die Gartengruppe und gemeinsame Spaziergänge unter dem Motto „Geh ’ne Runde mit“. Auch Selbsthilfe- und Kreativangebote sowie Flohmärkte, Lesungen und Feste bringen Menschen ins Gotland. Sobald die Küche einsatzbereit ist, soll der Kochclub wieder starten. „Auch 2027 werden wir unsere Angebote auf jeden Fall aufrechterhalten“, erklärt Lichtenberg.
Unterstützt wird der Verein vom Förderverein Freunde und Förderer Gotland e. V., der Ende 2022 gegründet wurde und inzwischen knapp 170 Mitglieder zählt. „Das ist wirklich toll. Aber wir wünschen uns gerne noch viele weitere Mitglieder“, sagt Wente. Der Jahresbeitrag beträgt 60 Euro. Auch in den kommenden Wochen stehen Veranstaltungen an: An Halloween lädt Gotland zum Gruselgarten mit Musik, Wahrsagerei und Verpflegung ein. Der Eintritt kostet zwei Euro. Am 12. Dezember wird das schwedische Lichterfest Santa Lucia mit Kerzenschein, Suppe, Glögg und Musik gefeiert.
Bis das Schwedenhaus vollständig saniert ist, braucht es weitere Arbeit und finanzielle Unterstützung. Die Ehrenamtlichen sind nach wie vor von ihrer Vision überzeugt: Das Gotland-Haus soll ein lebendiger, offener Treffpunkt für die Nachbarschaft sein. „Es ist schwieriger als gedacht, es ist eine große Herausforderung, aber wir sind voller Elan und guten Mutes“, sagt Lichtenberg.


