Die Fahrradrampen zur Severinsbrücke sind teilweise zu steil und gefährlich. Vor allem in der Dunkelheit kann es zu Unfällen kommen.
Hohes UnfallrisikoRadler kracht im Dunkeln gegen Drängelgitter auf Kölner Severinsbrücke

Vor dieses Drängelgitter an der Auffahrt zur Severinsbrücke krachte Carsten Brennecke Mitte Dezember in der Dunkelheit und zog sich schwere Verletzungen zu.
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Für Carsten Brennecke kommt der Vorschlag der Bezirksvertretung Innenstadt, die Radwege zur Severinsbrücke endlich sicherer zu machen, zu spät. Anfang Dezember hat das Stadtteilparlament das beschlossen – mit den Stimmen von Grünen, SPD, Volt und Linken. Die schweren Verletzungen, die er bei seinem Alleinunfall am Abend des 16. Dezember auf dem Weg zur Weihnachtsfeier der Produktion und Blattplanung des DuMont-Verlags im Stadtgarten auf der Fahrradrampe zur Brücke erlitten hat, schränken ihn bis heute ein.
Brennecke, ein erfahrener und umsichtiger Radfahrer, fährt diese Route an diesem Abend zum ersten Mal. Er verlässt das Rheinufer an der Deutzer Werft. „Ich wollte auf die Brücke fahren. Der Radweg wird an dieser Stelle anders geführt als die Straße. Man fährt durch eine Wohnstraße, unter einer Brückenzufahrt für die Autos hindurch“, sagt er. „Das ist alles ziemlich verwinkelt und abends stockdunkel.“ Brennecke folgt dem Radweg, der einen Rechtsknick macht, und tritt in die Pedale, um den Anstieg auf die steile rechtsrheinische Rampe zu bewältigen. „Für einen Radweg deutlich zu steil“, wie die Politiker in der Bezirksvertretung Innenstadt in ihrer Sitzung Anfang Dezember befinden.

Nur noch Schrott, auch wenn man es dem Rad nicht ansieht: das Ober- und Unterrohr sind gestaucht. Der Rahmen ist nicht mehr zu gebrauchen.
Copyright: Carsten Brennecke
Das Hindernis vor ihm, ein rechtwinkliges Drängelgitter auf dem unbeleuchteten Weg, das er links umfahren müsste, nimmt er erst im letzten Moment wahr. Es ist völlig verrostet, die Reflektorfarbe ist abgeblättert. „Ich hatte keine Chance, auszuweichen.“ Brennecke stürzt, auf den Kopf und die linke Schulter, zieht sich eine Schädelprellung zu. Das Schultereckgelenk ist gesprengt, die Bänder sind gerissen, das Schlüsselbein verschoben. Sein Fahrrad ist Schrott. Durch die Wucht des Aufpralls ist der Rahmen verzogen, Ober- und Unterrohr sind eingeknickt.
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Auf den Fahrradunfall folgen wochenlang Schmerzen
Brennecke schleppt sich mit dem kaputten Rad bis zum Deutzer Bahnhof und fährt von dort mit dem Großraumtaxi ins Krankenhaus nach Leverkusen. Von einer Operation rät man ihm ab. Er solle erst einmal den Heilungsprozess abwarten. Was folgt, sind vier Wochen Krankschreibung und Schmerzen, die bis heute anhalten.

Carsten Brennecke erleidet bei dem Fahrradunfall am 16. Dezember schwere Gesichtsverletzungen.
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„Ich kann den Sinn dieses Hindernisses nicht erkennen“, sagt er. „Vielleicht glaubt die Stadtverwaltung, das sei eine gefährliche Stelle, an der man langsamer fahren sollte. Wenn man von oben den Weg mit dem Rad herunterfährt und davor kracht, könnte das tödlich enden. Ich frage mich, warum steht die Sperre auf der rechten Seite in meiner Fahrtrichtung? Es ist doch völlig klar, dass man Schwung holt, weil die Auffahrt ziemlich steil ist.“
Ich bin dagegengeknallt, weil ich es zu spät gesehen habe
Es ist nicht der erste Unfall dieser Art. Im vergangenen Jahr hat ein weiterer Radfahrer auf der Meldeplattform „Sag’s uns“ exakt die gleiche Situation beschrieben. „Ich bin dagegengeknallt, weil ich es zu spät gesehen habe.“ Der Unfall sei aber glimpflich ausgegangen. Ob es noch weitere Fälle gibt, ist unklar. Weil nicht jeder sich nach einem Sturz bei der Stadt oder der Polizei meldet.
Die Radwegeführung zur Severinsbrücke war schon 2023 Thema in der Bezirksvertretung Innenstadt. Damals beschloss man nach einer Bürgereingabe, den kombinierten Fuß- und Radweg an der südlichen, linksrheinischen Brückenrampe zu verbreitern. Die Verwaltung hatte damals zugesichert, sie werde die Eingabe berücksichtigen. Schließlich sei die Verbesserung des Radverkehrs auf der Brücke im Radverkehrskonzept für die Innenstadt schon enthalten. Immerhin: Auf der linken Rheinseite gibt es bereits ein neues Drängelgitter.
Reflektorfarbe an Drängelgitter abgeblättert
Doch was ist mit der Gefahrenstelle, die Brennecke zum Verhängnis wurde? Das Drängelgitter diene „der Absicherung des Fußverkehrs“, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Der Radweg habe eine eigene Führung. Das wird durch Schilder und eine durchgezogene Linie auf dem Boden verdeutlicht. „Die Verwaltung ist in der internen Abstimmung, wie die Stelle noch eindeutiger gekennzeichnet werden kann.“
Carsten Brennecke kann sich darüber nur wundern. Der Weg, den er genommen hat, ist klar und eindeutig auch für Radfahrer ausgeschildert und freigegeben. Ein Fehlverhalten kann man ihm also nicht vorwerfen. Tagsüber sind die Schilder, teilweise verdreckt oder mit Aufklebern versehen, auch zu erkennen. In der Dunkelheit eben nicht. Genau das wurde ihm zum Verhängnis.
Sein Leidensgenosse, der vergangenes Jahr ebenfalls gegen das Drängelgitter krachte, aber nur leicht verletzt wurde, hat der Stadt bei seiner Meldung auf der „Sag’s uns“-App eine Lösung gleich mitgeliefert. Sie möge dem Gitter einfach ein neues Reflektorband spendieren.


