In gut sechs Monaten sollen die Bühnen wieder eröffnen. Nun startet die Kampagne dazu, um das Milliarden-Projekt positiv umzudeuten.
Umstrittene Sanierung„Frustzaun“ an Kölner Oper zeigt Negativ-Schlagzeilen

„Totalversagen“ oder „Desaster“: Der sogenannte „Frustzaun“ an der Bühnen-Baustelle am Offenbachplatz zeigt Schlagzeilen der vergangenen 14 Jahre.
Copyright: Matthias Hendorf
Ungewöhnlicher Umgang mit Milliarden-Kosten: An der Baustelle der Bühnen-Sanierung am Offenbachplatz haben die städtischen Bühnen einen sogenannten „Frustzaun“ mit Schlagzeilen der vergangenen 14 Jahre zur umstrittenen Sanierung gestaltet.
Laut einer internen Mail der Bühnen wollen sie so einen Blick zurückwerfen, „denn die 14-jährige Sanierung hat allen Kölnerinnen und Kölnern viel abverlangt“. Deshalb werde der Bauzaun an der Baustelle zum „Frustzaun“, auf dem die Negativschlagzeilen rund um die Sanierung zu lesen sein werden. Zu lesen sind beispielsweise Schlagzeilen wie „Fiasko!“, „Skandal!“, „Schande!“, „Geldverschwendung“ oder „Es nervt“.
In der Mail heißt es: „Doch aus Frust soll schließlich Lust und Vorfreude werden, der Zaun künstlerisch umgedeutet werden.“ Laut der Mail sollen das Kölner Künstlerinnen und Künstler übernehmen, sie sollen sich demnach „ihren Ärger der letzten 14 Jahre stellvertretend für die Stadtgesellschaft von der Seele malen und sprayen“.
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Der „Frustzaun“ an der Bühnen-Baustelle.
Copyright: Matthias Hendorf
Wie mehrfach berichtet, sind aus anfänglich geplanten Gesamtkosten von 540,9 Millionen Euro für Planung und Bau, die Interimsspielstätten sowie die Finanzierung der Baukosten rund 1,465 Milliarden Euro geworden. Die reinen Baukosten betragen 798,6 Millionen Euro.
Und aus drei Jahren Bauzeit sind 14 geworden. Am 19. und 20. September sollen die Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleines Haus wieder eröffnen.
Die Stadt hat anlässlich der Wiedereröffnung die Werbeagentur Jung von Matt beauftragt. Das Unternehmen hatte auch die Wiedereröffnung der Elphilharmonie in Hamburg inszeniert. Auch deren Bau dauerte länger und die Kosten explodierten, es gab viel Kritik. Trotzdem gilt sie heute als Touristen-Magnet. Anders als das denkmalgeschützte Kölner Ensemble ist sie aber ein Neubau.

Überblick über den neuen Offenbachplatz mit den vier Bühnen.
Copyright: HPP Architekten/Stefan Schilling
Die Hoffnung der Stadt Köln ist, dass die neue Kampagne mit dem Slogan „Deine Bühne, Köln“ die größtenteils negative Stimmung zu dem Bauprojekt dreht. In der Ausschreibung aus dem Jahr 2023 hieß es, das Kommunikationskonzept stehe angesichts der Kosten vor „besonderen Herausforderungen. Es gilt, die seit über zehn Jahren eher negativ geprägte bundesweite Berichterstattung umzukehren (...).“
In einem ersten Imagefilm, der im September gezeigt wurde, hieß es: „Wo die Kunst auf Bordsteinhöhe wohnt und niemand zu ihr aufschauen muss.“ Die Botschaft soll sein, dass die Milliarden-Kosten nicht nur für die höhere Stadtgesellschaft ausgegeben wurde. Nächste Woche stellt die Stadt den „Frustzaun“ offiziell vor, dann will sie auch Fragen zu dem Thema beantworten.

