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VergewaltigungenNur jedes 10. Opfer geht zur Polizei - Anzeigen bis 2015 rückläufig

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Angstraum Köln bei Nacht. (Symbolbild)

Köln – Die beiden Männer, die am vergangenen Samstag in einem Park am Hansaring eine 25 Jahre alte Frau vergewaltigt haben, sind weiterhin auf der Flucht. Allerdings sind bis Mittwochnachmittag eine große Zahl von Hinweisen aus der Bevölkerung eingegangen. Die Ermittlungen dauern an.

213 Fälle im Jahr 2015

Insgesamt hat sich die Zahl der Vergewaltigungen laut Polizei in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert. „Pro Jahr werden in Köln zwischen 200 und 250 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht“, so eine Polizeisprecherin. Inbegriffen seien auch Beziehungstaten im häuslichen Umfeld. 2005 waren es 243 Anzeigen, fünf Jahre später 246. Im Jahr 2015 wurden 213 Fälle zur Anzeige gebracht. Die Tat auf dem Hansaplatz fällt in die Kategorie „überfallartige Vergewaltigung beziehungsweise sexuelle Nötigung durch Gruppen“.

Noch keine Bilanz für 2016

2010 gab es noch zehn Anzeigen in diesem Bereich, anschließend ging die Anzahl stetig zurück. 2015 gab es nur eine Anzeige. Die jährlichen Zahlen werden von der Polizei in der Kriminalitätsstatistik ausgewertet, die Bilanz für das laufende Jahr gibt es erst im nächsten Frühjahr. Die Polizei konnte zu aktuellen Zahlen daher keine Angaben machen.

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Nach den Übergriffen an Silvester gingen insgesamt 506 Anzeigen zu Sexualdelikten ein, diese reichen von Beleidigung über sexuelle Nötigung, versuchte Vergewaltigung bis zu Vergewaltigung. 27 Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung, hier der Penetration mit einem Finger, laufen noch. Ob die Täter in Gruppen vorgegangen sind, lassen die Zahlen nicht erkennen.

Opferschutz geht von hoher Dunkelziffer aus

Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen dürfte laut Marianne Weich von der Opferschutz-Organisation Weißer Ring aber über den offiziellen Daten liegen. „Die Zahl der Anzeigen ist gering“, sagt sie. Statistisch gehe nur jedes zehnte Opfer zur Polizei.

Ein Grund sei, dass viele Frauen sich schämten und davon überzeugt seien, dass die Täter nicht gefasst werden. „Viele Opfer leiden still vor sich hin und erzählen selbst Angehörigen nicht davon“, so Weich. Das sei ein Fehler: „Ich rate dazu, jede Vergewaltigung anzuzeigen, denn Vergewaltiger sind meistens Wiederholungstäter.“

Mit Hilfe von DNA-Material sei es zudem möglich, Täter auch Jahre nach der Tat zu überführen. Nicht zuletzt würden Opfer bei der Polizei psychologisch betreut oder an Experten vermittelt: „Die Kölner Polizei ist sehr sensibel mit Vergewaltigungs-Opfern“, sagt Weich.

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