Das Innenstadt-Bad war wegen erheblicher Mängel im Januar 2026 geschlossen worden. Wie die Sanierung nun weitergeht, ist noch unklar.
Gravierendste Mängel behobenAgrippabad feiert Wiedereröffnung
„Wir haben es sehr vermisst und sind froh, wieder hier zu sein“, sagte Wilfried Sternecker am Rand des Solebeckens „Seit der Kindheit komme ich her. Es ist wie ein zweites Wohnzimmer.“ Mit Brigitte Ciringione, die zur selben Clique gehört, war er am Freitag ins Agrippabad gekommen, das am Morgen wiedereröffnet hatte. „Wir sind sehr dankbar“, sagte sie.
Gut ein halbes Jahr hatten beide auf den Besuch ihres Stammbads verzichten müssen, weil es geschlossen war. Er verbrachte in dieser Zeit einen Urlaub in der Türkei, sie wich gelegentlich ins Ossendorfbad aus, das ihr weit weniger gefiel: „Kein Vergleich!“

Brigitte Ciringione und Wilfried Sternecker freuen sich sehr über die Wiedereröffnung.
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Zu den Stammgästen zählen auch Hubert Felder und Kurt Offizier aus Deutz, die seit Jahren in der Regel am Donnerstag mit vier weiteren Männern ins Agrippabad kommen „Endlich ist es wieder offen“, freute sich Felder. Davor hatten die Freunde mit dem Leverkusener Freizeitbad Calevornia vorliebgenommen. „Ziemlich voll“ sei es dort gewesen, sagte Offizier.
Davon konnte an diesem Vormittag im Agrippabad, vor dem Schulschluss am Beginn der Sommerferien, keine Rede sein, auch wenn in sämtlichen Becken im Innen- und Außenbereich Gäste zu sehen waren. Am frühen Morgen sei der Andrang groß gewesen, sagte Schichtleiter Thomas Meyer. Schon um sechs Uhr, eine halbe Stunde vor der Eröffnung, hätten viele Frühschimmer wartend vor der Tür gestanden.
Bad war wegen zahlreichen Schäden geschlossen worden
Im Foyer, das sich dann rasch füllte, wurden sie von Badleiterin Denise Hamböcker begrüßt. Alle Anlagen stehen wieder zur Verfügung, vom 25-Meter-Sportbecken und dem Vier-Jahreszeiten-Außenbecken mit Strömungskanal über den Sprungturm, die 130 Meter lange Röhren-Wasserrutsche und das Solebecken bis zur Saunalandschaft und dem Fitnessbereich AquaFit.

Aktuell sind alle Anlagen des Bads wieder nutzbar.
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Am 1. Januar dieses Jahres war das Traditionsbad aus den 50er-Jahren geschlossen worden, weil es zahlreiche Schäden aufwies, besonders in den Bereichen, die bei der Modernisierung von 1998 bis 2000 neu gebaut worden waren, darunter die gläserne Schrägfassade. Bei der Detailplanung der Sanierung im vorigen Jahr hatte sich herausgestellt, dass die Mängel größer waren als anfangs angenommen. Für eine umfassende Begutachtung wurde das Bad geschlossen.
Gravierendste Mängel sind behoben
In dem halben Jahr, das folgte, wurden außerdem die gravierendsten Mängel behoben. Dazu gehörte, die Haltepunkte an der Schrägfassade zu verkleben, um sie vor Korrosion zu schützen, und Streben am Dach zu erneuern. Dies sei die Voraussetzung dafür gewesen, eine Betriebserlaubnis zu bekommen, sagte Bäder-Sprecherin Judith Jussenhofen. Die Vereine würden ebenso wie die Schulen ins Agrippabad zurückkehren.
Ursprünglich sollte die Einrichtung, die mit jährlich rund 420 000 Besuchern und Besucherinnen das meistfrequentierte Schwimmbad Kölns ist, schon am 1. Juli wiedereröffnen. Doch im Verlauf der Arbeiten sei es zu Verzögerungen gekommen, teilen die Kölnbäder mit. Ein Grund sei die „angespannte Situation“ von Firmen, die auf Schwimmbadbau spezialisiert sind. „Teilweise konnten zugesagte Leistungen nicht wie geplant umgesetzt werden.“
Die Verschiebung der Eröffnung „bedauern wir sehr“, so Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der Kölnbäder. „Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir den Kölnerinnen und Kölnern das Bad nun noch im Sommer wieder zur Verfügung stellen können.“
Verschiedene Szenarien der Sanierung stehen im Raum
Es ist Betrieb auf Widerruf, denn wegen erheblicher weiterer Mängel, etwa Betonschäden, ist eine Generalsanierung nötig. Wann sie beginnt, ist unklar. „Wir schätzen in zwei bis drei Jahren“, sagte Jussenhofen am Freitag. Den Kölnbädern liegen Berichte von Gutachtern mit verschiedenen Szenarien der Sanierung vor.
Dem Vernehmen nach steht ein Abriss und Neubau nicht zur Debatte. Einerseits, weil Teile des Gebäudes unter Denkmalschutz stehen, andererseits, weil fraglich sei, ob man heutzutage noch eine Baugenehmigung für ein Schwimmbad in der Innenstadt bekomme.
Von Seiten der Kölnbäder heißt es: „Wie die langfristige Zukunft des Standorts konkret aussehen wird, ist derzeit noch offen. Ebenso, wie eine umfassende Sanierung umgesetzt wird, ist derzeit Gegenstand weiterer Abstimmungen mit den Gesellschaftern. Eine abschließende Entscheidung liegt aktuell nicht vor.“ Die Stadt will sich für die Instandsetzung des Bads um Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder 2026“ bewerben.
In einer dafür angefertigten Skizze ist von Projektkosten in Höhe von circa 20 Millionen Euro die Rede. Daran würden sich die Kölnbäder mit 16,4 Millionen beteiligen, sodass sich die „zuwendungsfähigen Gesamtkosten“ auf 3,6 Mio. Euro verringern würden. Davon sollen 1,62 Millionen Euro, also 45 Prozent, vom Bund und der Rest von der Stadt finanziert werden.
Am Freitag war auch Sebastian Zimmermann mit seiner kleinen Tochter gekommen, die er im Babybecken planschen ließ. Er hatte von der Wiedereröffnung erfahren und wollte sich das Bad, in dem er noch nie gewesen war, einmal ansehen. Sein Eindruck: „Ein tolles Angebot.“ Die Schwimmhalle war belebend erfüllt von Wasserplätschern. „Ein schönes Geräusch“, sagte Judith Jussenhofen. Die Stille während des halben Jahrs zuvor sei „befremdlich“ gewesen. Schichtleiter Meyer sagte: „Es war wie ein Lost Place.“
