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Sanierung oder Neubau?Wie es mit dem Kölner Agrippabad weitergeht

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Das Agrippabad in Köln aus der Luft gesehen.

Das Agrippabad öffnet am 17. Juli wieder. In einigen Jahren steht eine Generalsanierung an.

Nachdem einige Mängel im Agrippabad behoben wurden, können die Kölner das beliebte Schwimmbad vorerst wieder nutzen. In ein paar Jahren steht aber noch eine Generalsanierung an.

Es war eine gute Nachricht für alle Schwimmbadnutzer in Köln: Nach mehr als sechs Monaten Schließung wird das Agrippabad in der Innenstadt am 17. Juli temporär wieder geöffnet (wir berichteten). Doch damit sind die Probleme noch lange nicht gelöst. Das Flaggschiff der Kölnbäder ist marode und muss umfassend saniert oder in Teilen neugebaut werden. Fragen und Antworten.

Worauf können sich Besucher freuen?

Ab 17. Juli – pünktlich zum Beginn der Sommerferien – steht das Agrippabad der Öffentlichkeit wieder vollständig zur Verfügung, inklusive Sportbecken, Sprungturm, Rutsche, Vier-Jahreszeiten-Becken, Solebecken, Sauna und dem Fitnessbereich AgrippaFit. Ursprünglich sollte das Bad bereits am 1. Juli wieder öffnen. Der Termin musste jedoch verschoben werden, weil sich die Bauarbeiten verzögerten. Auch Schulen und Vereine werden künftig wieder Schwimmzeiten im Agrippabad nutzen können.

Warum war das Agrippabad so lange geschlossen?

Das Traditionsbad aus den 50er-Jahren weist zahlreiche Schäden auf. Sie betreffen insbesondere die Bereiche, die bei der Modernisierung vor 27 Jahren neu gebaut wurden, darunter die gläserne Schrägfassade. Bei der Detailplanung der Sanierung stellte sich 2025 heraus, dass die Mängel viel größer sind als gedacht. Um eine Grundlage für weitere Entscheidungen zu haben, wurde das Bad ab 1. Januar 2026 für eine umfassende Begutachtung geschlossen. Zudem wurden die drängendsten Mängel behoben. Badegäste reagierten teils irritiert, dass das Bad für sechs Monate dicht gemacht wurde, ohne dass die eigentliche Sanierung in Angriff genommen wurde.

Was zeichnet das heutige Bad aus?

Mit rund 420.000 Besuchern pro Jahr ist das Agrippabad an der Kämmergasse 1 das am stärksten frequentierte Schwimmbad Kölns. Es wurde 1958 errichtet. Aus dieser Zeit stammen der denkmalgeschützte Sprungturm und der Eingangsbereich mit dem für die Zeit typischen Treppenaufgang in den Sauna- und Fitnessbereich. Auch der angrenzende Verwaltungsturm steht unter Denkmalschutz. 1998 bis 2000 wurde das Bad generalsaniert, aus dem Schwimmbad wurde ein Kombi- und Freizeitbad mit Außenbecken. Kosten damals: 27 Millionen Euro. Nun sind es genau diese Ein- und Aufbauten, die marode sind. „Die Sanierung war eine Katastrophe“, heißt es.

Der Altbau des Agrippabads von 1958.

Der Altbaubereich des Agrippabads von 1958 ist denkmalgeschützt.

Wo liegen die Probleme?

Unter anderem sind offenbar minderwertige Metallhalterungen für die Glasplatten der 1200 Quadratmeter großen Schrägfassade verbaut worden. Schon im Dezember hatte Bäder-Chefin Claudia Heckmann mitgeteilt, dass der Sanierungsbedarf groß ist. Da man Korrosion an den Stahlträgern festgestellt habe, müssten auch Arbeiten am Dach vorgenommen werden. Hinzu kommt, dass Wasser aus den Schwimmbecken in Kellerräume lief. Außerdem muss die komplette Technik erneuert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden.

Welche Bauarbeiten wurden während der Schließung ausgeführt?

„Für die Wiedereröffnung des Agrippabads wurden die notwendigen baulichen Maßnahmen, unter anderem an Dach und Schrägfassade, umgesetzt. So war zum Beispiel die Verklebung der Haltepunkte an der Schrägfassade eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Betriebs“, erklärt Bäder-Sprecherin Judith Jussenhofen auf Anfrage. Die Haltepunkte, die die Glasscheiben verbinden, habe man verkleben lassen, um sie vor Korrosion zu schützen.

Was kam bei den vertieften Untersuchungen heraus?

Die zuvor bekannten Schäden, etwa durch Korrosion, wurden genauer betrachtet – insbesondere im Hinblick auf die Frage, wie die Mängel am besten behoben werden können. Inzwischen liegen den Kölnbädern Berichte der Gutachter vor, in denen verschiedene Szenarien für eine Sanierung dargelegt und mit Zeitplänen und Kostenschätzungen versehen werden.

Wie könnte das Bad saniert werden?

Dem Vernehmen nach steht ein Abriss und Neubau nicht zur Debatte. Zum einen, weil Teile des Bads denkmalgeschützt sind. Zum anderen, weil fraglich sei, ob man heutzutage in der Innenstadt überhaupt noch eine Baugenehmigung für ein Schwimmbad bekomme. Es gehe jetzt darum, wie man eine möglichst effiziente Sanierung gestalten könne. Bevorzugt werde eine Sanierung aus einem Guss, die dem Bad eine lange Lebensdauer verleiht, aber bezahlbar ist.

2018 hatten die Bäder für die Neugestaltung des Sauna- und Fitnessbereiches und die Fassadensanierung 22,3 Millionen Euro vorgesehen. Diese Kosten werden inzwischen auf knapp 40 Millionen Euro veranschlagt. Und da ist die marode Technik noch gar nicht eingerechnet.

Wie geht es weiter?

„Wie die langfristige Zukunft des Standorts konkret aussehen wird, ist derzeit noch offen. Ebenso wie eine umfassende Sanierung umgesetzt wird, ist Gegenstand weiterer Abstimmungen mit den Gesellschaftern. Eine abschließende Entscheidung hierzu liegt aktuell noch nicht vor“, erläutert Bäder-Sprecherin Jussenhofen.

Die Stadtwerke Köln, zu denen die Kölnbäder gehören, haben sich Ende Mai trotz ihrer Finanzprobleme dazu bekannt, das Agrippabad langfristig zu erhalten. Das setzt massive Investitionen voraus. Für welche Sanierungsvariante man sich entscheiden wird, ist Thema in den Aufsichtsräten. Das letzte Wort hat der Stadtrat, seine nächste Sitzung findet am 2. Juli statt. „Die Kölnbäder haben alle nötigen Unterlagen zur Sanierung des Agrippabads vorgelegt. Nun arbeiten die Gremien“, so die Bäder-Sprecherin.

Wie lange wird das Agrippabad bis zur Sanierung geöffnet sein?

Voraussichtlich wird es noch einige Jahre dauern, bis die Generalsanierung beginnt. Jussenhofen betont: „Über die Dauer der temporären Wiedereröffnung können wir zum aktuellen Zeitpunkt keine belastbaren Aussagen treffen, gehen aber von mehreren Jahren aus.“

Was sagen Schwimmvereine zu den Plänen?

Planungssicherheit forderte Wolfgang Engel, zweiter Vorsitzender der Freien Wassersportvereinigung Köln. Engel hatte die Ankündigung der Wiedereröffnung zwar mitbekommen, aber bis Dienstagmittag keine offizielle Information der Bäder erhalten, was das für seinen Verein bedeutet. Die Wassersportvereinigung hatte bis zur vorübergehenden Schließung im Agrippabad trainiert, wich dann auf andere Bäder aus. Für Engel stellen sich Fragen: Kehrt der Verein wieder zurück ins Agrippabad? Wenn ja, wann und wie lange? Oder bleibt er in den anderen Bädern? Engel sagte: „So kurz vor den Sommerferien wird das für uns erstmal nichts heißen. Auf die Schnelle ist es für uns nicht leistbar, einfach wieder zurückzukehren.“