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Plan gegen Schulnotstand13 neue Gesamtschulen und acht neue Gymnasien für Köln

Lesezeit 4 Minuten
Am Wasseramselweg in Vogelsang entsteht eine neue Gesamtschule.

Am Wasseramselweg in Vogelsang entsteht eine neue Gesamtschule.

Köln – Mit der Neugründung von 13 Gesamtschulen und acht Gymnasien will die Stadt dem Schulnotstand begegnen. Die Verwaltung hat ihren Schulentwicklungsplan überarbeitet und damit einige neue und überraschende Projekte benannt, über die bislang noch nicht debattiert wurde. So wird sie nicht nur mit dem Erzbistum beim Aufbau eines Bildungscampus in Kalk kooperieren.

Auch die Synagogengemeinde möchte eine eigene weiterführende Schule eröffnen. In der Neuehrenfelder Overbeckstraße soll ein jüdisches Gymnasium entstehen, das offen für Schüler anderer Glaubensrichtungen sein soll. Die beiden neuen Privatschulen sind Teil eines großen Maßnahmenpakets, das nun in den politischen Gremien beraten wird. Neben der Planung für Hunderte neue Grundschulplätze will der Schulentwicklungsplan die Richtung beim weiterführenden Schulangebot vorgeben:

Haupt- und Realschulen bekommen Bestandsgarantie

Neu ist auch das Bekenntnis der Stadt zum vielgliedrigen Schulsystem. Hatte die Verwaltung noch vor zwei Jahren den Weg zu einem zweigliedrigen Angebot beschrieben, bei dem es nach den Grundschulen im Grunde nur noch Gesamtschulen und Gymnasien geben sollte, bekommen nun die noch existierenden Real- und Hauptschulen eine weitgehende Bestandsgarantie. Bei einzelnen Realschulen ist nun gar von Erweiterungen die Rede. Aufgelöst werden vorerst nur zwei Realschulen in Sülz und Müngersdorf, die damit den Weg zur Gründung der ersten Gesamtschule im Stadtbezirk Lindenthal frei machen.

Zwei neue Gesamtschulen sollen bereits 2019 starten

Die neue Sülz-Müngersdorfer Gesamtschule soll zum nächsten Schuljahr Fünfklässler aufnehmen. Im Blitztempo könnte auch in Dellbrück eine neue Gesamtschule entstehen. Dazu soll die Dependance der Höhenhauser Willy-Brandt-Gesamtschule am Dellbrücker Mauspfad in eine eigenständige Schule umgewandelt werden. Auch dieser Plan ist – zumindest auf Verwaltungsebene – neu. Vor Ort wird das bereits seit längerem gefordert.

Standortsuche für große Gesamtschulen

Für die vier großen Neubaugebiete Rondorf-Nordwest, Kreuzfeld, Zündorf-Süd und Mülheim-Süd ist der Bau jeweils einer Gesamtschule vorgesehen. Der Bedarf nach Schulplätzen, der durch den Umbau des Deutzer Hafens entsteht, soll durch einen Neubau in der Straße „Im Hasental“ neben der dort weiter existierenden Realschule gedeckt werden. Weitere Bauplätze wurden in den Stadtteilen Weidenpesch, Chorweiler, Kalk und Höhenberg ausgemacht.

Pläne für den Umgang mit immer mehr Schülern

Mit ihrem Schulentwicklungsplan beschreibt die zuständige Schulverwaltung ihre grundsätzlichen Überlegungen, aber auch konkrete Maßnahmen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden müssen. Jede einzelne Maßnahme muss von der Politik beschlossen werden. Die nun vor gelegte Aktualisierung listet insgesamt 162 Projekte auf.

Neubauten, Erweiterungen und vor allem eine Beschleunigung der Prozesse sind nötig, weil die Schülerzahlen drastisch steigen. Lag die Zahl der Erstklässler 2013 noch unter 9000, wird sie ab 2020 über 10.000 und ab 2022 sogar über 11.000 liegen. Weitere Herausforderungen: die Rückkehr der Gymnasien zu neun Schuljahren sowie neue Vorgaben des Landes für die Inklusion an Regelschulen. (fra)

Der Standort in Höhenberg ist ebenfalls neu: Der Stadt gehört ein ausreichend großes Grundstück an der Frankfurter Straße. Ein dort bestehender städtischer Bauhof soll dafür verlegt werden. Gesucht wird noch ein weiterer Gesamtschulstandort im Stadtbezirk Nippes. Dort ist zurzeit eine Fläche in Bilderstöckchen im Gespräch.

Umstrittene Vorschläge für Schulgründungen

Für politische Diskussionen dürfte sorgen, dass für das riesige Neubauprojekt Parkstadt-Süd keine Gesamtschule, sondern ein Gymnasium vorgeschlagen wird. Auch am bereits bekannten Standortvorschlag in Ossendorf wird Kritik geübt. Der Stadt würden vor allem Gesamtschulplätze fehlen, sagen die Kritiker.

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Die städtische Schulverwaltung verweist darauf, dass auch Gymnasialplätze nötig sind – nicht zuletzt deshalb, weil wahrscheinlich fast alle Gymnasien zur längeren Schulzeit bis zum Abitur zurückkehren würden. Unklar ist die Perspektive für Porz. Vor Ort wird ein Ausbau des Gesamtschulangebots gefordert. Die Stadt hat sich nicht klar festgelegt, tendiert offenbar eher zu einem neuen Gymnasium in Eil, Urbach oder Westhoven.

Gymnasien in Nippes, Widdersdorf und Humboldt-Gremberg

Bislang war das von der Stadt übernommene Gebäude der privaten Friedensschule in Widdersdorf als Interimslösung gedacht, bevor ein neues Gymnasium in Lövenich errichtet ist. Nun soll Widdersdorf dauerhaft ein eigenes Gymnasium bekommen. Eine weitere Neugründung ist an der Poll-Vingster-Straße in Humboldt-Gremberg geplant. Auch in Nippes soll ein weiteres Gymnasium gebaut werden. Allerdings fehlt da noch jede Idee für einen Standort.

Regionale Kooperation mit Pulheim ist geplatzt

Es war als Zukunftsmodell geplant, um als Region gemeinsam mit dem Bevölkerungswachstum umzugehen. Köln wollte mit Pulheim vertraglich regeln, dass an den Schulen des Schulzentrums Brauweiler dauerhaft Plätze für Kölner Kinder angeboten werden. Nach langen Verhandlungen habe Pulheim nun mitgeteilt, nicht mehr an einem Vertragsabschluss interessiert zu sein, so die Stadt.

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