Abo

Angeklagt wegen „Terrorpropaganda“Kölnerin Gönül Örs muss keine Fußfessel mehr tragen

2 min
Istanbul

(Symbolbild)

Köln – Die Kölnerin Gönül Örs, angeklagt wegen vermeintlicher Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, ist am Dienstag von einem türkischen Gericht aus dem Hausarrest entlassen worden. Ihre Anwältin Ayse Celik sagte der Nachrichtenagentur dpa, Örs dürfe die Türkei weiterhin nicht verlassen, müsse aber keine elektronische Fußfessel mehr tragen.

Gönül Örs

Örs war im Mai 2019 festgenommen worden, als sie in der Türkei ihre Mutter, die Kölner Sängerin Hozan Canê, in der Haft besuchen wollte. Örs hatte zunächst eine Ausreisesperre erhalten, bevor sie drei Monate in Untersuchungshaft saß. Im Dezember 2019 wurde sie entlassen, seitdem stand sie unter Hausarrest und lebte bei einem Onkel im westtürkischen Manisa.

Anklage nach Protestaktion

Angeklagt wurde Örs wegen einer Protestaktion auf einem Schiff in Köln. Die Ermittlungen in Köln waren umgehend eingestellt worden. Stadtrat Jörg Detjen, der jüngst eine Solidaritätsaktion mit sämtlichen Kölner Bundestagsabgeordneten und Oberbürgermeisterin Henriette Reker für Örs initiiert hatte, sagte nach einem Telefonat, Örs sei „erst einmal erleichtert“.

Sie werde nun bei Verwandten in Izmir leben. Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, hofft auf eine baldige Rückkehr von Örs und ihrer Mutter nach Köln. „Ich erwarte, dass die Sperre aufgehoben wird und auch ihre Mutter Hozan Canê aus der Haft entlassen wird. Sie ist in dem türkischen Gefängnis einem unnötigen Risiko einer Covid-19-Infektion ausgesetzt. Des Weiteren muss es schnell eine Lösung für alle deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger geben, die in der Türkei inhaftiert bzw. mit einer Ausreisesperre belegt sind.“