Zwei Dinge bleiben der Stadt noch: konsequent gegen Zweckentfremdung und Leerstand vorgehen und den Turbo bei den Baugenehmigungen zünden.
Kommentar zu Mietpreisen in KölnDie Zitrone ist noch lange nicht ausgequetscht

So soll das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Siemens-Gelände in Ehrenfeld mal aussehen. Wer dort zur Miete wohnen will, muss mit Kaltmieten zwischen 20 und 25 Euro pro Quadratmeter rechnen.
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Die Möglichkeiten einer Stadtverwaltung, auf die trotz Preisbremse stetig steigenden Mieten Einfluss zu nehmen, sind äußerst begrenzt, zumal unseriöse Vermieter immer neue Methoden ersinnen, um sie auszuhebeln. Befristetes Wohnen auf Zeit zählt dazu, möblierter Wohnraum ebenfalls. Bis die neuesten Tricks die Bundespolitik erreichen und, wenn überhaupt, zu verschärften Regelungen führen, können Jahre ins Land ziehen.
Das Ergebnis sieht man in Köln. Ein Drittel aller Mietwohnungen wird inzwischen befristet oder möbliert vermietet. Zehn Jahre nach Einführung der Mietpreisbremse. So schnell lässt sich in den Metropolen eine Bremse zum Turbo umbauen und auf Vollgas programmieren. Bis der Markt kippt. Davon ist Köln bei einer durchschnittlichen Netto-Kaltmiete von 15,67 Euro pro Quadratmeter weit entfernt, aber holt auf. Mit einer Mietsteigerung von 4,9 Prozent lag die Stadt im vergangenen Jahr deutschlandweit vorn. Das zeigt: Die Zitrone ist noch lange nicht ausgequetscht.
Im Vergleich dazu tuckert der im März vom Stadtrat beschlossene Bauturbo, der bis 2030 befristete Sonderregelungen für schnellere Baugenehmigungen verspricht, gemächlich wie ein Zwei-Takter, weil aus neuen Genehmigungen nicht automatisch neue Wohnungen entstehen. Wäre das so, müsste es in Köln schon 10.000 geben. Fakt ist: Im vergangenen Jahr waren es netto 1547, weil neben den 1819 neuen natürlich auch einige wegfallen. Wenn überhaupt neu gebaut wird, wie es aktuell auf dem ehemaligen Siemens-Gelände in Ehrenfeld geplant ist, liegt die Kaltmiete zwischen 20 und 25 Euro pro Quadratmeter.
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Was kann Köln tun? Weil jede einzelne Mietwohnung zählt, die dem Markt entzogen wird, muss die Stadt noch konsequenter gegen Zweckentfremdung und Leerstand vorgehen. Bei Airbnb ist ihr das in der Vergangenheit durch den Einsatz von mehr Personal durchaus gelungen.
Ja. Die Stadt muss sparen. Die desaströse Haushaltslage zwingt sie dazu. Aber bei aller Aufgabenkritik muss es auch Bereiche geben, für die das nicht gilt. Der Kampf um mehr Wohnraum gehört dazu. Weil es für Köln äußerst bedenklich ist, wenn sich vor allem Familien zwischen 30 und 50 Jahren abwenden, weil sie sich die Stadt nicht mehr leisten können. Und wenn ein Leerstands-Fahnder in Köln erst monatelang für sich selbst auf die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung gehen muss, kann er auch gleich Makler werden.