Köln/Leverkusen – Nach der Explosion bei Currenta im Chempark Leverkusen am 27. Juli wurden bei 55 von 460 Einsatz- und Rettungskräften jetzt gefährliche Stoffe im Blut nachgewiesen. Die festgestellte Belastung sei allerdings „sehr gering“, teilte Prof. Hans Drexler mit, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Currenta hatte die Ergebnisse am Donnerstag selbst öffentlich gemacht.
Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ befinden sich unter den 55 Betroffenen auch ein Kriminalbeamter und eine Kriminalbeamtin der Kölner Polizei. Bei beiden ist die Aceton-Konzentration im Blut erhöht. Aceton ist ein Lösungsmittel, das in hoher Dosis die Atemwege reizen und die Leber schädigen kann. Die Werte der Beamtin und des Beamten lägen nur „geringfügig“ über der Norm, teilte Polizeisprecher Wolfgang Baldes auf Anfrage mit. Die Mitarbeiter seien dienstfähig und fühlten sich nicht beeinträchtigt.
Polizei nimmt Vorfall "sehr ernst"
Die Polizei Köln nehme den Vorfall „dennoch sehr ernst“ und setze sich nun mit allen im Chempark eingesetzten Polizeikräften in Verbindung, um sie aufzuklären und zu informieren. „Zusätzlich werden den am Chempark eingesetzten Kräften Hilfsangebote unterbreitet und die Möglichkeit eingeräumt, beim Polizeiärztlichen Dienst Blutuntersuchungen und weitere Tests durchführen zu lassen“, sagte Baldes.
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Insgesamt waren ungefähr zehn Beamtinnen und Beamte der Kommissariate 11 (Todesermittlungen) und 15 (Brandermittlungen) nach der Explosion und dem Brand im Einsatz. Es sei von Beginn an darauf hingewiesen worden, dass es sich bei dem Brandobjekt um eine Sondermüllverbrennungsanlage handele, sagte Baldes. "Gefahrstoffe konnten nicht ausgeschlossen werden, daher hielten sich die eingesetzten Polizeibeamten am ersten Tag nur in dem von der Werksfeuerwehr definierten Bereichen auf."
Ermittler trugen spezielle Schutzkleidung
Wie es dennoch zu den erhöhten Blutwerten kommen konnte, ist unklar. Innerhalb des als kritisch definierten Bereichs rund um den Schadensort hätten die Polizisten Schutzkleidung getragen, die Currenta zur Verfügung gestellt hatte. "Die Schutzkleidung wurde sofort entsorgt, sobald der kritische Bereich verlassen wurde, zum Teil mehrmals täglich", berichtete Baldes.
Die Polyklinik im Chempark hatte an jedem Einsatztag Urinproben aller Einsatzkräfte entgegengenommen und untersucht. Zusätzlich wurde in den ersten Einsatztagen einmalig eine Blutprobe entnommen und untersucht. Insgesamt habe es rund 23.000 Untersuchungen gegeben, teilte Currenta mit. Die 55 Personen hätten Konzentrationen aufgewiesen, die nahe oder oberhalb der zulässigen arbeitsmedizinischen Grenzwerte lagen.
Verschiedene Stoffe im Blut festgestellt
In vier Proben seien Konzentrationen des Lösungsmittels Aceton nachgewiesen worden. 13 Proben hätten Kresolwerte im Warnbereich oder darüber aufgewiesen. Das bedeute: Der kritische Grenzwert wurde zu mindestens 75 Prozent erreicht. Die Lösungsmittel 1-Propanol und 2-Propanol seien ebenfalls in 13 Proben gefunden worden, zwölf hätten Konzentrationen so genannter Polycyclischer aromatischer Kohlenwasserstoffe im Warnbereich oder darüber enthalten. Bei 18 Proben seien zudem Benzol-Konzentrationen festgestellt worden. Dieser Stoff ist auf die Dauer krebserregend.
Prof. Hans Drexler ordnete die Befunde so ein: „Im Vergleich zu am Arbeitsplatz üblicherweise vorliegenden Belastungen sind die gefunden Werte natürlich hoch. Da es sich aber um ein einmaliges Ereignis gehandelt hat, sind die Befunde anders zu bewerten." Denn die vom Ausschuss für Gefahrstoffe erarbeiteten Grenzwerte basierten auf einer dauerhaften Exposition über das gesamte Arbeitsleben. Alle Einsatzkräfte seien von Currenta über ihre Ergebnisse informiert worden. Probanden mit erhöhten Werten seien ergänzende medizinische Beratungen sowie Folgeuntersuchungen angeboten worden, hieß es am Donnerstag.



