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Empörung in Köln-MüngersdorfBagger machen fast 200 Jahre altes Haus platt

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Lövenicher Weg-Abbruch

Ein Bagger riss das fast 200 Jahre alte Haus an der Ecke Lövenicher Weg 2, Belvedere Straße ab

Köln-Lindenthal  – Zuletzt hatten Viertelsbewohner Kerzen vor der Haustür aufgestellt und eine Mahnwache veranstaltet. Trotzdem wurde das im Jahr 1836 erbaute kleine Häuschen an der Ecke Lövenicher Weg 2, Belvedere Straße, nun abgerissen – zum Ärger des Bürgervereins Müngersdorf und der Bezirkspolitik Lindenthal.

Beide hatten darauf hingewiesen, dass es sich um das drittälteste Haus im Viertel handele, welches seinen alten Ortskern entscheidend mitpräge und deswegen durch die Erhaltungssatzung Müngersdorf geschützt sei. Die Stadt hatte die Satzung im Jahr 1988 mit dem Ziel verabschiedet, die ortstypische dörfliche Bebauung zu erhalten.

Das Haus am Lövenicher Weg stand lange unter Denkmalschutz bis spätere Eigentümer bauliche Veränderungen vornehmen, beispielsweise sein Fachwerk verputzten und die zweiflügeligen Sprossenfenster durch einflügelige Fenster mit Edelstahlrahmen ersetzen ließen.

Bürger gegen die Stadtverwaltung

Aus Sicht der Bürger hätte es aufgrund der Erhaltungssatzung und der Bedeutung für das Erscheinungsbild des Veedelskerns aber dennoch nicht abgerissen werden dürfen. Die Baugenehmigung für das neue vierstöckige Gebäude hätte versagt werden müssen, meinen sie. Die Stadtverwaltung hatte demgegenüber damit argumentiert, dass der Neubau sich in das Ortsbild einfüge: Das Gebäude würde mit einem Mansardendach gebaut, also einem geneigten Dach wie es die Nachbarhäuser aufweisen und die Bautiefe der angrenzenden Wohngebäude übernehmen.

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Auch die Fassade, die Aufteilung und Größe der Fenster solle den Nachbarhäusern angepasst werden. Die Bezirksvertretung Lindenthal hält diese Bewertung allerdings für falsch und hatte daher in der vergangenen Sitzung Einsicht in die Bauakte beim Stadtplanungsamt beantragt.

Auch Politiker sind verärgert 

„Das Amt tritt den Geist der Satzung mit den Füßen“, hatte der Müngersdorfer Bezirksvertreter Roland Schüler kritisiert. Die Politik ärgert sich, dass sie und der Bürgerverein nicht rechtzeitig über das Vorhaben und das im Vorfeld der Baugenehmigung erstellte Gutachten informiert wurden. Bevor die Politiker sich anhand der Akten ein Bild über den Vorgang machen konnten, rollten nun bereits die Bagger an und machten dem Haus den Garaus, für das die Müngersdorfer sich eine andere Zukunft gewünscht hatten.

„Es hätte mit wenig Aufwand wieder zu einem Kleinod werden können“, so schreibt Roland Schüler in einer Pressemitteilung der Lindenthaler Grünen. Er äußert harsche Kritik. Der Stadtkonservator habe sich für das Landarbeiterhaus, das neben dem Fachwerk auch eine Kölner Decke, also eine typische Konstruktion aus Deckenbalken und Dielen aufwies, einsetzen müssen. Weil dies unterblieb, möchten die Politiker nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen.

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