Lindenthal/Sülz – Der Unfall schockte den ganzen Stadtbezirk: Eine 27-jährige Frau verstarb Mitte Januar, nachdem sie beim Überqueren des Fußgängerübergangs auf der Höhe Wittekindstraße zur Haltestelle Arnulfstraße von einer Bahn der Stadtbahnlinie 18 überrollt wurde. Nach der Tragödie gab es in den sozialen Netzwerken Kritik an der Ampelschaltung. Bürger meldeten sich, die berichteten, dass die Ampel für Fußgänger oft Grün zeigt, während die Bahn fährt.
Die Bezirksvertretung Lindenthal hatte nun Susanne Rosenstein, Expertin für Ampelanlagen des Amts für Verkehrsmanagement, zu einer „aktuellen Stunde“ in ihre Sitzung eingeladen. Sie erläuterte die Arbeiten der Stadtverwaltung und die Funktionsweise der Anlagen genauer: „Wir erneuern seit vergangenem Jahr die Ampelanlagen auf der Luxemburger Straße“, sagte Rosenstein, „und zwar eine nach der anderen.“ Dabei müsse die jeweilige Ampelanlage ausgeschaltet werden. Stattdessen werde eine provisorische Baustellensignalisierung installiert.
„Diese erfüllt aber alle Sicherheitsvoraussetzungen“, betonte Rosenstein. „Sie läuft allerdings anders als die dauerhaft installierten Anlagen nicht verkehrsabhängig.“ Das sei auch gar nicht möglich, weil bei den Bauarbeiten auch die Verkabelungen erneuert würden. Daher seien die Baustellenampeln mit einer Festzeitschaltung versehen. „Die Ampeln schalten in zyklischen Abläufen“, so Rosenstein. Diese würden die Zeiten berücksichtigen, die die jeweiligen Verkehrsteilnehmer benötigen, um sicher über die Kreuzung zu gelangen, aber nicht den tatsächlichen Verkehr dort.
„Wenn niemand bei Rot läuft oder fährt, dann passiert auch nichts“
„Dadurch haben manchmal Fußgänger Rot, obwohl sie weit und breit keine Bahn sehen. Genauso bekommt aber auch der jeweilige KVB-Fahrer, der auf das Signal zufährt, anders als bei verkehrsabhängig geschalteten Ampeln, nicht automatisch eine Freigabe, also ein grünes Signal. „Er kann bei den Baustellensignalisierungen nicht wie sonst zumeist einfach ohne Halt durchfahren“, unterstrich Rosenstein. „Jeder Fahrer, der auf einer Linie unterwegs ist, auf deren Strecke es Baustellen gibt, wird vorher darüber informiert. Man kann immer nur appellieren, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten. Wenn niemand bei Rot läuft oder fährt, dann passiert auch nichts“, unterstrich Rosenstein.
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Es käme allerdings manchmal vor, dass eine Ampel für die Fußgänger bereits auf Grün springe, während die Bahn sich noch auf dem Überweg befinde. Die Schutzzeit berücksichtige nur den Zeitraum, den 15 Meter der Bahn brauchten, um den Überweg zu verlassen. „Aber man läuft auch nicht in ein großes Fahrzeug“, bemerkte Rosenstein. Früher habe man anders gerechnet. Das führe aber auch zu Problemen, wie die Ampelanlagen am Gürtel zeigten. Sie zeigten oft immer noch Rot, wenn die Bahn schon lange weg ist. Das verführe die Menschen ebenfalls, die Gleise trotz Rotsignal zu überqueren.
Änderungen geplant
Um zu vermeiden, dass es wieder zu Unfällen kommt, würden KVB und Stadtverwaltung künftig einiges ändern: Die Signale der Fußgängerampel an den Baustellen würden nun einen Durchmesser von 300 Zentimeter statt bisher 200 haben. Diese gäbe es bislang nur an den Signalen, die Rot-Dunkel schalten, würden aber nun auch bei der Rot-Grün-Schaltung der Baustellenampeln eingesetzt. Die KVB würde im Bereich der Baustellen Langsam-Fahrstellen einrichten, so dass die Fahrer dort besonders vorsichtig fahren müssten. Außerdem würden sie künftig auch im Fahrzeug vor der Baustelle noch einmal auf die Gefahrenzone an der nächsten Signalanlage hingewiesen.
Der Überweg sei nun komplett abgesperrt, bis die neue Ampelanlage installiert sei, weil die Polizei vor Ort festgestellt hätte, dass sich die Leute nicht an die Signalisierung halten. Wie es zu dem Unfall gekommen ist und ob ein Fußgänger oder der KVB-Fahrer das Rotsignal nicht beachtet hat, könne sie allerdings nicht sagen, das sei Teil der laufenden Ermittlungen.