Ein rotes Plakat unter dem Spitzdach der ehemaligen Nettofiliale an der Rhöndorfer Straße 4 verkündet die frohe Botschaft: „Hier entsteht neuer Wohnraum.“ Damit geht ein Wunsch vieler Wohnungssuchenden in Erfüllung – und der der Bezirksvertretung Lindenthal. Bereits vor Jahren hatte sie die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, inwieweit die Flächen des Einzelhandels und ihre Parkplätze an der Rhöndorfer Straße für zusätzlichen Wohnungsbau erschlossen werden können.
Nachdem Netto dort geschlossen hat, hat der Kölner Immobilieninvestor WVM das Grundstück erworben und wird dort nun 100 Eigentumswohnungen errichten. In der vergangenen Sitzung wurde der Bezirksvertretung Lindenthal die entsprechende Baugenehmigung zur Kenntnis vorgelegt.

Visualisierung zu dem Neubauvorhaben an der Rhöndorfer Straße in Köln-Sülz
Copyright: WVM
Ein bis fünf Zimmer mit Balkonen, Terrassen oder Garten
Auf dem knapp 3800 Quadratmeter großen Areal sollen die Wohnungen in drei miteinander verbundenen Baukörpern entstehen. Das Gebäudeensemble wird fünf Stockwerke inklusive Staffelgeschoss hoch sein. Die Wohneinheiten werden ein bis fünf Zimmer, Balkone, Terrassen oder private Gartenbereiche erhalten und 28 bis 139 Quadratmeter groß sein. Zudem wird eine Tiefgarage für 55 Autos gebaut und es werden 151 Fahrradstellplätze entstehen, 109 in der Tiefgarage und 42 im Innenhof. Für Lastenräder werden 16 überdachte Abstellmöglichkeiten geschaffen.
„Die Gebäude sind so konzipiert, dass sie sich zum Grundstücksinneren hin zu einem geschützten Innenhof öffnen“, schreibt Juliane Friedrich, Pressesprecherin des Immobilieninvestors. „Die derzeit vollversiegelte Außenfläche wird umfassend ökologisch aufgewertet.“ Geplant seien etwa neun neue Bäume, Sträucher, Wiesenflächen und Gründächer. 20 Prozent der Fläche würden entsiegelt und künftig als Grünfläche angelegt. Im privaten Innenhof soll ein Kinderspielplatz entstehen.
Die Wohngebäude sollen zudem möglichst nachhaltig mit Energie versorgt werden. So soll die Wärmeversorgung über Sole-Wasser-Wärmepumpen erfolgen. Auf den Dächern sollen Photovoltaik-Thermie-Module installiert werden. Die Wohneinheiten werden zwischen 200.000 und 1 Million Euro kosten und sollen Ende 2029 fertig sein.
Kein sozial geförderter Wohnraum
Erika Werres, Geschäftsführerin der WVM-Gruppe, betont die Bedeutung des Wohnungsbauprojektes: „Unser Ziel ist es, an einem attraktiven Standort zusätzlichen, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen“, schreibt sie.
Sozial geförderter und damit vergleichsweise günstiger Wohnraum wird dort allerdings nicht entstehen. Das Kooperative Baulandmodell, das Immobilienentwickler in Köln seit 2014 ab einem Bauvorhaben in der Größe von 1.800 Quadratmetern Wohnfläche, also etwa 20 Wohneinheiten, dazu verpflichtet, 30 Prozent geförderten Wohnraum zu errichten, kommt im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung. Friedrich erläutert den Grund: „Unser Vorhaben in der Rhöndorfer Straße wurde mehrfach in dezernatsübergreifenden Ämterrunden thematisiert und abschließend als Vorhaben beurteilt, das nach Paragraf 34 Baugesetzbuch zu entwickeln ist“, schreibt sie. Nach der Vorschrift ist ein Bauvorhaben innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Veränderungen einfügt. Ein Bebauungsplan muss dann nicht aufgestellt werden.
Ohne Bebauungsplan nur freiwilliger Sozialbau möglich
Eine Gemeinde darf nach den Vorschriften des Baugesetzbuches aber Leistungen, wie sozial geförderten Wohnraums, nur verlangen, wenn sie im Gegenzug durch einen solchen Plan überhaupt erst das Baurecht schafft, das den Wert eines Grundstücks steigert.
Die Bezirkspolitik begrüßt den Wohnungsneubau und kann nachvollziehen, dass dabei auf einen Bebauungsplan verzichtet wird: „Ein ordentliches Bebauungsplanverfahren dauert zwei bis drei Jahre und es kann zu weiteren Verzögerungen kommen“, sagt Bezirksbürgermeister Roland Schüler. Die Bezirksvertretung habe aber einen Wunsch: Der Investor könne doch freiwillig geförderte Wohnungen anbieten. Sie würden dringend gebraucht.


