Olga Witt möchte nach zehn Jahren ihren Unverpacktladen an der Ecke Berrenrather Straße/Ecke Neuenhöfer Allee in gute Hände abgeben.
Nach zehn Jahren„Tante Olga“ in Köln-Sülz sucht Nachfolger mit Power

Olga Witt steht in ihrem Unverpacktladen Tante Olga in Sülz.
Copyright: Susanne Esch
Menschen kommen mit Dosen oder Stoffsäckchen in der Hand oder Tasche. In dem kleinen Laden an der Ecke Berrenrather Straße/Neuenhöfer Allee werden ihre Behältnisse befüllt, mit Nudeln, Reis, Hülsenfrüchten, Kaffee, Tee, Gewürzen, Süßigkeiten oder anderen Dingen. Das alles wird bei „Tante Olga“ unverpackt verkauft. Auch ein breites Angebot an „Non-Food-Artikeln“, wie Kosmetik, gibt es in ihrem Unverpackt-Laden. Olga Witt, Inhaberin des Paradieses für „Zero-Waste-Fans“, also Menschen, die auf Müllvermeidung achten, oder solche, die einfach das Einkaufen wie bei Tante Emma mögen, gibt ihren Laden Ende September auf und sucht einen Nachfolger und eine Nachfolgerin.
Inhaberin fehlt die Kraft, den Laden in Köln-Sülz alleine weiter zu führen
Sie hofft, dass Tante Olga eine Zukunft hat, denn es handelt sich um ein Herzensprojekt, das sie vor zehn Jahren mit ihrem Ex-Mann und einer Partnerin eröffnet hat. Nun ist ihr allerdings die Kraft dafür ausgegangen: Witt stemmt den Laden seit ihrer Scheidung alleine. Die ehemalige Partnerin ist bereits während der Corona-Pandemie ausgestiegen. Witt hat noch zwei weitere Jobs, einen Online-Handel mit Artikeln ihrer Eigenmarke „Tante Olga“ und einen Großhandel. Zudem ist sie Mutter eines Kindes mit einer Behinderung: „An der Förderschule gibt es keine Ganztagsbetreuung“, schildert sie, „auch keine Ferienbetreuung. Freitags ist um 12 Uhr Schulschluss.“
Sie schaffe alles leider nicht mehr und so habe sie sich schweren Herzens dazu entschieden, ihren Laden in andere Hände zu geben: „Er benötigt eine Inhaberin oder einen Inhaber mit Power“, sagt Witt, „der oder die Kraft hat.“ Er biete viele Gestaltungsmöglichkeiten. Hinter dem bislang kleinen Verkaufsraum stehen dem Betreiber insgesamt 150 Quadratmeter zur Verfügung. Die Miete sei günstig, sagt Witt, denn die Ladenräume gehören einer Genossenschaft. „Ich möchte auch keinen Reibach mit der Übernahme machen“, betont Witt. Es könnten sich auch Interessenten melden, die glauben, sich die Übernahme nicht leisten zu können. Es würde sich sicherlich ein Weg finden.

Der kleine Eckladen Tante Olga an der Berrenrather Straße, Ecke Neuenhöfer Allee, ist seit Jahren ein gewohnter Anblick in Sülz.
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Sie möchte den Unverpackt-Laden für die Stammkundschaft erhalten, mit dem er seit Jahren zusammengewachsen ist: „Ich habe auch vor einem Jahr auf gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften umgestellt“, erzählt Witt. Sie als Inhaberin und ihre Kunden sowie Kundinnen würden sich eher als Gemeinschaft verstehen, die das Ziel verbindet, beim Einkauf, möglichst wenig Verpackungsmüll zu verursachen. Die Kundschaft greife ihr auch einmal unter die Arme, wenn etwas nicht glatt läuft, oder hole sich selbst ein Paket heraus.
Auch eine gewisse finanzielle Solidarität erleichtere das Wirtschaften. So können Kunden und Kundinnen einen monatlichen Solidarbeitrag in Höhe von mindestens 9 Euro entrichten und erhalten dafür Rabatt, wenn sie möchten. Manche würden darauf verzichten. Zudem gibt es die Möglichkeit, ein Guthaben einzurichten, so dass am Anfang des Monats ein fester Betrag abgebucht wird, für den der jeweilige Kunde oder die jeweilige Kundin dann auf jeden Fall einkauft. Das biete eine größere Sicherheit und führe zu einer Kundenbindung. „Es macht so aber einfach auch mehr Spaß“, sagt Witt. „Man spürt das große Engagement der Kundinnen und Kunden, die die Idee unterstützen.“ Sogar eine Tante-Olga-Signal-Gruppe würde existieren.
Grundsätzlich schätzt sie die Situation der Unverpackt-Läden aber als stabil ein. Durch die Corona-Pandemie und die Kriege habe das Engagement der krisenmüden Menschen zwar spürbar etwas abgenommen, aber der Tante-Emma-Laden um die Ecke, der in Sülz Tante Olga heißt, ist weiterhin eine wichtige Anlaufstelle. Die möchte Witt sehr gerne erhalten.
