Von Sülz nach AmerikaKölnerin landet mit eigener Mode auf US-Magazin-Cover

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Frau mit einem Strickpullover an einer Schaufensterpuppe und Strickmustern

Silke Ufer entwirft in ihrem Homeoffice Strickanleitungen und Strickmode.

Die Sülzerin Silke Ufer verfasst Strick-Anleitungen zum Umgang mit Nadel und Wolle. Mit ihrem Hobby hat sie es schon bis nach Amerika geschafft.

Bunte Wollknäuel leuchten in Kölner Ladenregalen. In den Vierteln öffnen immer mehr Wollgeschäfte. Handarbeiten ist wieder im Trend. Doch, wer sich einen Schal oder vielleicht sogar einen Pullover stricken möchte, muss erst einmal wissen, wie man die Maschen in die passende Form bringt.

Da hilft die Sülzerin Silke Ufer. In ihrer Wohnung an der Linzer Straße entwirft sie Stickanleitungen, fertigt die dazugehörenden Modelle, modelt selbst für die passenden Fotos – und ist fester Teil der Handarbeitscommunity, die sich digital auf Instagram, Facebook und tatsächlich auf Wollfestivals trifft. Zudem gibt sie Workshops.

Magazincover mit einer Frau, die eine okkafarbene Strickjacke trägt

Eine von Sike Ufer entworfene Strickjacke zierte bereits das Cover eines amerikanischen Online-Strickmagazins.

Derzeit sind zwei ihrer Kreationen auch im Schaufenster der Wollbox an der Sülzburgstraße zu sehen, zwei große von Ufer entworfene und gestrickte Dreieckstücher. Sie sollen Kunden zeigen, wie sie die schöne Wolle verwerten können. Denn eine ähnliche Frage stellte sich Silke Ufer vor rund 15 Jahren selbst.

Silke Ufer aus Köln-Sülz: Strickbegeisterung liegt in der Familie

Sie wollte Pulswärmer stricken, fand Garn, aber keine passende Anleitung. „Die Stulpen wären immer zu kurz geworden“, sagt Ufer, „zu weit, nicht der Armform angepasst.“ Sie entwarf also ein eigenes Paar. Schließlich hatte sie einige Handarbeitserfahrung.

„In meiner Familie wurde immer gestrickt“, erzählt die 49-Jährige. „Ich habe es bereits als Kind gelernt.“ Als ihr Sohn geboren wurde, strickte Ufer dann gerne Kinderkleidung. Als sie nun Kleidungsstücke für Erwachsene fertigen wollte, stellte sie fest, dass sie Vorlagen benötigte – und dass es sehr wenige davon gibt.

„Ich fand nur Strickanleitungen für Pullis aus ganz dicker Wolle“, schildert Ufer, „wollte aber aus dünnerem Garn Feinstrickpullover stricken.“ Ihre Mutter wies zwar noch kritisch darauf hin, dass das feinere Garn doch eher für Socken benutzt würde, doch Ufer wusste, was sie wollte, machte sich an die Arbeit, entwarf das gewünschte Oberteil und schrieb die Anleitung dazu.

Sülzerin hält alles in Anleitungen fest

Heute sind Strickstücke aus feinem Garn mit filigranen Mustern ihr Markenzeichen. Ufer hat ihren eigenen Stil gefunden und ihn in Anleitungen festgehalten. Das hatte einen einfachen Grund. „Wenn ich etwas stricke, dann möchte ich es ja vielleicht noch einmal machen“, erläutert sie. „Ich habe mir also zunächst Notizen für die Reproduktion gemacht.“

Das war für mich der Startschuss, ein Stück weiterzugehen.
Silke Ufer

2010 stieß sie auf die amerikanische Online-Strick-Community „Ravelry“, wo sie erste Anleitungen auf Englisch postete. Das spornte sie an, diese zu verbessern, schöne Fotos von den Ergebnissen zu machen. Irgendwann erfuhr sie in der Strickgemeinschaft, dass ein amerikanisches Online-Strick-Magazin eine Anleitung für eine Jacke suchte.

Das Magazin beschrieb, wie das Endprodukt aussehen sollte. Ufer wurde hellhörig: „Es klang genau nach meiner Strickjacke.“ Sie schickte dem Online-Medium die Anleitung. Die wurde prompt genommen. Ufers Jacke zierte das Cover der nächsten Magazin-Ausgabe. „Das war für mich der Startschuss, ein Stück weiterzugehen“, erinnert sich Ufer.

Magazin-Cover gab Startschuss für eigene Bücher

Sie begann, im Eigenverlag Bücher mit Strickanleitungen für ganze Kollektionen zu verfassen, inspiriert von der Natur: Unter dem Titel „Waldläufer“ erschienen Strickanleitungen für Kleidungsstücke in Grün- und Lilatönen, unter dem Namen „Wellenreiter“ solche für Kleidung in Farben von Meer und Strandlandschaften.

Das Anleitungsbuch „Gipfelstürmer“ enthält Strickanleitungen für eisgraue Tücher und Pullover. Auch ein Buch mit einer Herrenstrickkollektion hat sie verfasst, für das ihr Mann modelte. Mittlerweile bitten immer mehr Unternehmen Silke Ufer, Strickanleitungen für sie zu entwerfen.

Unlängst steuerte sie zwei Modelle für das Strickbuch „Landschaften auf den Socken“ des Stieber Verlags bei, pink leuchtende Rotklee- und braun-pink-gesprenkelte Moor-mit-Irrlichtern-Socken. Für die Firma Kremke Soul Wool entwarf sie fünf Anleitungen für ihre „Breeze Collection“, strickte die Modelle und erstellte Grafiken.

Ufer ist eigentlich Buchhalterin

So tüftelt Ufer, die hauptberuflich als Buchhalterin arbeitet, in ihrer Freizeit immer mehr Strickanleitungen zusammen, berechnet, wie viele Maschen sie für unterschiedliche Konfektionsgrößen benötigt. Trotzdem soll die kreative Arbeit eine Nebentätigkeit bleiben.

„Mein Beruf macht mir viel Spaß und ich habe nette Kollegen“, betont Ufer. „Wenn ich von dem Strickanleitungsdesign leben müsste, müssten Aufträge reinkommen und Rechnungen bezahlt werden. Unter diesem Druck möchte ich jedoch nicht arbeiten. Ich möchte, dass mein Rücken frei ist und ich kreativ sein darf, aber nicht muss.“

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