Die Besucherzahl der „Tafel“ ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für die Lebensmittel, die die Ehrenamtlichen einsammeln, wurde jetzt ein Lastenrad gespendet.
Tafel in Köln-SülzEin neues Lastenrad hilft, Lebensmittel einzusammeln

Thomas Wiesel, Katj Schauen und Peter Krücker mit dem neuen Lastenrad in der Kirche St. Karl.
Copyright: Susanne Esch
Mittwochnachmittags stehen Menschen an der Kirche St. Karl, Zülpicher Straße 275, Schlange. Dann wird im Kirchenraum frisches Obst und Gemüse verteilt, Backwaren, Fertiggerichte und alles, was sonst in den Supermärkten sowie Bäckereiketten übriggeblieben ist und normalerweise im Müll landen würde. Um seine große „Tafel“ zu betreiben, muss der Verein St. Karl, die Lebensmittel aber erst einmal vor dem Wegwerfen „retten.“ Ehrenamtliche müssen sie an verschiedenen Filialen abholen. Das wird nun viel leichter möglich sein - dank eines neues Lastenrads mit Elektroantrieb und riesigem Laderaum.
Eurorad und Cologne-Cargo-Bike ermöglichen die Spende
Die Firma Eurorad, ein großer Leasingrad-Anbieter, und das Lastenradgeschäft Cologne-Cargo-Bike haben es gespendet. Letzteres gehört zum katholischen Sozialverband In Via, der sich für Chancengleichheit und soziale Teilhabe in der Stadt engagiert, auch im Hinblick auf Mobilität: Der Verband möchte auch Menschen, die nicht über ein großes finanzielles Budget verfügen, die Nutzung von Lastenrädern ermöglichen. Da passte es perfekt, einer Tafel bei dem Erwerb eines solchen Rades zu helfen: „Wir haben St. Karl umfassend beraten, den Kauf finanziell unterstützt und werden künftig die Wartung des Fahrzeugs übernehmen“, erläutert Geschäftsführerin Katja Schauen bei der Präsentation des Fahrzeugs.
Die Eurorad Deutschland GmbH sagte ebenfalls sofort als Co-Spenderin zu: „Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen ist ja bereits vorbildlich“, kommentiert Geschäftsführer Thomas Wiesel. „Das auch noch per Fahrrad nachhaltig zu tun, ist besonders schön.“ Bislang mussten sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter mit einem Sprinter durch die engen Sülzer Straßen schlängeln, wo sie zudem Schwierigkeiten hatten, an den Abholstellen Parkplätze zu finden.
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FC-Stiftung, Caritasverband und St. Karl gründeten Hilfsverein
Der Transportbedarf ist enorm, wenn der Verein „St. Karl - Kirche für Leib und Seele“ mittwochnachmittags und an den beiden geraden Samstagen im Monat rettet und verteilt. Er wurde vom Caritasverband, der Kirchengemeinde St. Karl und der Stiftung des 1. FC Köln gegründet. Vorstandsmitglied und Ex-Caritas-Direktor Peter Krücker erläutert seinen Zweck: Es ginge darum, eine Lebensmittelausgabe zu organisieren, aber auch darum, die schöne denkmalgeschützte Kirche wieder mit Leben zu füllen. So gibt es neben der Tafel eine Kleiderkammer und eine Ausgabe von gebrauchten Haushaltsgeräten. Mittwochs werden auch warme Mahlzeiten verteilt. In der Kirche finden zudem diverse spirituelle Angebote, Konzerte, Lesungen und Yoga statt. Besonders stark ist der Andrang allerdings bei der Tafel.
Monika Beckmann von der FC-Stiftung berichtete über ihre Entwicklung: „Wir haben mit vier Ehrenamtlichen und rund 50 Besuchern sowie Besucherinnen angefangen“, erzählt sie. „Heute kommen 500 und es helfen 150 Ehrenamtliche.“ Der Bedarf sei enorm gestiegen. Immer mehr Menschen seien auf die Unterstützung der Tafel angewiesen. Vor einiger Zeit habe eine Studie ermittelt, wie viele Menschen in dem bürgerlichen Viertel Sülz von sozialen Transferleistungen leben. „Das Ergebnis war erstaunlich“, so Beckmann. „Es sind sehr viele.“ Darunter seien Rentner, genauso wie Familien, aber auch Ärzte und Anwälte. „Es sind oft Schicksalsschläge, die Menschen in Not bringen“, so Beckmann.

