Wie das eigentlich bundesweit gewollte Museum Selma doch in Kalk entstehen kann, ist derzeit noch unklar. Domid-Sprecher Timo Glatz erklärt die schwierige Suche nach Fördermitteln.
Migrationsmuseum Selma in KölnDomid hatte schon günstigsten Entwurf gewählt

Halle 70: In der Industriehalle der stillgelegten KHD-Werke in Köln-Kalk
Copyright: Domid-Archiv Köln
Die Bezirksregierung Köln hat auf Anfrage bestätigt, dass für einen neuen Standort des Museums Selma ein erneutes Vergabeverfahren erforderlich sei. Weil sich diese Einschätzung bereits andeutete, will der Trägerverein Domid das ambitionierte Projekt Migrationsmuseum doch wie ursprünglich geplant in den Hallen Kalk umsetzen (wir berichteten). Wie das gehen soll, ist noch unklar.
Zuvor hatte Domid-Sprecher Timo Glatz der Redaktion gesagt: „Ohne eine massive Kürzung unseres Programms und Einschränkung unseres Museumspotenzials wäre es nicht gegangen.“ Und: „An der Sanierung kann kein bisschen gekürzt werden. Mehr als die Hälfte der Fördermittel wären nur in die Sanierung geflossen, die ja die Bedingung für das Selma in Kalk ist.“
Alternative Finanzierung von Museum Selma laut Domid nicht machbar
Um den Entwurf des Atelier Brückner in seiner Gänze umzusetzen, sind jedoch noch 33 Millionen Euro zusätzlich nötig – das ursprüngliche Budget von 44 Millionen Euro reicht nicht. Grund sind eine Verteuerung der Baukosten seit 2020 und der Zustand der Hallen Kalk, der schlechter ist als angenommen.
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Immer wieder wurde in der Standort-Debatte die Kritik laut, Domid habe sich möglicherweise zu wenig um alternative Finanzierungen bemüht: Diese wehrt Sprecher Glatz entschieden ab. Das Domid habe zu diesem Zweck sogar eine Stelle für Fundraising eingerichtet.
„Wir haben letztes Jahr viele Unternehmen kontaktiert, aber die Rückmeldungen aus der freien Wirtschaft waren ernüchternd.“ Der Wettbewerb um Sponsoring sei groß, da die öffentliche Hand ihre Mittel allgemein zurückfahre und Organisationen aus der Zivilgesellschaft um Unternehmensgelder konkurrierten.
Das Domid habe mehrmals bei Bund, Land und Stadt auf das Sondervermögen Infrastruktur hingewiesen. „Das wurde als nicht gangbar bewertet“, so Glatz. Auch bei Förderprogrammen der EU habe es keine passenden gegeben. „Wenn das Museum politisch gewollt ist, sollten die Investitionskosten im Wesentlichen auch von der öffentlichen Hand gedeckt werden und nicht durch Unternehmen“, sagte Glatz.
Aus dem Umfeld der neugegründeten Initiative „Selma bleibt“ aus Kalk, die sich für den Erhalt des Museums in ihrem Veedel einsetzt, ist zu hören, dass der preisgekrönte Siegerentwurf zugleich der teuerste gewesen sei. Dem widerspricht Glatz deutlich: Es sei der „wirtschaftlichste“ von vieren gewesen. Auf die Frage, ob mit dem „wirtschaftlichsten“ Entwurf der günstigste gemeint sei, sagte Glatz: „Ja.“
Was ist mit den acht Millionen Euro für die Hallen Kalk passiert?
Auch zu hören war, dass acht Millionen Euro für das Projekt „Revitalisierung Hallen Kalk“ aus dem Kommunal-Investitions-Förderungsgesetz des Landes noch nicht verwendet worden seien. Doch auf Anfrage teilt die Stadt mit, diese Mittel seien zu 100 Prozent verwendet worden: „Das Projekt konnte nicht innerhalb der förderrechtlich maßgeblichen Frist umgesetzt werden“ – damit das Geld aber nicht verfiel, floss es in andere Projekte, darunter mehr als sechs Millionen in die Instandsetzung des Berufskollegs Perlengraben.
Der Kulturausschuss des Stadtrates will am Donnerstag über die Zukunft des Museums diskutieren. Die Initiative „Selma bleibt“ plant eine Kundgebung am Samstag, 9. Mai, um 14 Uhr am Ottmar-Pohl-Platz.

