Nach MillionenschädenSo sollen zukünftige Katastrophen in Dünnwald verhindert werden

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Ein Auto steckt im Hochwassers in Dünnwald fest. Die gesamte Straße ist voller Wasser, es steht dem Auto bis zu den Lichtern.

Ein Auto steckt im Hochwassers in Dünnwald fest.

Vor zwei Jahren wurden in Dünnwald ganze Häuser geflutet. Seitdem setzt sich eine Bürgerinitiative für effektiveren Hochwasserschutz ein.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 richteten Wassermaßen nicht nur einen massiven Schaden entlang der Ahr an und kosteten über 170 Menschen das Leben, auch auf dem Kölner Stadtgebiet gab es Verwüstungen. Im Kölner Stadtviertel Dünnwald wurde glücklicherweise niemand verletzt, doch die Sachschäden gehen in die Millionenhöhe.

Vereinzelt sieht man im Viertel heute noch die Schäden, Häuser werden abgerissen oder stehen leer. Um ähnlichen Verheerungen besser vorzubeugen, setzt sich eine Bürgerinitiative im Viertel seit der Flutnacht für effektiveren Hochwasserschutz ein. „Das Spiel ist angepfiffen, der Anstoß ist erfolgt“, beschreibt Jürgen Hein von der Bürgerinitiative den Weg zum neuen Hochwasserschutzkonzept mit einer Fußball-Metapher. „Jetzt geht es darum, den Ball am Laufen zu halten.“

Auch heute noch werden neue Erkenntnisse gewonnen

Mithilfe von Fotos, Videos und Informationen aus der Nachbarschaft und engem Austausch mit den Städtischen Stadtentwässerungsbetrieben Köln (Steb) konnten die vier Dünnwalder die Ereignisse der Flutnacht detailliert nachvollziehen. Neue Erkenntnisse gibt es auch heute noch, denn die Ereigniskette ist komplex. Ausweisungen von Bauflächen in Überflutungsgebieten spielen beispielsweise eine Rolle, aber auch Kanalgrößen, Retentionsflächen und Warnsysteme.

Eine Luftaufnahme bei Nacht von dem Hochwasser in Dünnwald. Ein Scheinwerfer beleuchet die Wassermassen, die die gesamte Straße bedecken.

Das Hochwasser in Dünnwald

Wohl die wichtigste Erkenntnis ist, dass in Dünnwald der Zulauf des Rechtsrheinischen Randkanals in das Hochwasserrückhaltebecken Diepeschrath nicht geschlossen wurde, wie in einer solchen Extremsituation vorgesehen. Das verstärkte die Welle, die unter anderem die Leuchterbruchsiedlung verwüstete.

Weitere Regionen müssen in den Blick genommen werden

Doch für effektiven Hochwasserschutz reicht es nicht, nur auf Dünnwald zu blicken. Während Zuständigkeiten und Meldeketten an Kommunengrenzen stoppen können, interessiert das die Wassermassen nicht. Auch in Gronau in Bergisch-Gladbach wurde ein Hochwasserrückhaltebecken – planmäßig – geöffnet, was aber ebenfalls die Wucht der Flut verstärkte.

Ein runder Tisch über die Kommunengrenzen ist angedacht, damit verschiedene Organisationseinheiten wie die Stadt Köln, der Zweckverband Rechtsrheinischer Randkanal und der Wupperverband über gemeinsame Konzepte für effektiven Starkregenschutz diskutieren können.

Warten auf Ergebnisse

Noch fehlt aber die Datengrundlage, um die verschiedenen Konzepte zu bewerten. Unter anderem die Steb gaben Simulations-Modelle für den Starkregenschutz in Auftrag, das die einzelnen Teilsysteme beachten soll – dazu gehören neben den Rückhaltebecken, Bächen, Kanälen oder Abwassersystemen in Bergisch Gladbach auch die Topografie und Wetterdaten. Doch die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Auf dieses Modell warten alle Parteien, da nur mit diesen Fakten das gemeinsame Schutzkonzept an die Ereignisse vor zwei Jahren angepasst werden kann. Einige Maßnahmen sind aber bereits geplant. Bei Haus Haan in Dünnwald sollen druckdichte Kanaldeckel installiert werden. Die Katterbachstraße soll dort, wo sie aktuell noch zu tief ist, angehoben werden. So kann das Mutzbachsystem ins Rückhaltebecken in Diepeschrath laufen, und damit das Wasser auf dem Weg ins Tal gebremst werden.

Die Bürgerinitative fordert darüber hinaus ein verbessertes und rechtzeitiges Warnsystem für die Dünnwalder und Unterstützung für den individuellen Hochwasser- und Starkregenschutz an den jeweiligen Häusern. Als dringendste Frage schätzt die Bürgerinitiative die Suche nach weiteren Retentionsflächen in Bergisch Gladbach und Köln ein, also Überflutungsflächen, die Wassermaßen aufnehmen und verlangsamen. „Vor allem geht es jetzt um gute Koordination zwischen allen Beteiligten“, sagt Hein. „Ein einheitliches Schutzziel ist jetzt das Wichtigste.“

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