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Obdachlose in KölnGerhart Baum: „Mehr Menschen landen auf der Straße, weil bezahlbarer Wohnraum fehlt“

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Linda Rennings und Ex-Innenminister Gerhart Baum stehen auf einem Platz in Köln-Mülheim.

Linda Rennings und Ex-Innenminister Gerhart Baum fordern Verbesserungen für die Situation obdachloser Menschen in Köln.

Auf dem Sommerfest des Vereins „Heimatlos in Köln“ diskutierten prominente Gäste über die Situation von Wohnungslosen in Köln.

Es ist der Warnruf eines ehemaligen Politikers, der erkannt hat, dass Köln ein Problem mit seinen Obdachlosen hat. Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (90, FDP) fordert: „Die Stadt Köln muss endlich sofort Wohnungen bauen. Denn immer mehr Menschen landen sonst auf der Straße, weil bezahlbarer Wohnraum fehlt.“ Auf dem Sommerfest des Vereins „Heimatlos in Köln“ begrüßte Vereinsgründerin Linda Rennings in Mülheim den prominenten Gast. Der 2014 gegründete Verein setzt sich für obdachlose Frauen ein. Baum und Rennings hatten erst im Juni gemeinsam die alternative Ehrenbürgerschaft verliehen bekommen.

Während neben dem Bezirksrathaus Mülheim für die eingeladenen Obdachlosen gegrillt wurde, diskutierten drinnen Pfarrer Franz Meurer, Unternehmer und Stifter Erich Bethe, Autor Martin Stankowski, Marc Kersten (Grüne), Rainer Kippe (Sozialistische Selbsthilfe Mülheim), Kalle Gerigk (Linke) und Streetworker Franco Clemens über die kritische Situation der Obdachlosen.

Immer mehr Frauen leben in Köln auf der Straße

„Eigentlich sind wir längst an dem Punkt angekommen, an dem die Stadt ein Zelt mit Bauzaun drumherum aufbauen müsste, um sofort den Obdachlosen helfen zu können“, sagte Pfarrer Franz Meurer. Er fürchte im Winter eine „Katastrophe bei den fehlenden Unterkünften und zugleich explodierenden Zahlen“.

Linda Rennings wies darauf hin, dass immer mehr Frauen auf der Straße landen. „Inzwischen sind es rund 30 Prozent Frauen, die schutzlos dem harten Leben draußen ausgeliefert sind. Wenn wir von niedrig geschätzten 8000 Wohnungslosen ausgehen, dann sind davon 2400 Frauen“, sagt die 59-Jährige. Sie war selbst fünf Jahre lang wohnungslos und hat eineinhalb Jahre auf einem Friedhof in Dünnwald gelebt. „Wir brauchen mehr alternative Unterbringungsmöglichkeiten wie Campingplätze oder Tiny-Häuser, zudem mehr Betreuung für Frauen sowie Rückzugsmöglichkeiten, wo man frauenspezifische Probleme besprechen kann.“

Kritik gab es in der Runde vor allem für die überhastete Räumung des Obdachlosenprojekts OMZ in Deutz durch die Stadt, ohne ausreichend andere Angebote zur Unterbringung zur Verfügung gestellt zu haben. Ein weiteres Thema: „Die Stadt bezahlt seit Jahren 1200 Euro pro Person für die Unterbringung in gemieteten Hotels, statt dieses Geld in eigenen Wohnungsbau zu investieren und dann mittel- und langfristig Besitzer dieser Immobilien zu werden“, kritisierte Franco Clemens. Ex-Minister Gerhart Baum verabschiedete sich mit folgender Warnung: „Köln hat ein ernsthaftes Problem. Und es wird Zeit, dass das angepackt wird. Sonst spielt das der AfD in die Hände. Das darf nicht sein.“ (mey)

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