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Amtsleiterin kritisiert PlanungViele Mängel an Mülheimer Brücke – Sperrungen bleiben

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Mülheimer

Die Mülheimer Brücke

Köln – Die einen gehen ins Museum, um Kunst zu bewundern. Andere nehmen dafür die Mülheimer Brücke. Oliver Keck zeigte sich nach seinem Rundgang durch die hallenartig freigelegten Betonkonstruktionen unterhalb der rechtsrheinischen Fahrbahn jedenfalls fasziniert von der Ingenieurskunst, die dort geleistet werde: „Die technische Umsetzung ist schon beeindruckend“, so der 53-Jährige, der nur 100 Meter von der Großbaustelle entfernt wohnt.

Seit 2018 wird die Mülheimer Brücke saniert. Der Verkehr rollt nur eingeschränkt, Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht sind verboten. Die Mülheimer Rampe stammt noch aus dem Jahr 1929, hier waren zuletzt Vereine untergebracht.

Korrosionsschäden erfordern komplette Erneuerung der Mülheimer Brücke

Die komplette Erneuerung des Bauwerks war ursprünglich nicht vorgesehen. Doch dann wurden im tragenden Stahlbeton Korrosionsschäden entdeckt, die bei den Voruntersuchungen teilweise hinter Mauerwerk verborgen geblieben waren: „Wir haben viele Schadensbilder gefunden, besonders Lochfraßkorrosion“, sagte jetzt Sonja Rode, Leiterin des Amts für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, während einer städtischen Informationsveranstaltung mit Führungen für rund 280 Anwohner.

Nun müssen sowohl die rechts- als auch die linksrheinischen Zufahrten komplett abgetragen und ersetzt werden. „Die Stadtverwaltung hat so eine Maßnahme noch nicht durchführen müssen“, so Sonja Rode.

Südliche Rampe wird ab August abgetrennt

Als erstes kommt der 250 Meter lange südliche Teil der rechtsrheinischen Rampe an die Reihe, ab 2025 dann der nördliche Teil. Stehen bleibt nur der noch brauchbare Unterbau der in der Mitte der Brücke verlaufenden Straßenbahntrasse. Weil der so genannte Stadtbahntrog ohne die beidseitigen Rampenbauwerke nicht mehr standfest ist, wird er derzeit abgestützt.

Ab August dieses Jahres wird die südliche Rampe dann mit Seilsägen abgetrennt und bis Jahresende mit Hilfe von Hydraulikzangen nach und nach beseitigt. Insgesamt müssen rund 2000 Kubikmeter Stahlbeton abgetragen werden. Anschließend entsteht ein komplett neues Bauwerk, dessen Fassade sich jedoch von der jetzigen nicht unterscheiden soll. Zum Schutz der Anwohner würden unter Umständen Schallschutzwände aufgestellt, so Sonja Rode.

Mülheimer Brücke später als geplant wieder uneingeschränkt befahrbar

2026 soll die Brücke wieder uneingeschränkt befahrbar sein – später als ursprünglich geplant. Die Kosten für die Sanierung stiegen von 188 Millionen im Jahr 2017 auf mittlerweile auf 301,5 Millionen Euro. Laut Sonja Rode ist im Vorfeld einiges schiefgelaufen: „Dass sich Mauerwerk über tragenden Unterzügen befindet, hätte gar nicht sein müssen.“ Gleichzeitig hätte es umfassenderer Voruntersuchungen bedurft. Künftig sei es „unbedingt erforderlich, genauer hinzugucken, damit man zu realistischen Kosten und Bauzeiten kommt“.

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Auch Oliver Keck wundert sich, dass es die Stadt erlaubt habe, tragende Teile zuzubauen. „Man hätte früher eingreifen können“, sagt er. Besonderen Baulärm befürchtet er für sich nicht, höchstens Vibrationen. Dass die Mülheimer Brücke ab März 2024 19 Wochen lang für Straßenbahnen nicht befahrbar sein wird, wie es die Stadt derzeit plant, glaubt er jedoch nicht: „Ich befürchte, dass es nicht dabei bleibt“, sagt der Mülheimer: „Dann kommen wieder irgendwelche Sachen, die sie nicht gesehen haben.“ 

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