Fast ein Jahrzehnt stand Katja Hofer auf der überfüllten Dauerkarten-Warteliste des 1. FC Köln. Nun ist der Traum der 39-Jährigen von einem Stammplatz in Müngersdorf in Erfüllung gegangen.
Nach fast zehn Jahren WartezeitTraum von FC-Dauerkarte geht für Kölnerin in Erfüllung

FC-Anhängerin Katja Hofer
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Das Timing hätte nicht besser sein können. Katja Hofer stand an einem Sommerabend im Innenraum des Rhein-Energie-Stadions und wartete auf den Beginn des BAP-Konzerts, als auf ihrem Handy eine Nachricht des 1. FC Köln eintrudelte, auf die sie fast ein Jahrzehnt sehnsüchtig gewartet hatte. „Liebe Katja, das lange Warten hat ein Ende“, schrieb ihr Herzensklub. „Du zählst zu den wenigen glücklichen Mitgliedern, die dieses Jahr eine Dauerkarte zugeteilt bekommen. Herzlichen Glückwunsch!“ Die Reaktion der 39-Jährigen war eine Mischung aus purer Freude und ungläubigem Staunen. „Es war ein Mega-Gefühl, ich konnte es kaum glauben“, beschreibt Hofer. Ausgerechnet an jenem Ort, an dem der FC Zehntausende Menschen in seinen Bann zieht, war für die Porzerin ein Traum in Erfüllung gegangen. „Es war wie ein magischer Moment.“
Katja Hofer gehört damit zu einem privilegierten Personenkreis. Eine Dauerkarte beim FC ist schließlich wie ein Lottogewinn. Mehr als 47.000 FC-Mitglieder stehen derzeit auf der Warteliste. Allein mit ihnen ließe sich das Kölner Stadion fast vollständig füllen. Von den 50.000 Plätzen ist allerdings nur die Hälfte an Jahreskarten-Inhaber vergeben. Als Hofer sich im Mai 2017 – es war das Jahr, in dem sich der FC nach 25-jähriger Abstinenz erstmals wieder für Europa qualifizierte – in die Warteliste einschreiben ließ, umfasste diese nur 1000 Fans. Pro Jahr machte sie im Schnitt also etwa 100 Plätze gut. Die Hoffnung, irgendwann an der Reihe zu sein, sei „immer da gewesen“.
Ich weiß es sehr zu schätzen, eine Dauerkarte zu haben. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist ein Privileg. In diesen Genuss kommen nicht viele FC-Fans
Katja Hofer ist der lebende Beweis dafür, dass es sie – allen Phantom-Gerüchten zum Trotz – tatsächlich gibt: Menschen, die sich als Nachrücker für eine Dauerkarte beim FC qualifizieren. Jetzt, wo es endlich so weit ist, spürt Hofer auch ein Gefühl der Dankbarkeit. „Ich weiß es sehr zu schätzen, eine Dauerkarte zu haben. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist ein Privileg. In diesen Genuss kommen nicht viele FC-Fans“, sagt die gebürtige Bergisch Gladbacherin. Nebenbei bedeute eine Dauerkarte auch weniger Stress. „Ich muss mich nicht mehr darum kümmern, eine Tageskarte zu ergattern.“
Auch dort ist die Nachfrage riesig. Der FC hat errechnet, pro Heimspiel theoretisch 75.000 Zuschauer begrüßen zu können. Deshalb lässt der Vorstand um Präsident Jörn Stobbe eine Erweiterung des Stadions um ein Drittel der bisherigen Kapazität prüfen. Außerdem wurden zur neuen Saison die Regelungen für Dauerkarten-Inhaber weiter verschärft. Wer seinen Stammplatz in Müngersdorf behalten möchte, muss diesen bei mindestens 14 der 17 Heimspiele wahrnehmen. „Das finde ich okay“, sagt Katja Hofer. Für Diskussionen sorgte dagegen, dass der Besitz einer Dauerkarte ab dieser Saison an eine Mitgliedschaft geknüpft ist. Hofer, selbst lebenslanges FC-Mitglied, sagt zu der umstrittenen Regel: „Das finde ich nicht in Ordnung, weil man ja quasi dazu gezwungen wird, Mitglied zu werden.“ Am Ende gingen dennoch fast alle der rund 5000 betroffenen Dauerkarten-Inhaber eine Mitgliedschaft ein.
Inzwischen ist die FC-Familie auf 170.000 Mitglieder in die Höhe geschnellt. Der FC ist damit einer der größten Sportvereine der Welt. Was einmal mehr zeigt: Es gibt nur wenige Dinge, die dem Kölner heiliger sind als eine Dauerkarte beim FC. „Es müsste schon viel passieren, damit ich mein Ticket abgebe“, sagt auch Hofer, die für ihren neuen Stammplatz einen Kompromiss eingehen muss. Während sie einen Platz im Oberrang der Osttribüne zugewiesen bekam, sitzt ihr Mann Hendrik Flötotto mit ein paar Freunden im Unterrang. Ein Wechsel sei erst zur nächsten Saison möglich, bedauert sie.
Der FC nimmt viel Raum in unserem Leben ein – und er kostet uns auch viel Geld. Aber es ist eine Herzenssache
Ihr Herz für den FC hat Katja Hofer laut eigener Aussage von ihrer Mutter in die Wiege gelegt bekommen. Auch auswärts ist sie fast immer dabei. In der vergangenen Saison verpasste sie nur ein einziges Auswärtsspiel. Es war die Partie bei RB Leipzig. Spiele beim Klub aus dem Red-Bull-Imperium werden von der aktiven Fanszene des FC seit Jahren boykottiert. Ihr Mann teilt die gemeinsame Leidenschaft für den FC – und zwar schon bevor sich die beiden im Porzer Karneval kennen- und lieben lernten.
Der Besuch von FC-Spielen hat sich zu einem festen Ritual im Leben des jungen Paares entwickelt. „Der FC nimmt viel Raum in unserem Leben ein – und er kostet uns auch viel Geld. Aber es ist eine Herzenssache“, sagt die 39-Jährige, die für ihre Dauerkarte fast 500 Euro zahlt. Was ihr der FC bedeutet? „Das kann man in Worten nicht genau beschreiben. Es ist einfach ein Gefühl.“ Eines, das auch mit Leidensfähigkeit verbunden ist. „Es ist auch viel Ärger dabei, aber der verfliegt schnell wieder“, sagt Hofer über ihr Leben als Fan eines Fahrstuhlklubs. Das 1:4 in Stuttgart war einer dieser Tage.
Nach dem langen Bangen um den Klassenerhalt in der vergangenen Saison hofft Hofer auf eine ruhigere Spielzeit: „Mein Wunsch ist eine Saison im sicheren Mittelfeld, damit wir nicht wieder bis zum Schluss zittern müssen.“ Von einer Rückkehr auf die europäische Bühne („Das war das Größte“) wage sie nicht zu träumen. „Auch wenn ich einige Fans kenne, die der Meinung sind, dass es nach fünf Jahren eigentlich wieder an der Zeit ist“, sagt Hofer mit einem Schmunzeln. Den größten Erfolg der Saison hat sie ohnehin schon sicher. Es ist ihre Dauerkarte.
