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Zwischen Skepsis und VertrauenRené Wagner kämpft um Kredit beim 1. FC Köln

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Pressekonferenz, 1.FC Köln 11.09.2026 Rene Wagner Cheftrainer, 1. FC Köln während der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen SV Werder Bremen. Pressekonferenz, 1.FC Köln Geißbockheim, Köln 11.09.2026 *** Press Conference, 1 FC Köln, September 11, 2026: Rene Wagner, Head Coach of 1 FC Köln, during the press conference ahead of the Bundesliga match against SV Werder Bremen. Press Conference, 1 FC Köln, Geißbockheim, Cologne, September 11, 2026 Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/Buriakovx

FC-Trainer René Wagner am Freitag während der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Werder

Kölner Trainerfragen: Wie groß ist die Akzeptanz für den Coach? Was macht er richtig, was muss er verändern? FC-Verantwortliche und -Ehemalige ordnen die Lage ein.

Wie wird sie diesmal sein, die Stimmung am Samstagabend (18.30 Uhr) in Müngersdorf, wenn gegen Werder Bremen erneut nicht alles nach Plan läuft? Nach dem 1:4 beim Champions-League-Teilnehmer VfB Stuttgart steht der 1. FC Köln vor der nächsten Bewährungsprobe. Ein Sieg könnte die zuletzt wechselhafte Gefühlslage rund um den Klub wieder in die gewünschte Richtung lenken. Der FC geht nicht als Außenseiter in die Begegnung – und gerade deshalb wird interessant sein, wie geduldig die Anhänger reagieren, sollte die Partie erneut einen unerwarteten Verlauf nehmen. In Köln liegen Zuversicht, Euphorie und Unruhe und Enttäuschung oft nur 90 Minuten auseinander. Das zeigte sich bereits beim Saisonauftakt gegen die TSG Hoffenheim.

Nach dem 3:2 feierten die Anhänger ihren FC. Die Mannschaft hatte die Partie nach einem schwachen ersten Durchgang und einem 0:1-Rückstand mit einem leidenschaftlichen Auftritt in der zweiten Halbzeit noch gedreht. Zugleich waren zur Pause ein deutliches Murren und zahlreiche Pfiffe zu hören gewesen. Sie machten sichtbar, wie begrenzt der Kredit von Trainer René Wagner (38) nach einem schwachen Abschluss der Vorsaison bei Teilen der Anhängerschaft noch ist.

Wagners Vor-Vorgänger Friedhelm Funkel, gegen Hoffenheim im Kölner Stadion und auch am Samstagabend (18.30 Uhr) zu Gast in Müngersdorf, war etwas verwundert über die Resonanz: „Natürlich hatte der FC im Pokal in Würzburg wahrlich nicht überzeugt, ist aber weitergekommen. Und auch die erste Halbzeit gegen Hoffenheim war schlecht. Aber wir sprechen da über den ersten Spieltag, da sollte man schon ein bisschen mehr Geduld mit der Mannschaft und dem Trainer haben“, meint die Trainer-Legende im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Skepsis in Teilen der Öffentlichkeit war auch in dieser Woche beim DuMont-Talk „E Levve lang“ im Audi Zentrum Fleischhauer in Ehrenfeld spürbar. Die Zuschauer wollten von Thomas Kessler vor allem wissen, warum sich der FC trotz des durchwachsenen Saisonendes für Wagner als dauerhaften Cheftrainer entschieden hatte. Der Sport-Geschäftsführer verteidigte seine Entscheidung ungewöhnlich emotional. Kessler wehrte sich gegen den Eindruck, Wagner gehe mit einer Altlast in die neue Saison. „Wir können hier in Köln bald Rucksäcke vermarkten. El Mala hat einen Rucksack, ich habe einen Rucksack, der Trainer hat einen. Ich sehe den nicht“, sagte er. Der FC habe nicht einfach mit Wagner weitergemacht, sondern sich bewusst für einen Neuanfang entschieden.

Kessler verwies auf die tägliche Arbeit des 38-Jährigen. Wagner arbeite äußerst akribisch und sei häufig schon um fünf Uhr morgens in seinem Büro. „Ich habe es noch kein einziges Mal geschafft, vor ihm am Geißbockheim zu sein“, sagte Kessler. Der Trainer mache sich intensiv Gedanken über die individuellen Profile der Spieler, deren Entwicklung und die Matchpläne. Für Kessler ist diese Arbeit die entscheidende Grundlage seiner Bewertung. „Ich kann mich nicht von Emotionen leiten lassen nach einzelnen Spielen und von Rucksäcken, die Leuten aufgesetzt werden“, sagte er. Er müsse Entscheidungen treffen, die den FC nachhaltig in der Bundesliga etablieren könnten. Nach allem, was er im täglichen Umgang mit Wagner beobachte, sei dessen Beförderung zum Cheftrainer die richtige Entscheidung gewesen.

René ist ungemein fleißig, strukturiert und macht sich wahnsinnig viele Gedanken. Ihm fehlt natürlich noch die Erfahrung – auch im Umgang mit der Öffentlichkeit.
Bundesliga-Legende und Ex-FC-Trainer Friedhelm Funkel über René Wagner

Das hat auch Funkel registriert: „René, so wird es mir auch berichtet, ist ungemein fleißig, strukturiert und macht sich wahnsinnig viele Gedanken, die richtigen Trainingsinhalte zu setzen und die Mannschaft voranzubringen. Er hat offenbar auch einen sehr guten Draht zu den Spielern. Aber ihm fehlt natürlich noch die Erfahrung – auch im Umgang mit der Öffentlichkeit. Da muss er sicherlich noch offener werden, das gehört in der Branche heutzutage einfach dazu. Es ist keine einfache Situation für René, er hat nicht allzu viel Kredit. Ich hoffe und denke aber, dass er die richtigen Leute an seiner Seite hat, die ihm in dieser Gemengelage auch helfen. Mit Armin Reutershahn hat er beispielsweise einen ganz erfahrenen Mann in seinem Trainerteam“, sagt Funkel über seinen langjährigen Assistenten.

Jörg Jakobs, früherer Sportchef des FC, widersprach Kessler in einem Punkt. Er sehe den Rucksack durchaus. Die Belastung aus dem Saisonende und dem ernüchternden 2:3 gegen den 1. FC Heidenheim sei nicht einfach verschwunden. Auch im ersten Durchgang gegen Hoffenheim habe man im Stadion gespürt, dass Wagner bei den Fans nicht über großen Kredit verfüge. Jakobs stellte die Entscheidung für Wagner dennoch nicht grundsätzlich infrage und lobte Kesslers Mut. Zugleich müsse sich Wagner an den Erwartungen und vor allem an den Ergebnissen messen lassen. „Er wird Erfolg haben müssen“, sagte Jakobs sinngemäß. Der FC brauche einen Trainer, für den es jeden Tag ein Privileg sei, am Geißbockheim zu arbeiten.

Friedhelm Funkel Portrait, halbportrait, Bild, einzel, Einzelaufnahme, picture, single, solo, alleine, 07.04.2026  Fussball  MSV Duisburg vs VfL Osnabrueck, Schauinsland-Reisen-Arena, Duisburg, DFB/DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO *** Friedhelm Funkel Portrait, half portrait, image, single, single shot, picture, single, solo, alone, 07 04 2026  Soccer  MSV Duisburg vs VfL Osnabrueck, Schauinsland Reisen Arena, Duisburg, DFB DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO Copyright: xpepphotox/xHorstxMauelshagenx pep00321, pep_20260407_hm_326284

Bundesliga-Legende Friedhelm Funkel im Einsatz als TV-Experte

Genau diesen Eindruck vermittle Wagner, meinte Kessler. „Er hat sehr klar aufgezeigt, wie er den Fußball beim FC sehen will, wie er diese Mannschaft weiterbringen will und wie er den FC Stück für Stück nach vorne bringt“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Auch Kessler weiß, dass Wagner nicht unbegrenzt von seiner täglichen Arbeit zehren kann. „Am Ende braucht auch er Punkte“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Vielleicht habe ein Trainer zwei oder drei Spiele mehr Kredit, wenn er bereits Real Madrid trainiert habe. „Aber Punkte brauchen wir alle.“

Wagner steht damit vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Er soll eine Mannschaft entwickeln, junge Spieler wie Said El Mala und die Neuzugänge weiterbringen und zugleich kurzfristig Ergebnisse liefern. In Köln wird dabei nicht nur auf die Tabelle geschaut, sondern auch auf die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt. Leidenschaft, Mut und eine erkennbare Spielidee können die Stimmung schnell drehen. Schwache Phasen und defensive Unordnung werden dagegen mit besonderer Schärfe wahrgenommen.

Der FC hat einen spannenden Kader mit vielen tollen Talenten beisammen. Einen stärkeren als in den Jahren zuvor. Das Ziel sollte deshalb schon sein, auf jeden Fall eine sorgenfreie Spielzeit zu erleben.
Friedhelm Funkel

Das Team jedenfalls hat Potenzial, meint Funkel: „Der FC hat einen spannenden Kader mit vielen tollen Talenten beisammen. Einen stärkeren als in den Jahren zuvor. Das Ziel sollte deshalb schon sein, zwei, drei Plätze besser als in der vergangenen Saison abzuschneiden und auf jeden Fall eine sorgenfreie Spielzeit zu erleben. Der FC sollte mit diesem Kader vier bis sechs Mannschaften hinter sich lassen.“

FC-Legende Pierre Littbarski ordnete die Debatte knapp ein: Einen Trainer, mit dem in Köln alle zufrieden seien, müsse man sich wohl erst schnitzen. Seit Hennes Weisweiler gebe es Diskussionen; längerfristig hätten sich unter den jüngeren FC-Trainern vor allem Christoph Daum, Peter Stöger und Steffen Baumgart behauptet.

Für Wagner dreht sich alles erst einmal nur um die Gegenwart. Die nächste Gelegenheit bietet das Heimspiel gegen Bremen. Ein überzeugender Auftritt könnte den Trainer weiter aus der Schusslinie nehmen. Eine erneute schwache erste Halbzeit würde dagegen vermutlich schnell die Erinnerungen an die Pfiffe gegen Hoffenheim zurückbringen. Funkel: „Bremen hat mit dem Sieg gegen Leipzig ein Ausrufezeichen gesetzt, dennoch denke ich, dass der FC im eigenen Stadion der Favorit ist. Deshalb ist das Spiel ein Wegweiser – insbesondere für die Stimmung.“