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Nach Feuer mit 26 VerletztenKölner ausgeraubt nach Brand – und der Vermieter erhöht die Miete

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Die Mieter der Glashüttenstraße 7 kritisieren den Eigentümer LEG scharf.

Die Mieter der Glashüttenstraße 7 kritisieren den Eigentümer LEG scharf. 

Nach dem Feuer brachen Diebe in alle Wohnungen ein. Drei Monate später ist kaum etwas repariert – der Eigentümer LEG schweigt.

Mehr als drei Monate nach dem Brand ist das Treppenhaus schwarz vor Ruß. Die Haustür lässt sich einfach aufdrücken, drinnen stinkt es verkohlt. Der Aufzug funktioniert nicht, von den Wänden blättert der Putz. Die Bewohner der Glashüttenstraße 7 waren am Abend des 1. Dezember mit Atemmasken und über Feuerleitern gerettet worden, darunter ein vier Wochen altes Baby. 26 Bewohner waren ärztlich versorgt worden, neun zur Untersuchung ins Krankenhaus gekommen.

Wann das Treppenhaus saniert, Aufzug und Haustür repariert werden, wissen die Mieter bis heute nicht. „Die LEG hat sich nie bei uns gemeldet in den drei Monaten“, sagt Hatice Salgut, die seit 19 Jahren mit ihrer Familie im vierten Stock des Hauses lebt. „Wir wurden allein gelassen.“

Mieter haben mit eigenen Mitteln renoviert

In der Wohnung der Salguts, mit eigenen Mitteln renoviert, haben sich mehrere Mieter versammelt: die 66-jährige Tanja Ganswind aus dem sechsten Stock, Fatih Celik aus dem dritten, Rasul Tokmak aus dem ersten. Sie alle sind sauer. Weil sie den Aufzug noch immer nicht benutzen können und das Treppenhaus so aussieht, als habe es gestern gebrannt. Weil die Haustür, die schon vor dem Brand kaputt gewesen sei, bis heute nicht repariert worden sei – nicht zuletzt auch, weil in den Tagen nach dem Brand in alle Wohnungen des Hauses eingebrochen wurde.

„Bei mir sind zum Beispiel i-Pads, Telefone und ein Parfum gestohlen worden“, sagt Rasul Tokmak. Bei den Salguts, die keine Hausratversicherung haben, wurden Schmuck und teures Besteck gestohlen. „Bei einer Frau aus dem ersten Stock haben die Diebe 30.000 Euro mitgenommen“, sagt Celik. „Bei mir haben sie alles durchwühlt, aber nichts gestohlen“, sagt Tanja Ganswind.

Die Schäden des Brands sind bis heute nicht beseitigt, der Aufzug ist weiter defekt, die Eingangstür auch.

Die Schäden des Brands sind bis heute nicht beseitigt, der Aufzug ist weiter defekt, die Eingangstür auch.

Die Bewohner und der Kölner Mieterverein geben dem Eigentümer, dem börsennotierten Unternehmen LEG Immobilien, eine Mitschuld. Die Automatik der Tür sei schon vor dem Brand kaputt gewesen und nie repariert worden, sagen die Bewohner. Mit funktionierender Haustür hätten die Einbrecher nicht so leicht ins Haus kommen können. „Die LEG kümmert sich seit Jahren um nichts“, sagen sie. So würden Schäden am Dach, an den Balkonen und Gauben nicht behoben, dadurch seien viele Wohnungen feucht, Schimmel würde sich bilden.

„Wenn wir das melden, bekommen wir oft nur zu hören, wir müssten richtig lüften – als seien wir irgendwie zurückgeblieben und wüssten nicht, wie man lüftet.“ Und wie könne es sein, dass der Aufzug noch mehr als drei Monate nach dem Brand stillsteht? „Wir haben hier Menschen mit Rollator, Senioren, eine Familie mit Baby.“ Hatice Salgut sagt, sie habe kürzlich einen schweren Bandscheibenvorfall gehabt, Fatih Celik zeigt eine Schiene am Fuß – er hat eine dauerhafte Geh-Einschränkung.

Kölner Mieterverein rät zu Anzeige gegen die LEG

Der Kölner Mieterverein mutmaßt, das Unternehmen könnte sich im Fall des Brandes und der Einbrüche der Fahrlässigkeit schuldig gemacht haben – auch, weil sie das Haus nicht pflichtgemäß instandgehalten habe. Da sich mehrere Brände in einem kurzen Zeitraum in LEG-Häusern in der Glashüttenstraße ereignet hätten, kämen „fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung in Betracht. Wir haben unseren Kunden nahegelegt, das anzuzeigen“. Die Mieter haben bislang indes nur Strafanzeige wegen der Einbrüche gestellt.

Nachdem die Mieter zunächst in Hotels untergebracht wurden, seien einigen von ihnen nach zwei Wochen Flüchtlingsheime und Unterkünfte auf der anderen Rheinseite angeboten worden. „Auch das halten wir für unangemessen“, sagt Ceylan Dogan, Juristin des Mietervereins.

Zu Rückfragen – auch nach Sanierungen – hat die LEG im gesamten Zeitraum nicht einmal schriftlich Stellung genommen. Man stellt sich dort tot – wir beobachten das nicht zum ersten Mal
Ceylan Dogan, Juristin des Kölner Mietervereins

Besonders unverschämt findet Dogan, dass der Eigentümer die Mieten im Januar 2026, also wenige Wochen nach dem Brand, erhöht habe – obwohl die Wohnungen zu diesem Zeitpunkt für die meisten nicht bewohnbar waren. „Zudem gab es noch Zahlungsforderungen wegen angeblicher Mietrückstände.“ Zu Rückfragen – auch nach Sanierungen – habe die LEG „im gesamten Zeitraum nicht einmal schriftlich Stellung genommen. Man stellt sich dort tot – wir beobachten das nicht zum ersten Mal“. Auf eine Entschuldigung oder die Einräumung von Ersatzansprüchen warten die Menschen aus der Glashüttenstraße bis heute vergeblich.

Die LEG antwortet so ausführlich wie glatt auf Fragen des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zum seit mehr als drei Monate defekten Aufzug schreibt ein Sprecher, die LEG habe „bereits ein Unternehmen zur Kontrolle der Anlage beauftragt“. Die Fachleute müssten überprüfen, „ob durch den Brand Schäden am Aufzug entstanden sind“. Bis dahin müsse die Anlage „zur Sicherheit unserer Mieterinnen und Mieter leider außer Betrieb bleiben“. Warum das Treppenhaus weiterhin so aussehe wie nach dem Brand? Man befinde sich „in engem Austausch mit unserer Versicherung und leiten parallel Vorbereitungen zu Sanierungsarbeiten in die Wege“. Zu den Einbrüchen schreibt die LEG, dass am Tag nach dem Brand ein neuer Zylinder für die Hauseingangstür und die Kellertür eingesetzt worden sei. „Leider kam es trotz der Sicherheitsmaßnahmen zu Vandalismus und Einbrüchen.“

LEG verweist auf „mietvertragliche Anpassungen“

Für die Zeit der Nicht-Nutzung stehe allen Mieterinnen und Mietern eine Mietminderung zu. Flüchtlingswohnheime würden den Betroffenen grundsätzlich nicht zur Unterbringung angeboten. Dass die Miete ausgerechnet kurz nach dem Brand erhöht worden sei, stimme: „In Einzelfällen wurde die Grundmiete zum 1.1.2026 erhöht.“ Der Brand habe „keinen Einfluss auf mietvertragliche Anpassungen“.

Wir leiten nach jedem Brandfall eine umfassende Prüfung und neue Sicherheitsmaßnahmen für die betroffenen Gebäude ein“
Immobilienunternehmen LEG

Ähnlich trocken fällt die Antwort auf die Frage aus, was getan worden sei, um Brände künftig zu verhindern – immerhin habe es in den Objekten in den vergangenen Jahren immer wieder gebrannt. „Wir leiten nach jedem Brandfall eine umfassende Prüfung und neue Sicherheitsmaßnahmen für die betroffenen Gebäude ein“, schreibt die LEG. „Dadurch wollen wir die Risiken minimieren und unsere Mieterinnen und Mieter darin bestätigen, dass sie sich in unseren Gebäuden sicher fühlen können.“

Auf die Kritik, das Unternehmen habe sich nach dem Brand nicht einmal bei den Bewohnern gemeldet, antwortet die LEG: „Dieser Aussage möchten wir klar widersprechen. Unsere Mitarbeitenden stehen mit den betroffenen Mieterinnen und Mieter des Hauses in regelmäßigem Austausch, vor allem, um die weitere Unterbringung abzuklären.“