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Architekt der Kölner Naumannsiedlung GAG stellt Gedenktafel für Manfred Faber vor

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Ralf Heinen, Kathrin Möller, Architekt Prof. Paul Böhm und Bezirksbürgermeisterin Dr. Diane Siebert präsentieren die Gedenktafel für den Architekten Manfred Faber.

Köln-Riehl – Von der „Hoffnung, dass sich in Gegenwart und Zukunft noch viele Menschen an Manfred Faber erinnern und an ihn denken“, sprach Kathrin Möller vom Vorstand des Wohnungsunternehmens GAG Immobilien AG, als am Dienstag in der Naumannsiedlung eine Gedenktafel vorgestellt wurde, die dem jüdischen Architekten, der am 26. Oktober 1879 in Karlsruhe zur Welt kam, gewidmet ist. Gemeinsam mit seinen Kollegen Otto Scheib, Fritz Fuß und Hans Heinz Lüttgen plante er die Siedlung in Riehl, die von 1927 bis 1929 im Auftrag der GAG errichtet wurde.

Dass die Tafel an Fabers 142. Geburtstag feierlich präsentiert wurde, fügt sich ein ins Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Zugleich vorgestellt wurde der neue Gemeinschaftsraum, den das Sozialmanagement der GAG in einem Ladenlokal am Naumannplatz eingerichtet hat und der den Beinamen „Faber’s“ trägt. Der Vorschlag dazu kam aus den Reihen des Runden Tischs Riehl und engagierter Mieter und Mieterinnen der Siedlung.

Faber plante mehrere Siedlungen für die GAG

Nachdem Faber an der Technischen Hochschule in Karlsruhe studiert hatte, ging er 1903 nach Düsseldorf. 1914 kam er nach Köln. Der Architekt arbeitete unter anderem für die GAG und plante in deren Auftrag die Märchensiedlung in Holweide, Teile der Siedlung Zollstock, mehrere Gebäude in Klettenberg und schließlich die Naumannsiedlung, die ihren Namen von dem Platz in der Mitte des Ensembles erhielt, der nach dem Ornithologen Johann Friedrich Naumann benannt ist. Die 450 Wohnungen waren für Kölner vorgesehen, die nicht viel Miete zahlen konnten, vor allem für Arbeiter der Ford- und Rheinkabelwerke und deren Familien.

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Die Tafel wurde an einer Hausfassade an der Ecke Naumannstraße/Goldfußstraße in Riehl angebracht.

Architekt Paul Böhm nannte die Siedlung eine „Stadt in der Stadt“ , die sich durch ihre Eingangstore nach außen öffne. Faber, dessen Entwürfe zunächst „sehr traditionell, teilweise auch historisierend“ gewesen seien, habe sich Mitte der 20er Jahre dem Neuen Bauen zugewandt. Was er darunter verstanden habe, zeige diese Siedlung. Von ihr sei für das heutige Bauen zu lernen, dass „Größe nicht Monotonie bedeuten muss“. Zwar sei es „wichtig und gut“, sich einer „gewissen Regel zu unterwerfen“, zugleich aber auch, für Variation zu sorgen. So sind die Fassaden, abwechslungsreich in Weiß und Ziegelrot gehalten, zum Beispiel mit Erkern und ums Eck gesetzten Fenstern gegliedert.

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Von 2008 an ließ die GAG den Komplex zehn Jahre lang denkmalgerecht sanieren; dabei wurden mehr als 140 zusätzliche Wohnungen geschaffen. Die GAG habe das Erbe von Faber „wieder in einen Zustand versetzt, der dem der Entstehungszeit gleicht“, und es „zu einem Schmuckstück gemacht“, sagte Möller. Bürgermeister Ralf Heinen lobte, das Wohnungsunternehmen habe die Siedlung behutsam „zu einem modernen Denkmal runderneuert“. Und Böhm befand, die Art der Sanierung sei „bundes- und europaweit beispielhaft“. Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert sagte, die Bezirksvertretung Nippes habe beschlossen, den Naumannplatz attraktiver zu gestalten; dazu gehöre, ein Denkmal für Faber aufzustellen.

Der Architekt plante beispielsweise auch die Professorensiedlung in Marienburg sowie den Umbau und die Erweiterung des Kunstauktionshauses Lempertz am Neumarkt. Nachdem die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten, durfte er nicht mehr in seinem Beruf arbeiten. 1935 wurde er in das „Ghettohaus“ in der Cäcilienstraße eingewiesen, später kam er in das Messelager in Deutz. Von dort wurde er im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Auf der Gedenktafel ist zu lesen, dass er 15. Mai 1944 im KZ Auschwitz ermordet wurde.