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Gut LeidenhausenJahresprogramm stellt Garten-Wildnis in den Mittelpunkt

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Hinter einer großen Wiese ist ein Gutshof zu sehen.

Auf den Wiesen an Gut Leidenhausen wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Blühstreifen angelegt, die Artenvielfalt statt kurz geschorenen Rasens zeigen. 

Das Jahresthema des Umweltbildungszentrums auf Gut Leidenhausen lädt zu Exkursionen, vielfältigen Kursen und Erlebnissen rund um einheimische Arten

Zwischen den alten Obstbäumen auf der Streuobstwiese und der mächtigen Linde im Innenhof von Gut Leidenhausen beginnt der Frühling vielleicht ein paar Vogelstimmen früher als anderswo in der Stadt. Wer über den Hof geht, hört Kinder lachen, sieht Familien Richtung Wildgehege ziehen – und mittendrin das Umweltbildungszentrum Heideportal Gut Leidenhausen.  Es hat für 2026 wieder ein Programm vorgelegt, das Natur erlebbar macht.

Das Jahresthema lautet „Gartenwildnis – Einheimische Arten vor der Haustür“ und trägt  eine klare Botschaft: Artenvielfalt beginnt nicht im Nationalpark, sondern auf dem Balkon, im Hinterhof. Wer genau hinsieht, entdeckt zwischen Pflastersteinen tapfere Kräutlein, im Efeu Wildbienen, im alten Birnbaum den Kleiber. Die alltägliche Biodiversität rückt das Zentrum in den Fokus – mit Kursen, Exkursionen und einem Fotowettbewerb für einen Naturkalender, der die „wilde“ Vielfalt privater Gärten sichtbar machen soll.

Ein Nistkasten ist an einem mächtigen Baum angebracht worden. Eine Leiter lehnt am Stamm.

Nistkästen wurden zuletzt schon im Marienburger Südpark angebracht.

Was zur Gartenwildnis gehört, zeigt ein Blick ins Programm. Im Workshop „Nisthilfen für Tiere basteln“ wird gesägt und gebohrt. Unter fachkundiger Anleitung entstehen Refugien für Meisen oder Insekten. Die Mischung aus Handwerk und Hintergrundwissen prägt das Angebot: Warum braucht die eine Art ein Einflugloch von 28 Millimetern, die andere von 32? Weshalb sind Schottergärten ökologisch problematisch? Antworten gibt es mit der Ermunterung,  schon in kleinen Dingen Wirksames zu tun.

Das Umweltbildungszentrum engagiert sich insbesondere für den Schutz der Fledermäuse, Greifvögel, Singvögel, Igel, Bilche, Feldgrillen, Wildbienen und Amphibien. Das wird bei Exkursionen und Seminaren deutlich. Teamplayer auf Gut Leidenhausen sind unter anderem der Naturschutzbund Nabu mit Angeboten für Kinder, die Kölner Jägerschaft mit der rollenden Waldschule sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln/Freundeskreis Haus des Waldes, die lebendig auf die Situation des Waldes in und um Köln aufmerksam machen. Der Bienenzuchtverein Porz lädt zum Mitmachen und der Kölner Eifelverein hat themengerecht ein Wanderprogramm zusammengestellt.

„Moose – die ältesten Pflanzen der Erde“

Zahlreiche Angebote vom Bildungsurlaub über Tagesfahrten bis zu jahreszeitlichen Exkursionen führen  ins Gelände. Bei der Entdeckung  „Moose – die ältesten Pflanzen der Erde“ knien die Teilnehmenden am Waldboden und lernen, dass das Unscheinbare ein sensibles Ökosystem bildet. Ähnlich praxisnah sind  Kurse wie  „Obstbäume richtig schneiden“ und Angebote, die kulinarischen Genuss mit Wildkräutern oder Gartenfrüchten verbinden.

Verschiedene Kräuter stehen zum Verkauf im Hof eines Gutshofs.

Beim Wahner Heide Tag gibt es Gemüsevielfalt für Balkon und Garten, Die Freude am beobachtendes Wachsens und an der Ernte ist durch nichts zu ersetzen.

Kinder als Naturschützer von morgen finden viel Platz im Jahresprogramm. Im  Kunstraum wird jede Woche mit Naturmaterialien wie Rinde und Blättern gearbeitet.  Natur wird hier nicht erklärt, sie wird begriffen. Das gilt auch für kindgerechte Einführungen in die Welt der Honigbienen oder der Greifvögel, beim  Zauberseifemachen  oder in der Papierwerkstatt mit Pilzen. Die Vielseitigkeit der Umweltbildung zeigt sich für Erwachsene in Kursen zur Herstellung umweltfreundlicher Reinigungsmittel oder Naturkosmetik. Da wird rasch deutlich, wie eng Konsum und Ökologie zusammenhängen.

Publikumsmagneten wie   der Heidetag am 1. Mai,  der Tag der offenen Tür, das Apfelfest oder die Waldweihnacht verbinden Information mit Begegnung. Gut Leidenhausen ist ein Treffpunkt mit vielen Facetten  – ermöglicht durch zahlreiche Ehrenamtliche. Das Jahresthema „Gartenwildnis“ wirkt dabei wie ein roter – pardon: grüner Faden. Es erinnert daran, dass Naturschutz keine ferne Aufgabe ist, sondern im eigenen Umfeld beginnt. Zwischen Apfelbaum und Balkonkasten entscheidet sich, wie viel Platz der Mensch  anderen Arten lässt.


Das 194 Seiten starke, aktuelle Jahresprogramm liegt auf Gut Leidenhausen zum Mitnehmen bereit. Es kann auch online eingesehen werden.

www.gut-leidenhausen.de