Auch für den FC-Präsidenten Jörn Stobbe ist René Wagner offenbar längst gesetzt. Der Kader soll jedoch ein neues Gesicht erhalten.
„Natürlich in der Pole Position“Trainerfrage beim 1. FC Köln wird noch in dieser Woche geklärt

FC-Trainer René Wagner während des Spiels der Kölner beim FC Bayern (1:5)
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Der Zeitplan steht: Bis spätestens Ende der Woche will der 1. FC Köln die Trainerfrage abschließend beantwortet haben. Während einige beim Bundesligisten in den Urlaub starten, nimmt die Arbeit für die sportlich Verantwortlichen dann erst Fahrt auf. Die Kaderplanung für die kommende Saison muss weitere Konturen annehmen – und vor Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und seinen Mitstreitern liegt nach einer schwierigen Spielzeit deutlich mehr Arbeit, als viele erwartet hatten.
Dass der künftige Cheftrainer ein anderer als René Wagner sein wird, wäre nach den jüngsten Aussagen und den klar ablesbaren Tendenzen eine faustdicke Überraschung. FC-Präsident Jörn Stobbe lehnte sich am Montagabend vor der offiziellen Saisonabschlussfeier in der Flora ganz weit aus dem Fenster: „René Wagner ist aktuell natürlich in der Pole Position als Trainer“, sagte Stobbe. „Ich habe ihn in den letzten Wochen positiv wahrgenommen. Er hat seine Mission erfüllt, und ich konnte ihn auch persönlich besser kennenlernen. Das hat mir sehr gefallen.“
René Wagner ist aktuell natürlich in der Pole Position als Trainer. Er hat seine Mission erfüllt, und ich konnte ihn auch persönlich besser kennenlernen. In seiner Vita hat er sehr viel Positives aufzuweisen.
Stobbe bestätigte Wagner damit vor der angekündigten Analyse praktisch schon als Cheftrainer und lobte den gebürtigen Dresdner und früheren Assistenten von Steffen Baumgart: Er stelle sich selbst nicht in den Vordergrund – genau das missfiel an Wagners Vorgänger Lukas Kwasniok. „In seiner Vita hat er sehr viel Positives aufzuweisen“, sagte Stobbe über den erst 37-Jährigen.
„René hat in den vergangenen Wochen einen klaren Auftrag gehabt – und den hat er absolut erfüllt“, sagte auch Vizepräsident Ulf Sobek, der im Vorstand für den Sport zuständig ist. „Er hat uns letztendlich zum Klassenerhalt geführt. Das war ein ganz wichtiger Faktor und auch der Grund, warum wir uns bewusst für ihn entschieden haben. Wir sehen in ihm auf jeden Fall einen Trainer mit sehr viel Potenzial.“ Sobek verwies zwar darauf, dass zeitnah eine umfangreiche Saisonanalyse erfolgen werde, in die Wagner und auch die Gremien eingebunden würden. Doch bei allem, was er sagte, klang durch: Wagner ist der Mann.
Am Ende muss der Gemeinsame Ausschuss zustimmen, dem sieben Personen angehören, darunter das Vorstands-Trio. Auch in diesem Gremium gibt es kaum noch Widerstand gegen Wagner, wohl aber noch ein paar Fragen. Kessler, der als Befürworter und Förderer Wagners gilt und ihn quasi als Backup zum mittlerweile entlassenen Lukas Kwasniok ans Geißbockheim zurückgeholt hatte, wollte sich am Montag nicht äußern. Für ihn zählt nur die Vollzugsmeldung – zumal er mit der Trainerfrage auch selbst ein hohes Risiko eingeht.
Salih Özcan als möglicher Fixpunkt
Dann geht es mit dem neuen Cheftrainer umgehend an die Arbeit. Der bereits im vergangenen Sommer eingeleitete Umbruch im Kader soll fortgesetzt und sogar ausgeweitet werden. Die Mannschaft soll ein anderes Gesicht bekommen. Vor allem in Sachen Führungsqualitäten und Charakter wurden in der abgelaufenen Saison Defizite ausgemacht. Ein möglicher Baustein dabei ist Salih Özcan. Wie berichtet, lotet der FC eine Rückholaktion des gebürtigen Kölners aus. Ein erster Austausch zwischen den Vereinsverantwortlichen und dem Spielerlager hat stattgefunden. Kessler schätzt den 28-jährigen Mittelfeldspieler, und auch bei den anderen Entscheidungsträgern steht Özcan hoch in der Gunst. Beim Gehalt gibt es allerdings noch einiges zu klären – zudem hat der Ehrenfelder eine enttäuschende Saison mit kaum Spielpraxis hinter sich. Seinen Platz im WM-Kader der Türkei hat er gleichwohl sicher.
Philipp Türoff, der Sprecher der Geschäftsführung, versicherte, dass der Klub wieder über finanzielle Spielräume verfüge: „Es ist anders als in vergangenen Jahren. Wir haben den FC so stabilisiert, dass wir mögliche Transfererlöse mit absoluter Priorität wieder in den Sport investieren können. Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung – und das war in der Vergangenheit nicht immer so. Da waren Transfererlöse nötig, um andere Dinge aufzuräumen oder zu stabilisieren.“ Zugleich sei der FC bereit, im Fall entsprechender Angebote auch die besten Spieler für hohe Summen ziehen zu lassen. „Transfererlöse sind für uns auch ein wichtiges Element, um handlungsfähig zu bleiben“, so Türoff. Genau daran hatte es beim 1. FC Köln zuletzt gemangelt – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten blieben solche Einnahmen aus.

Said El Mala gilt als einer der Spieler mit dem höchsten Transferpotenzial beim 1. FC Köln.
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Die Spieler mit dem höchsten Transferpotenzial sind Said El Mala (19) und Jakub Kaminski (23). Seine mit dem VfL Wolfsburg vereinbarte Kaufoption in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro wird der FC ziehen – dem Vernehmen nach enthält der Vertrag des Polen aber direkt eine Ausstiegsklausel von etwas mehr als 20 Millionen Euro. Für Kaminski gibt es einen Markt in England, offenbar auch schon erste Interessenten, die diese Summe locker stemmen könnten.
Bei El Mala schwebt den Kölnern eine Ablöse von mindestens 40 bis 45 Millionen Euro vor – er könnte zum Rekordtransfer der Vereinsgeschichte werden, erst recht, sollte Bundestrainer Julian Nagelsmann den Angreifer am Donnerstag in den WM-Kader berufen. Die Transfers könnten sehr viel Geld in die Kassen spülen – allerdings würde der FC damit auch zwei Leistungsträger mit großer Perspektive verlieren, für die erst einmal Ersatz gefunden werden müsste. Spätestens zum Trainingsauftakt am 13. Juli muss auf viele dieser Fragen eine Antwort gefunden worden sein.

