Das von Anwohnern und Umweltschützern an diesem Standort kritisierte Sportinternat soll bereits in rund einem Jahr stehen.
Baugenehmigung erteiltLeverkusens „Haus der Talente“ soll 2027 fertig sein

Ein Holzbau mit begrünter Fassade – so soll das neue Sportinternat aussehen.
Copyright: Oxen Architekten
Das „Haus der Talente“ kann gebaut werden. Die Stadt Leverkusen hat die Baugenehmigung für das geplante Sportinternat von Bayer 04 und dem TSV Bayer 04 erteilt. Der von Anwohnern und Umweltschützern an diesem Standort kritisierte Bau soll bereits in rund einem Jahr stehen: Bei optimalem Verlauf könnten die ersten Bewohner schon im Sommer 2027 einziehen, vermelden Bayer 04 und TSV Leverkusen.
Das Gebäude entsteht zwischen der Kita Löwenburg und der Elisabeth-Langgässer-Straße. Für die jungen Sportler ein optimaler Standort: Im Grünen, aber nah an der Innenstadt und damit gut erreichbar für Schule und Training. Auf 1579 Quadratmetern Nutzfläche und einem Grundstück von gut 9100 Quadratmetern sollen 36 junge Sportlerinnen und Sportler zwischen 14 und 18 Jahren in Wohngruppen zusammenleben. Nicht nur Fußballer: Auch Jugendliche aus Leichtathletik, Judo, Fechten, anderen Mannschaftssportarten und dem Parasport sollen hier wohnen und gefördert werden. Jede Wohngruppe hat eine feste Bezugsperson; das Konzept wurde mit dem Jugendamt abgestimmt. Jedes Einzelzimmer ist 15 Quadratmeter groß, 21 Fahrradparkplätze sind vorgesehen – Autos spielen für die Bewohner kaum eine Rolle, sie sollen per Rad und Bus zur Schule kommen.

36 junge Sportlerinnen und Sportler sollen hier wohnen und lernen können.
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Die Verantwortlichen betonen, dass es für eine erfolgreiche Sportkarriere mehr brauche als Leistungstraining: „Wer in der 89. Minute in einem Champions-League-Spiel oder bei einem Wettkampf in einem Olympischen Finale unter Druck die richtige Entscheidung treffen soll, braucht mehr als Talent, Technik und Fitness.“ Im Haus der Talente sollen die Jugendlichen auch lernen, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und ihre schulischen, sozialen und charakterlichen Fähigkeiten zu verbessern.
Kritik von Anwohnern und Umweltschützern
In der Bevölkerung hatte das Projekt von Anfang an Gegenwind. Kern der Kritik: Das Gelände am Kurtekotten ist die letzte unbebaute Binnendüne Leverkusens. Naturschützer und Teile der Politik warnten vor dem Eingriff in ein schützenswertes Biotop. Bayer 04 entgegnet, die Düne selbst bleibe unangetastet; die Flächen zwischen Kurtekottenweg und Gebäude würden zu Glatthaferwiesen umgestaltet, die als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Zauneidechsen und Insekten dienen sollen. Auch die Erschließung war lange umstritten: Die Zufahrt führt nun – auf Wunsch der Anwohner – über einen neuen Weg östlich der Kita Löwenburg, nicht durch das Wohngebiet. Teile des Vorplatzes liegen in der Seveso-Zone des benachbarten Chemparks; ein Schutzkonzept für Störfälle werde noch erarbeitet.
Der Bau wird sich nahtlos in seine Umgebung einfügen.
Den Bedenken zum Umweltschutz tritt Architekt Bernd Oxen auch mit einem nachhaltigen Baukonzept entgegen: Der Holzbau soll begrünte Fassaden mit Rankhilfen an Holzstelen, begrünte Dächer mit Photovoltaikanlage, Wärmepumpe sowie Regenwasserversickerung auf dem Grundstück bekommen. „Der Bau wird sich nahtlos in seine Umgebung einfügen“, verspricht Oxen.
Freude über die Baugenehmigung herrscht bei den Verantwortlichen. „Der Wettbewerb um die größten Talente im modernen Spitzenfußball ist sehr hart. Das Haus der Talente bietet uns einen sowohl inhaltlich als auch infrastrukturell wichtigen Vorteil gegenüber anderen Vereinen“, sagt Bayer-04-Sportdirektor Simon Rolfes. Für Steffi Nerius, die das bisherige Sportinternat ohne integrierte Wohnmöglichkeiten seit elf Jahren leitet, ist der Neubau ein Herzensprojekt. Sie betont die Bedeutung der dualen Karriere für junge Sportler: „Sport und schulische Ausbildung sollen Hand in Hand gehen.“
Für Oberbürgermeister Stefan Hebbel ist der Bau eine Stärkung des Sportstandorts Leverkusen: „Wir wissen seit Jahrzehnten, wie professionell und strategisch Bayer 04 und der TSV junge Talente fördern.“ Das Haus der Talente ist nach Darstellung des Klubs kein Einzelprojekt, sondern Teil einer Gesamtstrategie – zu der auch der geplante Bayer-04-Campus in Monheim gehört. Ob und wann der realisiert werden kann, ist weiterhin noch offen.
