Pelé, Beckenbauer, Messi: Stars machten den Fußball in den USA populär. Doch die Liga hat sportlich noch einen weiten Weg.
Messi, Müller und Co.Die US-Liga boomt, doch sportlich gibt es noch Lücken

Lionel Messi spielt seit dem Sommer 2023 in der MLS. (Archivbild)
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Eine Intervention des US-Außenministers vor mehr als einem halben Jahrhundert hatte zum Ziel, Pelé für die Förderung des Fußballs in den USA zu gewinnen. Der dreimalige Weltmeister und größte Star seiner Zeit war bereits aus der Seleção zurückgetreten. Dennoch reiste Henry Kissinger, der damalige Außenminister der Vereinigten Staaten, nach São Paulo. Laut späteren Ausführungen Pelés stellte er die Frage: „Möchten Sie uns helfen, den Fußball in den Vereinigten Staaten bekannter zu machen?“. Pelé akzeptierte das Angebot und spielte ab 1975 für Cosmos New York, womit der ersehnte Aufschwung seinen Anfang nahm.
Franz Beckenbauer folgte diesem Vorbild zwei Jahre später, 1977. „Am 1. Juli 1977 (…) ist New York zum Kaiserreich geworden“, kommentierte der FC Bayern damals den Transfer, durch den Beckenbauer sich endgültig als Weltmann etabliert habe. Gerd Müller schloss sich 1979 schließlich den Fort Lauderdale Strikers an und vervollständigte damit das Trio deutscher Fußballgrößen in der damaligen Liga, der North American Soccer League (NASL).

Vor vielen Jahrzehnten waren sie die großen Stars der amerikanischen Liga. (Archivbild)
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Startphase mit geringem Zuschauerzuspruch
Allerdings gestaltete sich der Aufstieg des Fußballs in den USA als mühsam. Für den Soccer stellten die Vereinigten Staaten lange ein schwieriges Terrain dar, weil die Popularität von Basketball, American Football und Baseball vorherrschte. Im Jahr 1967 fusionierten zwei Ligen zur NASL, die mit 22 Mannschaften den Betrieb aufnahm. Durchschnittlich besuchten anfangs weniger als 3.000 Menschen die Partien. Erst durch die Verpflichtung von Stars wie Pelé oder Beckenbauer erhöhte sich die durchschnittliche Zuschauerzahl auf immerhin 13.000.
Zur Steigerung der Popularität des Sports erfolgte eine Anpassung der Regeln an den amerikanischen Markt. So lief die Uhr von 90 Minuten abwärts, es wurde eine zusätzliche Abseitslinie etabliert, die 1982 von der FIFA jedoch wieder entfernt wurde, und Partien ohne Sieger endeten mit einem Elfmeterschießen. Trotz dieser Maßnahmen konnte sich die NASL nicht nachhaltig durchsetzen. Die Liga beendete am 28. März 1985 ihren Betrieb, nachdem laut Berichten nur noch zwei Mannschaften weitermachen wollten.
Die MLS: Ein neuer Versuch mit prominenten deutschen Spielern
Die FIFA machte die Gründung einer neuen amerikanischen Liga zur Bedingung für die Weltmeisterschaft 1994. Daraufhin begann 1996 mit der Major League Soccer (MLS) der nächste Anlauf. Nach einer Phase der Stabilisierung setzt auch diese Liga auf bekannte Persönlichkeiten. Bei Inter Miami ist der argentinische Weltmeister Lionel Messi die herausragende Figur. Ihm schlossen sich aus Deutschland unter anderem Thomas Müller, Marco Reus (LA Galaxy) sowie Timo Werner (San José Earthquakes) an.
Der Transfer von Müller im August 2025 bewirkte, zusammen mit dem ehemaligen Bundesliga-Akteur Heung-min Son, eine Steigerung der Interaktionen um 193 Prozent auf den Kanälen der MLS, des Los Angeles FC und der Vancouver Whitecaps FC. „Die Amerikaner haben einfach eine große Begeisterung für den Sport“, erklärte Bastian Schweinsteiger, der gleichfalls in der MLS aktiv war, gegenüber der „Abendzeitung“. Er fügte hinzu: „Für Soccer ist es jetzt natürlich eine riesige Chance, sich dem Basketball oder dem Football zu nähern.“

Einer der deutschen MLS-Star: Thomas Müller. (Archivbild)
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David Beckham als Wegbereiter für Stars wie Messi
Die Einführung der sogenannten „designated Player“-Regel im Jahr 2007, anlässlich des Wechsels von David Beckham nach Los Angeles, war ein maßgeblicher Fortschritt. Jede Mannschaft darf demnach drei Akteure jenseits der Gehaltsobergrenze (Salary Cap) entlohnen. Beckham, dessen Ankunft an der Seite von Ehefrau Victoria für Aufsehen in Hollywood sorgte, war der erste Profiteur dieser Neuerung. In der Gegenwart bildet diese Regelung die Grundlage für die Saläre von Stars wie Messi, Müller oder Werner. Beckham prognostizierte zu jener Zeit: „Fußball könnte in den USA genauso groß werden wie überall in der Welt. Daran glaube ich“.
Durch Messi erfuhr der Enthusiasmus eine neue Steigerung. Einem Bericht des „Economist“ zufolge rangiert Fußball inzwischen als drittpopulärste Sportart in den Vereinigten Staaten, nach American Football und Basketball, jedoch vor Baseball. Das Interesse wurde zusätzlich durch den Einstieg von Apple als exklusiver Streaming-Partner der MLS im Jahr 2022 verstärkt. Die Liga konnte in der regulären Spielzeit 2024 einen neuen Zuschauerrekord mit durchschnittlich 23.234 Besuchern pro Spiel aufstellen. Ein Jahr später kletterte die Zahl der wöchentlichen Live-Zuschauer auf allen Plattformen auf einen Durchschnittswert von 3,7 Millionen, was einer Zunahme von 29 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht.
Wachstum und Rekorde, doch sportlich besteht eine Kluft
Ungeachtet des Aufschwungs existiert im globalen Vergleich weiterhin eine Diskrepanz. Hinsichtlich des Marktwerts führt Inter Miami die MLS mit etwa 87 Millionen Euro an, gefolgt vom Los Angeles FC mit circa 70 Millionen Euro. Im Gegensatz dazu wird der Marktwert des 1. FC Heidenheim auf 64 Millionen Euro taxiert, während der des FC Bayern München bei rund 969 Millionen Euro liegt. Ein vergleichbares Defizit offenbart sich auf sportlicher Ebene: Im CONCACAF-Wettbewerb, dem Äquivalent zur europäischen Champions League, konnte seit 2008 nur ein MLS-Team, die Seattle Sounders (2022), den Sieg erringen. Alle anderen Titelträger stammten ansonsten aus Mexiko.
In der aktuellen Spielzeit unterlagen die US-Mannschaften Nashville SC und Los Angeles FC in der Vorschlussrunde den mexikanischen Klubs Tigres UANL und Deportivo Toluca. Folglich kommt es im Endspiel erneut zu einer rein mexikanischen Begegnung. (dpa/red)
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