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Jüdische MusikProgramm für das Festival Shalom-Musik Köln vorgestellt

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Derya Karadag, Claudia Hesse, Michael Rado, Bar Zemach, Joachim Hardewig und Ulrike Neukamm (v.l.) in der Synagoge bei der Vorstellung des Festivals Shalom-Musik.

Derya Karadag, Claudia Hessel, Michael Rado, Bar Zemach, Joachim Hardewig und Ulrike Neukamm (v.l.) in der Synagoge bei der Vorstellung des Festivals. 

Das Festival mit jüdischer Musik startet am 1. September und hat 70 Konzerte an 25 Orten im Programm.

Der Schofar, ein seit rund 3000 Jahren verwendetes, aus einem Tierhorn gefertigtes Blasinstrument, spielt seine wichtigste Rolle im jüdischen Gottesdienst. Zum Beispiel wird er zu Beginn des Morgengebets beim Neujahrsfest Rosch ha-Schana und am Ende des Versöhnungstags Jom Kippur geblasen. Der in Berlin lebende israelische Musiker Bar Zemach, der als Solohornist dem von Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra angehört, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Schofar jenseits der Liturgie als Soloinstrument auf Konzertpodien zu etablieren.

Festival Shalom-Musik Köln im September

Am Mittwoch hat der 25-Jährige eine Kostprobe davon gegeben, was das Schofarhorn, das nicht für abgestufte Tonhöhen konzipiert ist, trotzdem melodisch vermag. Anlass war, dass in der Synagoge an der Roonstraße das Programm des Festivals Shalom-Musik Köln vorgestellt wurde. Vom 1. bis zum 10. September findet es zum vierten Mal statt, mit 70 Konzerten an 25 Orten. Zemach wirkt als „Artist in Residence“ mehrfach mit.

Veranstaltet wird das Festival, das diesmal unter dem Motto „Zuhören“ steht, vom Kölner Forum für Kultur im Dialog in Kooperation mit der Kölner Synagogen-Gemeinde. Der Erfolg von Shalom-Musik im Jahr 2024, als rund 10.000 Besucher und Besucherinnen gezählt wurden, sei Ansporn zum Weitermachen gewesen, sagte Claudia Hessel, die Vorsitzende des Vereins. Jüdische Musik gehöre nach Köln, dessen jüdische Gemeinde als die älteste nördlich der Alpen gilt. Wer das Festival besucht, entdecke „eine Musik, die weit über bekannte Klischees hinausreicht: lebendig, international und überraschend.“

Gewachsene Bedrohung jüdischen Lebens

Michael Rado vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln sprach eine nachdrückliche Empfehlung aus: „Jeder, der nicht hingeht, hat etwas versäumt.“ Bürgermeisterin Derya Karadag sagte mit Blick auf die gewachsene Bedrohung jüdischen Lebens hierzulande: „Es gilt, daran zu arbeiten, zur Normalität zu kommen. Das Festival hilft uns, diese Normalität herzustellen.“

Bar Zemach bläst auf einem Schofar, dem Horn einer Antilope.

Bar Zemach bläst auf einem Schofar, dem Horn einer Antilope. Zemach ist einer der Artisten im Festival.

Bar Zemach hat sein Instrument, das aus einem Kuduhorn gefertigt ist, als 18-Jähriger von seinem Großvater geschenkt bekommen. Es verfüge nur über drei „Naturtöne“, doch durch Veränderung der Lippenspannung gelinge es ihm, das Instrument so zu „manipulieren“, dass er Töne in Abstufungen über drei Oktaven hinweg erzeugen könne, sagte der Musiker. Zur Demonstration spielte er das Volkslied „Hevenu shalom aleichem“ – und zur allgemeinen Überraschung die Hymne des 1. FC Köln.

Eröffnungskonzert in der Flora

Schon beim Eröffnungskonzert am 1. September in der Flora ist Zemach dabei. Im Mittelpunkt des Abends steht eine Uraufführung: Der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins trägt Vertonungen von vier Gedichten der in Köln geborenen jüdischen Lyrikerin Hilde Domin vor; in Töne gesetzt hat die Texte der zeitgenössische Komponist Shay Cohen. Außerdem singt das Ensemble Chormusik von Klassik bis zu den Comedian Harmonists. Sharon Brauner & The Toy Goys ergänzen das Programm mit jiddischen Liedern.

Am 5. September tritt Zemach zweimal mit dem Jewish Chamber Orchestra Hamburg im „Ventana“ in Sülz auf, beim „Familienkonzert“ und danach beim Konzert „Tikkun Olam“, bei dem unter anderem Werke von Mahler, Piazzolla und erstmals eine Komposition von Gerald Cohen zu hören sind. Auch am „Langen Tag mit jüdischer Musik“ wirkt Zemach mit: Am 6. September werden an 15 Orten, etwa in der Synagoge Roonstraße und im Dom, kostenlose Kurzkonzerte geboten.

Seinen Abschluss findet das Festival, dessen Bandbreite von Klassik und Klezmer bis zu Folk und Jazz reicht, am 10. September mit einem Konzert in der Trinitatiskirche, bei dem die Sopranistin Dame Emma Kirkby auftritt. Hebräische Psalmen des jüdischen Barockkomponisten Salomone Rossi treffen dann auf Vertonungen von Heinrich Schütz. Das Programm des Festivals ist online verfügbar. Der Ticketverkauf hat begonnen.

www.shalom-musik.koeln