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Nur drei Siege in diesem JahrViele offene Fragen beim FC – und wenig Zeit, sie zu beantworten

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GER, Bayern, Muenchen, Fussball, FC Bayern Muenchen - 1. FC Koeln, in der Allianz Arena, Muenchen, Bundesliga, 34. Spieltag, 16.05.26, v.l. Rene Wagner 1. FC Koeln, Trainer, gibt anweisungen DFL / DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi-video, *** GER, Bayern, Muenchen, Fußball, FC Bayern Muenchen 1 FC Koeln, in der Allianz Arena, Muenchen, Bundesliga, 34 Spieltag, 16 05 26, v l Rene Wagner 1 FC Koeln, Trainer , gibt anweisungen DFL DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video, Copyright: HMB-Media/MichaelxNibel

FC-Trainer René Wagner gibt seinen Spielern in München Anweisungen. Der FC verlor zum Saisonabschluss mit 1:5 beim Rekordmeister.

Am Montag trifft sich die „FC-Familie“ zur Saison-Abschlussfeier in der Flora. Viele Personalien sind bisher noch ungeklärt.

Die große FC-Familie trifft sich am Montagabend vor dem Urlaub im festlichen und großen Rahmen. Im Palais Flora am Botanischen Garten steigt ab 18 Uhr die große Saisonabschlussfeier des 1. FC Köln. Dresscode: „sommerlich chic“, wie es heißt. Das große Ziel, der Klassenerhalt in der Bundesliga, steht bereits seit zwei Wochen fest. Doch alle Kölner werden froh sein, dass die Saison nun beendet ist. Zu enttäuschend verliefen die vergangenen Wochen und Monate. Immerhin: Der erneute Gang in die 2. Bundesliga bleibt diesmal erspart. Er wäre auch fast keinem mehr zu vermitteln gewesen.

Beim letzten Saisonspiel in München erfüllte der FC die ihm zugeteilte Rolle: die als Beiwerk bei Bayerns Meisterfeier. Bei der 1:5-Niederlage war die Mannschaft von Trainer René Wagner wie erwartet chancenlos. Für einige Spieler war es auch ein Abschiedsspiel – auch wenn einige Personalien noch offen sind. Palermo-Leihgabe Kristoffer Lund sammelte erneut keine Pluspunkte hinsichtlich einer Weiterbeschäftigung. Bei den Verteidigern Jahmai Simpson-Pusey und Cenk Özkacar, ebenfalls Leihspieler, stehen die Zeichen eher auf feste Verpflichtung. In der Schwebe ist bekanntlich auch noch die Zukunft von Jungstar Said El Mala, der in München durch ein Traumtor noch einmal Werbung in eigener Sache betrieb, und die von Leistungsträger Jakub Kaminski dank einer Ausstiegsklausel in Höhe von rund 20 Millionen Euro.

Tränen in München: Eric Martel wird den FC nach vier Jahren verlassen

Eric Martel vergoss nach dem Abpfiff sogar Tränen. Der Vertrag des Mittelfeld-Abräumers läuft Ende Juni aus, nach vier Jahren in Köln wird der 24-jährige Straubinger nach Informationen dieser Zeitung den FC ablösefrei verlassen und sich neuen Herausforderungen stellen. Mit dem Klub ist vereinbart worden, dass der FC die Entscheidung zeitnah verkündet.

Unter all den offenen Personalien ist es die drängendste: die Frage, ob René Wagner auch in der nächsten Saison Trainer sein wird. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler hat sie noch nicht offiziell beantwortet – und will das angeblich auch nicht überstürzen. „Am Ende bewerten wir die komplette Phase, in der René unser Trainer war“, sagte er und machte klar, dass das 1:5 in München allenfalls ein kleiner Aspekt in der Gesamtbeurteilung ist. Wagner habe den Klub in einer „sehr schwierigen Phase“ übernommen, die wichtigste Aufgabe – den Klassenerhalt – erfüllt. Und das, so Kessler, sei „für den 1. FC Köln alles andere als selbstverständlich“.

Kessler steht vor einer Entscheidung, bei der es keinen einfachen Weg gibt. Bleibt Wagner, muss der Kader trotzdem grundlegend erneuert werden – der aktuelle ist für eine sorgenfreie Bundesliga-Saison schlicht zu dünn. Geht Wagner, braucht es nicht nur einen neuen Trainer, sondern ebenfalls dringend frische Qualität im Kader. Der Sommer wird in jedem Fall ein arbeitsreicher – und ein teurer. Die Frage ist nur, wer ihn als Trainer begleitet. Nach wie vor gilt Kessler als Befürworter Wagners, doch die große Einigkeit herrscht dem Vernehmen nach nicht in allen Gremien, die letztlich entscheiden. Vor einem Jahr lag der 40-Jährige mit seiner Entscheidung pro Lukas Kwasniok daneben. Dieses Jahr muss die Wahl passen.

Der Trainer wartet. „Ich brauche erst einmal ein Zeichen des Vereins. Ich habe noch gar nichts gehört“, sagte René Wagner nach dem Abpfiff in München – und brachte damit seine Lage auf den Punkt. Der 37-Jährige weiß weiterhin nicht, ob er im Amt bleibt. Die 90 Minuten in der Allianz Arena hätten „nichts an seinem Gefühl geändert“, erklärte der Dresdner – wie dieses Gefühl konkret lautet, verriet er allerdings nicht. Die Tendenzen bei den Verantwortlichen dürfte er gleichwohl vernommen haben. Zunächst wolle er das Gespräch mit Kessler suchen: „Der Verein muss entscheiden, wie es weitergeht.“ Dabei ist Wagner überzeugt, seinen Teil getan zu haben. Den Klassenerhalt – die wichtigste gestellte Aufgabe – habe er erfüllt. Darüber hinaus habe man intern „zwei, drei andere Dinge angeschoben“, die er nicht näher benannte. Auf dem Platz war davon zuletzt aber wenig zu sehen. Die Pleite in München müsse nun „sauber und sachlich eingeordnet“ werden. Wenn er weitermachen dürfe, wisse er genau, wohin er mit dem FC wolle.

Die Tendenz der Bosse geht Richtung Verlängerung – eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Allerdings: Gut möglich, dass sie schneller fällt als gedacht. Auch im Verlauf des Montags könnte die Trainerentscheidung mit kühlem Kopf und nach erster Saisonanalyse getroffen werden. Denn am Abend in der Flora soll gefeiert werden – für ein Saisonziel, das am Ende doch noch erreicht wurde. Analysieren, feiern, entscheiden: Das ist das Kölner Motto. In welcher Reihenfolge auch immer.