Zum 40-jährigen Bestehen hat der Fanclub „Lev-Szene '86“ eine große Party im Neulandpark mit vielen Idolen der Vereinsgeschichte organisiert.
Lev-Szene '86Klassentreffen der Bayer-04-Größen zum Geburtstag

Tausende Fans kamen aus dem Stadion an den Rhein.
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Was schätzen Fußballprofis an ihren Fans besonders? Die lauthals geschmetterte Hymne vor Spielbeginn? Wie sie die Namen der Spieler bei der Aufstellung schreien? Unbändiger Torjubel? Ibrahim Maza fällt spontan etwas anderes ein: „Wir haben zuhause 2:7 gegen Paris verloren – und ihr wart immer noch da und habt uns angefeuert“, sagt der junge Bayer-04-Profi auf der Bühne im Neulandpark. „Danke für den Support.“
Seit 40 Jahren – einige sogar schon länger – unterstützen die Mitglieder des Fanclubs „Lev-Szene '86“ ihren Verein in guten und schlechten Zeiten. Und so unterstützen viele Vereinsgrößen aus Gegenwart und Vergangenheit gerne die große Geburtstagsparty am Rhein mit Blick auf das Bayerwerk. Wie die Lev-Szene schreibt: „Dort, wo alles begann“, zwischen Stadt, Verein und Industrie. Mehrere Tausend Fans sind nach Abpfiff des letzten Saisonspiels gegen den HSV aus der BayArena in den Neulandpark gepilgert. Torwart-Legende Rüdiger Vollborn ist begeistert: „Ich habe schon viel erwartet – aber so viel nicht.“

Rüdiger Vollborn gibt noch einmal die „Windmühle“ zum Besten, Erich Ribbeck (l.) lacht.
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Es wirkt ein bisschen wie ein großes Klassentreffen verschiedener Generationen, die die Lev-Szene in aufwändiger Organisationsarbeit auf der Bühne vereint hat. Etwa, wenn Rüdiger Vollborn noch einmal die „Windmühle“ zum Besten gibt und die jüngeren Fans aufklärt: „1988 im Finale um den Uefa-Cup habe ich beim entscheidenden Elfmeter wild mit den Armen gerudert, das war damals ungewöhnlich.“ Der Gegner verschoss, Bayer 04 Leverkusen war Uefa-Cup-Sieger. „Vielleicht hätte er auch so verschossen“, sagt Vollborn heute. Aber so wurde er mit der Windmühle zum Pokalhelden. Mit auf der Bühne auch der damalige Trainer Erich Ribbeck. Der 88-Jährige gesteht: Die Durchhalteparolen auf dem Rückflug nach der 0:3-Niederlage bei Espanyol Barcelona seien hauptsächlich dafür da gewesen, sich selbst Mut zu machen. „Aber letztlich hat es geklappt, und wir haben das Spiel gedreht.“

Paulo Sergio (2.v.l.) mischt sich mit Begeisterung unter die Fans.
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Währenddessen mischen sich Stefan Kießling und Paulo Sergio unter die Besucher und machen geduldig Fotos mit den begeisterten Anhängern. Auf die Bühne werden die Stars aus den 90er- und 00er-Jahren befragt. Ulf Kirsten sagt, er sei nicht traurig, dass er nie mit einem „Tor des Monats“ ausgezeichnet wurde: „Schöne Tore brauche ich nicht, Ball über der Linie, Schluss, Aus, Nikolaus.“ Carsten Ramelow kann heute sagen, dass er sehr stolz sei auf die dreifache Vize-Saison: „Natürlich ging es uns damals wie euch Fans. Aber rückblickend war das eine wunderschöne Zeit. Wie viele deutsche Mannschaften haben es schon in ein Champions-League-Finale geschafft?“
Liebe zu Leverkusen
Die Liebe zu Leverkusen und den Fans nimmt man vor allem Paulo Sergio ab, der mit einem Dauergrinsen in die Menge winkt. Der Brasilianer leitet heute die „Bayer 04 Football Academy São Paulo“, die erste dieser Art in Brasilien. Zum Saisonfinale hat er 30 brasilianische Kinder mit ins Stadion gebracht. „Ich bin immer gerne hier“, sagt er mit leuchtenden Augen. Das war nicht immer so: Als einer der ersten Brasilianer in der Bundesliga hatte er Anpassungsschwierigkeiten, wollte nach drei Monaten wieder nach Hause. „Der Calli hat mir gesagt: Paulo, du musst bleiben, schaffst du das?“ Da habe er sich angestrengt und gelernt, die Sprache und Kultur zu verstehen. Und trägt Leverkusen seitdem im Herzen.

Marco Giese (M.) von der Lev-Szene hat das Event hauptverantwortlich organisiert und wird von der aktuellen Mannschaft mit einem Trikot geehrt.
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Zwischen umjubelten Videobotschaften von Double-Trainer Xabi Alonso („Danke, dass ihr diesen besonderen Verein immer unterstützt“) und Reiner Calmund kommen Vertreter der aktuellen Mannschaft auf die Bühne. Kapitän Robert Andrich, Torhüter Mark Flekken und Ibrahim Maza, zusammen mit Simon Rolfes und Fernando Carro, die alle betonen, wie wichtig ihnen die Unterstützung der Fans ist.

Den „Calli“ hatten viele Fans persönlich erwartet, immerhin schickte er eine Videobotschaft.
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Und auch, wenn diese Saison mit Platz sechs nicht zur vollsten Zufriedenheit beendet wurde, verspricht Carro: „Wir greifen nächste Saison wieder an.“ Die Enttäuschung darüber, dass das Grüppchen nach dem Auftritt direkt wieder abzieht und nicht mehr für Selfies zur Verfügung steht, hält nicht lange. Rockbands übernehmen die Bühne – und lassen die Fans auf matschigem Boden aus der Saison tanzen.
Die Lev-Szene '86 versteht sich als „Old School“-Fanclub von Bayer 04 Leverkusen und als Treffpunkt der „alten Leverkusener Fanszene“. Die Wurzeln reichen bis 1983 zurück, gegründet wurde der Fanclub offiziell 1986, viele Mitglieder gehen seit 40 bis 50 Jahren zu Spielen und treffen sich vor allem an Spieltagen am Vereinsheim am Konrad-Adenauer-Platz, das einem kleinen Bayer-04-Museum gleicht. Politisch beschreibt sich die Lev-Szene ‚86 als unabhängig und grenzt sich von extremen Ideologien, links wie rechts, ab.