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Kommentar

Viel mehr Arbeit als erwartet
Auf den 1. FC Köln wartet ein ungemein anspruchsvoller Sommer

Ein Kommentar von
3 min
1. FC Köln vs. 1. FC Heidenheim, 33. Spieltag, 10-05.2026, 17.30 Uhr, Thomas Kessler (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Kann sich über fehlende Arbeit nicht beklagen: Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler

Die Aufgaben beim FC sind auch nach dem Umbruch im vergangenen Jahr immens und größer, als wohl von vielen gedacht. Viele Fragen sind noch offen.

Nun soll man nach einem sportlichen Wettkampf nicht sofort jedes Wort der Protagonisten auf die Goldwaage legen. Da spielen Emotionen und Adrenalin eine Rolle, die Selbstwahrnehmung weicht ohnehin oft von der Fremdwahrnehmung ab – der Moment unmittelbar nach dem Abpfiff ist selten der geeignete Rahmen für nüchterne Analyse.

Nach dem letzten Saisonspiel, dem 1:5 in München, war beim 1. FC Köln zwar die Rede davon, dass man gegen die übermächtigen Bayern chancenlos gewesen sei – aber auch nicht zum ersten Mal, dass man sich in den vergangenen Wochen und Monaten „extrem entwickelt“ habe. Aussagen, die in ihrer Widersprüchlichkeit symptomatisch für eine schwierige, ambivalente Saison stehen.

Es bleibt zu hoffen, dass intern die Sicht auf die Dinge eine andere ist. Der 1. FC Köln hat im gesamten Kalenderjahr bisher ganze drei Siege geholt und gleich mehrere enttäuschende Leistungen geboten – erst unter dem geschassten Trainer Lukas Kwasniok, dann unter Interimscoach René Wagner, der sechs von möglichen 21 Punkten holte. Zahlen, die für sich sprechen. Eine Weiterentwicklung sieht jedenfalls anders aus.

Natürlich: Der FC hat als Aufsteiger den Klassenerhalt bereits nach dem 32. Spieltag gesichert. Dafür muss sich niemand entschuldigen. Aber es war eben auch nur das Minimalziel – schließlich hat man noch von keinem Bundesligisten gehört, der den Abstieg als Saisonvorhaben ausgegeben hat. Den Klassenerhalt als Erfolg zu verkaufen, mag in Anbetracht der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des FC im Vergleich zur Konkurrenz verständlich sein; als dauerhafter Anspruch eines derart wuchtigen Traditionsvereins taugt er nicht.

Das Anspruchsdenken der Kölner darf ruhig wieder ein anderes werden. Kein Größenwahn, keine Hybris, dafür echte Ambitionen. Kein Mensch erwartet, dass der FC den Großen und Etablierten der Liga bereits ernsthaft Paroli bieten kann. Doch bei Spielen wie gegen die Bayern nur „zuschauen“ und sie zu „genießen“, wie es Verteidiger Joel Schmied wohl unbedacht formulierte – das kann nicht die richtige Herangehensweise sein. Es geht auch um die richtige Haltung. Und sich von den Fans für eine solche Saison feiern zu lassen, ist ebenfalls erstaunlich.

Viele Fragen sind zudem weiterhin unbeantwortet. Allen voran die Trainerfrage. Vieles spricht für Wagner, da die Verantwortlichen vom 37-Jährigen überzeugt sind – doch die Personalie birgt erhebliche Risiken. Großen Kredit und Rückhalt im Umfeld hat er jedenfalls nicht. Die Entscheidung muss in den nächsten Tagen fallen – Ungewissheit ist in dieser Phase der Kaderplanung der schlechteste aller Zustände.

Der Kader ist zudem auf mehreren Positionen qualitativ nicht so aufgestellt, dass eine sorgenfreie Saison möglich erscheint. Fünf bis sechs Verstärkungen dürften nötig sein – zumal die Bundesliga nach den Abstiegen von St. Pauli und Heidenheim nicht schlechter werden dürfte. Durch gesundes Wirtschaften und Konsolidierung erscheint der FC da immerhin handlungsfähig. Über allem schwebt die ungeklärte Zukunft von Ausnahmetalent Said El Mala, ohne dessen Tore der FC wohl abgestiegen wäre. Und auch ein Verbleib von Jakub Kaminski, einem weiteren Schlüsselspieler, ist nicht sicher.

Darüber hinaus, so ist aus dem Geißbockheim zu hören, muss die Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung und dem seit September 2025 amtierenden neuen Vorstand verbessert werden – es knirscht offenbar an mehreren Stellen. Interne Reibungsverluste sind das Letzte, was der Verein gebrauchen kann.

Auf die Verantwortlichen und insbesondere auf Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler wartet ein überaus anspruchsvoller Sommer, den viele nach dem gewaltigen Umbruch des Vorjahres so nicht erwartet hätten. Vielleicht nicht einmal die Verantwortlichen selbst. Jetzt wissen sie es – und sie müssen und werden handeln.